Dopingexperte Hajo Seppelt zum IOC-Entscheid

Der deutsche Enthüllungsjournalist zeigt sich schockiert

Hajo Seppelt

Der Entscheid des olympischen Komittees IOC, Russland nicht generell von den olympischen Spielen in Rio zu sperren, sorgt in der Sportwelt für Kopfschütteln. Der deutsche Thomas Bach, IOC-Präsient, wird von allen Seiten heftig kritisiert. Auch Hajo Seppelt, deutscher Journlist und Autor, der den russischen Dopingskandal ins Rollen brachte, kann die Entscheidung nicht nachvollziehen.

Vor zwei Jahren entschloss sich die russische Leichtathletin Julia Stepanowa als Whistleblowerin über die russischen Machenschaften im Doping auszusagen. Ihre Enthüllungen sorgten weltweit für grösste Aufregung. Der deutsche Journalist Hajo Seppelt befasst sich seit über 20 Jahren mit dem Thema Doping. Er gilt als absoluter Experte und gnadenloser Enthüllungsjournalist. Gemeinsam mit Stepanowa arbeitete er die russischen Machenschaften auf und zeichnete ein Bild, wie der russische Sportverband gedeckt durch die Regierung regelrecht Sportler "züchteten". Dass das IOC nun die russischen Athleten doch nicht generell für Rio sperrt, darüber zeigt sich Seppelt enttäuscht. Wie er gegenüber Radio Pilatus sagte, zeige es für ihn einmal mehr, dass Thomas Bach nicht in der Lage ist die aktuelle Krise zu überstehen. Er sei zu eng mit Russland verbündet, dass er eine klare Entscheidung treffen könnte. Thomas Bach wurde damals, bei seiner Wahl zum IOC-Präsidenten von Russland unterstützt. Nun scheint es, dass Bach dieses Vertrauen Russlands auf seine persönliche Art und Weise zurückzahlt.

Thomas Bach weht rauer Wind entgegen
Nach dem Nichtentscheid des IOC zum allfälligen Gesamtausschluss der russischen Olympia-Delegation muss IOC-Präsident Thomas Bach viel Kritik entgegennehmen. Die Stimmen zeugen von Enttäuschung, Spott, Häme und Verärgerung bis hin zu Wut und Zorn. Gerade aus dem eigenen Land bekommt der 62-jährige Deutsche sehr viel Entrüstung zu spüren. Selbst einstige Weggefährten nehmen kein Blatt vor den Mund. Viele fordern Bach zum Rücktritt auf, weil das IOC dem Doping Tür und Tor geöffnet und all die sauberen Athletinnen und Athleten vor den Kopf gestossen habe.

Der deutsche Diskus-Olympiasieger Robert Harting wählte ungewöhnlich klare Worte: "Bach ist für mich Teil des Doping-Systems, nicht des Anti-Doping-Systems. Ich schäme mich für ihn. Ich habe schon oft meine Enttäuschung über Thomas Bach geäussert. Aber das ist jetzt eine neue Dimension der Enttäuschung."

Whistleblowerin Stepanowa darf nicht in Rio starten
Hajo Seppelt bedauert vor allem auch der Entscheid, dass die russische Athletin Julia Stepanowa gesperrt bleibt. Sie trat als Whistleblowerin quasi als Kronzeugin gegen Russland auf. Sie setzte sich einer Gefahr aus, die wir nicht nachvollziehen können, so Seppelt. Stepanowa hält sich zurzeit mit ihrem Mann und dem kleinen Sohn an einem geheimen Ort im Ausland auf. Eine Rückkehr nach Russland ist für die Familie nicht möglich, zu gefährlich.

Auch der 31-jährige Welt- und Europameister robert Harting bedauert den Ausschluss der russischen Whistleblowerin Julia Stepanowa. "Das ist nicht rechtens. Sie hat so viel Schaden für die Leichtathletik-Welt abgewendet. Ihr Start wäre ein Schlag ins Gesicht von Herrn Putin gewesen. Und genau deshalb darf sie nun nicht starten."

Die Verantwortung liegt nun bei den Sportverbänden
Das IOC übernimmt die Verantwortung für den Gesamtausschluss Russlands also nicht. Sie schieben diese nun an die einzelnen Sportverbände ab. Es liegt nun an denen zu entscheiden, ob sie die russischen Athleten sperren oder nicht. Der internationale Leichtathletikverband IAAF hat entschieden: russische Leichtathleten werden in Rio keine am Start sein! In den Augen Seppelts genau der richtige Entscheid. Auch Schwimmer und Ruderer wurden teilweise gesperrt.

Fakt ist, das Thema Doping ist im Spitzensport so heftig diskutiert wie schon lange nicht mehr. Und wenn es nach Hajo Seppelt geht, wird diese Diskussion auch weitergeführt. Er wird zusammen mit seinen Kollegen seine Recherchen auf jeden Fall weiterführen um so einen Beitrag im Kampf gegen Doping zu leisten. Er selber sagt zwar, er sei kein Kämpfer gegen Doping, aber seine Arbeit ist Kampf gegen Doping. Und im Sinne des Sportes, des sauberen Sportes, wird diese hoffentlich noch lange andauern und das Fehlverhalten von Verbänden, Funktionären und Sportler ans Licht führen.

 

*** Wer ist Hajo Seppelt?
Er ist ein deutscher Journalist und Autor. Er gilt als Experte für die Dopingproblematik im deutschen und internationalen Sport. Seit 1997 berichtet Seppelt regelmäßig für alle Anstalten der ARD über das Thema Doping, sportpolitische Themen, dabei insbesondere über die Olympischen Spiele und das IOC. (Quelle: www.hajoseppelt.de)

Hajo Seppelt veröffentlichte mehrere Dokumentarfilme zum Thema Doping. Mehr zu den Filmen und über Hajo Seppelt findet ihr hier.

Audiofiles

  1. Hajo Seppelt zum IOC-Entscheid. Audio: Philipp Breit

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