Fasnacht: Tiergwändli scheiden die Geister

Der Verkaufsschlager der letzten Jahre kommt nicht überall gut an

Impressionen vom Monstercorso und Güdisdienstagabend

Es ist weitherum bekannt: Die Luzerner Fasnacht ist einzigartig farbig. Kreativität wird grossgeschrieben. Gewisse Fasnächtler machen es sich da jedoch aber einfach - und schlüpfen in tierische Einteiler. Das kommt nicht überall gut an.

Abwechslungsreiche Sujets, aufwendige Verkleidungen und Grinden seien leider immer weniger zu sehen, hört man von eingefleischten Fasnächtlern oft. Während diese Wahrnehmung nicht alle aktiven Fasnächtler teilen, herrscht bei einem anderen Thema Einigkeit: Jugendliche in tierischen Einteilern hätten mit der 'richtigen' Luzerner Fasnacht nicht viel zu tun. "Es gibt diejenigen, die sich bei ihrer Verkleidung Mühe geben und es gibt die andern", sagt etwa Patrick Hauser, Präsident des Luzerner Fasnachtskomitees (LFK).

Jeder fängt mal klein an

Seit jeher sind die flauschigen Einteiler mit Reissverschluss unter kleinen Kindern beliebt. Seit einigen Jahren sind auch vermehrt Jugendliche in solchen Kostümen an der Luzerner Fasnacht unterwegs. Damian Surber, Geschäftsführer des Fasnachtsbazars Luzern, der solche tierischen Einteiler verkauft, erklärt sich das so: "Die Einteiler sind halt praktisch, weil sie einfach und schnell anzuziehen sind und darunter problemlos warme Kleider getragen werden können." Es handle sich bei den Tierkostümen für Jugendliche und Erwachsene um einen Trend. Dieser sei schon wieder am Abflachen, so Surber.

Solche "Zeiterscheinungen" hätten an der Fasnacht auch ihren Platz, "auch wenn diese Entwicklung für uns in eine falsche Richtung geht", sagt Linus Gähwiler, Präsident der Maskenliebhaber-Gesellschaft Luzern (MLG), die sich der Pflege und der Förderung des kreativen fasnächtlichen Treibens verschrieben hat. Gähwiler betont: "Verkleidungen ab Stange sind eine verpasste Chance." Es gehe an der Fasnacht um mehr, als nur verkleidet zu sein. 

Keine Kleidervorschriften nötig

Den Teufel an die Wand malen wollen die eingefleischten Fasnächtler deswegen aber noch nicht. "Besser, die Jungen gehen als Häsli an die Fasnacht, als gar nicht", betont Linus Gähwiler von der MLG. Ähnlich sieht das Linus Jäck von den Vereinigten Guuggenmusigen. "Nicht jeder ist an seiner ersten Fasnacht perfekt verkleidet", so Jäck. Die Inspiration komme mit dem Erlebnis, mit all den Eindrücken auf den Strassen und in den Gassen. Dem kann pflichtet Patrick Hauser vom LFK beipflichten: "Ich glaube, es ist nicht nötig, dass wir zu besseren Verkleidungen aufrufen. Es ist genügend Fantasie und Kreativität vorhanden."

 

Audiofiles

  1. Fasnacht: Die Tiergwändli scheiden die Geister. Audio: David von Moos
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