Die Goldgrube Iran - Zentralschweizer Unternehmen wollen mitprofitieren

Exporte in den Iran könnten sich bis in fünf Jahren verdreifachen

Industrie- und Handelskammer Zentralschweiz ihz

Der Iran ist in der Schweiz mehrheitlich ein unbekanntes Land. Zumindest in der breiten Öffentlichkeit. Praktisch jeder hat schon einmal etwas von den Sanktionen gegen das Land durch den Westen gehört. Deutlich weniger wissen aber, weshalb es diese gab oder teils auch noch gibt.

In den vergangenen Jahren warf der Westen dem Iran immer wieder vor, heimlich Atomwaffen herstellen zu wollen. Abschliessend bewiesen werden konnte dies jedoch nie. Es gab aber starke Hinweise darauf. Seit kurzen ist der Atomstreit zwischen dem Iran und dem Westen beendet. Der Iran hat eingelenkt und machte sein Atomprogramm transparenter und geht auf Forderungen ein, welche der Westen gestellt hatte. Im Gegenzug lockerte der Westen zu Beginn dieses Jahres die Sanktionen gegen den Iran. Vor allem die Wirtschaft im Iran litt stark unter den Sanktionen.

Obwohl der Iran kein Drittweltland ohne Industrie ist, geriet die iranische Wirtschaft wegen den Sanktionen stark ins Stocken. Dies soll sich nun ändern. Von der Lockerung profitieren wollen nun auch Unternehmen aus der Zentralschweiz. Markus Wermelinger, Leiter Export bei der Industrie- und Handelskammer Zentralschweiz, sieht darin ein enormes Potential für Zentralschweizer Unternehmen.

Schweizer Export in den Iran könnte sich verdreifachen

Bis anhin exportierte die Schweiz Waren für rund 600 Millionen Franken in den Iran. Markus Wermelinger rechnet vor, dass sich dieses Volumen in drei bis fünf Jahren verdreifachen könnte. Profitieren davon würden zunächst vor allem Unternehmen aus Branchen, die im Bereich Infrastruktur und Industrie tätig sind. Also beispielsweise Hersteller von Maschinen.

Ähnlich sehen dies auch Jules Jurt und Daniel Imhof von der Trisa. Jules Jurt ist beim Zahnbürstenhersteller Trisa für den Iran zuständig. Mehrfach hat er das Land deshalb auch schon besucht. Die Menschen dort seien grundsätzlich gut ausgebildet und motiviert. Allerdings sei die Arbeitslosigkeit unteranderem wegen den langjährigen Sanktionen enorm hoch. Offiziell ist die Rede aber nur von einer Arbeitslosigkeit von 10 Prozent.

Iran will keine fertigen Produkte

Daniel Imhof, Leiter Export der Trisa AG aus Triengen, ist ebenfalls überzeugt, dass der Iran grosses Potential hat für Zentralschweizer Unternehmen bietet. Das Land hat rund 80 Millionen Einwohner - Potentielle Kunden gibt es also mehr als genug. Die Schwierigkeit ist gemäss Daniel Imhof jedoch, fertige Produkte in den Iran verkaufen zu können.

Nach wie vor sei der Iran sehr bürokratisch und will wenn möglich keine fertigen Produkte importieren. Viel mehr möchte der Iran erreichen, dass westliche Unternehmen die Maschinen für Produktionen im Iran liefern. Oder noch besser, dass sich westliche Unternehmen dazu entscheiden, im Iran zu produzieren.

Für Trisa selber sei der Markt Iran deshalb zurzeit auch noch schwierig zu bewirtschaften. Jules Jurt und Daniel Imhof könnten sich aber durchaus vorstellen, dass dereinst alle Iraner sich die Zähne mit einer Trisa-Zahnbürste putzen, sagen sie mit einem Augenzwinkern. Realistisch sei dies aber eher nicht. Denn auch im Iran gilt jetzt der Konkurrenzkampf. 

Audiofiles

  1. Die Schweiz und der Iran. Audio: Yanik Probst

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