Tankstellenräuber von Rotkreuz haben Überfall inszeniert

Verteidiger: Drehbuch gut, schauspielerische Leistung schlecht

Einer der Tankstellen-Räuber im Januar 2013, aufgenommen von der Überwachungskamera.

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  1. Überfall auf Tankstelle Rotkreuz war inszeniert. Audio: Roman Gibel

Im Januar vor einem Jahr haben maskierte Täter den Tankstellenshop in Rotkreuz im Kanton Zug überfallen. Sie haben dabei zwei Angestellte mit Kabelbinder gefesselt und mit einer Schreckschuss-Pistole bedroht. Insgesamt haben sie umgerechnet rund 45'000 Franken erbeutet.

Raubüberfall war inszeniert

Das Zuger Strafgericht verhandelte heute die Straftaten von vier Männern. Dabei stellte sich heraus, dass der Überfall auf die Tankstelle inszeniert war. Einer der Angeklagten arbeitete damals im Tankstellenshop und war einer der Drahtzieher des Überfalls. Ihre Idee: Der Überfall sollte echt aussehen, so dass niemand darauf kommen würde, dass der Angestellte den Safe zu seinem eigenen Nutzen leeren könnte. Eine zweite Angestellte, die an diesem Abend im Laden war, war nicht informiert und sollte sozusagen als Zeugen für einen echten Überfall herhalten.

"Das war fast das perfekte Verbrechen. Aber eben nur fast." (Staatsanwalt)

Während einer der mutmasslichen vier Täter Wache schob, drangen zwei weitere in den Tankstellenshop ein und zwangen zuerst die Angestellte und schliesslich den vermeintlichen verdeckten Komplizen, den Safe zu öffnen. Nur letzterer verfügte über den entsprechenden Code. Für den leitenden Staatsanwalt war das Verbrechen fast perfekt geplant, allerdings eben nur fast. Ein routinierter Kriminalbeamter störte sich ab den Aufnahmen der Überwachungskameras. Er hatte das Gefühl, dass da irgendetwas nicht stimmt und schaute sich die Bänder immer und immer wieder an.

Eine Überprüfung des Telefons des Tankstellen-Mitarbeiters und Komplizen hat schliesslich zur Auflösung des Falls geführt. So konnten auch die übrigen Beteiligten überführt werden.

"Gutes Drehbuch, aber schlechte schauspielerische Leistung." (Verteidiger von einem der Angeklagten)

Die Angeklagten sassen heute allesamt mit gefesselten Füssen und Händen im Gericht. Die Staatsanwaltschaft plädierte auf Raub und verlangte zwischen vier bis fünf Jahren Haft für die drei Räuber, für den Tankstellen-Angestellten und Mitwisser drei Jahre, davon die Hälfte bedingt. 

Der Verteidiger des Tankstellen-Angestellten fand dies zu hoch. Da der Überfall nur inszeniert gewesen sei, könne man lediglich von Diebstahl sprechen. Er verlangte eine maximale Strafe von 24 Monaten bedingt. Das Urteil wird am kommenden Freitag erwartet.

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