225 Jahre Guillotine

Die Geschichte der berüchtigten "Enthauptungsmaschine"

Hat der Guillotine ihren Namen gegeben: Der französische Arzt und Politiker Joseph-Ignace Guillotin (1738-1814) Die Guillotine von Luzern wurde ab 1879 bis zur Abschaffung der Todesstrafe 1942 für alle zivilen Hinrichtungen in der Schweiz verwendet. "Abbildung der berüchtigten Guillotine oder Köpfmaschine": Die Hinrichtung Ludwigs XVI. von Frankreich und die Wirkung der Guillotine Guillotine (Symbolbild)

Die berühmt-berüchtigte Guillotine steht wie sonst kaum etwas für die Todesstrafe. Vor 225 Jahren wurde die Hinrichtungsmaschine in Frankreich eingeführt. Ihrem Namensgeber hat die Guillotine jedoch kein Glück gebracht.

Die Vollstreckung eines Todesurteiles ist eine schaurige Angelegenheit. Seit die Gesellschaft Menschen im Namen von Recht und Ordnung hinrichtet, geht es nicht nur um die Frage, ob Todesurteile erlaubt sein sollen oder nicht. Ebenso alt sind die Überlegungen dazu, wie Todesurteile einfacher und weniger grausam vollstreckt werden können. 

Aus humanitären Gründen
Mit den Fragen von Gleichheit, Menschlichkeit und Gerechtigkeit beschäftigt sich auch die französische Revolution. 1783 verlangt der französische Arzt und Politiker Joseph Ignace Guillotin die Einführung einer Hinrichtungsmaschine – aus humanitären Gründen. Unterstützt wird er vom Pariser Scharfrichter und Henker. Dieser hat mit der Enthauptung durch das Schwert schon länger seine Mühe.

Die Hintergründe sind verschiedener Natur. Zum einen sollte die Maschine die zahlreichen Hinrichtungen rationalisieren. Die Folter und besonders grausame Hinrichtungsmethoden wie das Rädern sollten mit der Guillotine abgeschafft werden. Ferner sollte die Hinrichtung für die Betroffenen schmerzfrei gemacht werden, denn zuvor brauchte ein Henker mit einem von Hand geführten Beil oder Schwert unter Umständen mehrere Schläge. 

Diese Argumente finden Anhänger. Inmitten der politischen und gesellschaftlichen Wirren der französischen Revolution wird die Guillotine von der Französischen Nationalversammlung am 20. März 1792 offiziell als einziges Hinrichtungswerkzeug eingeführt. Der Gleichheitsanspruch der Revolution sollte auch bei der Hinrichtung gelten: Vorher war das Enthaupten den Adeligen vorbehalten, einfache Leute wurden gehängt. Mit der Guillotine werden alle Hinrichtungen vereinheitlicht.

Berühmte Köpfe
Zum Opfer fallen der neuen Hinrichtungsmethode auch Rechtsanwälte, Politiker, Revolutionäre und Adelige. Zu den berühmtesten Enthaupteten gehören der französische König Ludwig XVI., Marie Antoinette, Georges Danton, Antoine Laurent de Lavoisier sowie Maximilien de Robespierre und Friedrich Freiherr von der Trenck. Vor allem die Hinrichtung von Ludwig XVI. und Marie Antoinette gab ein derartiges Echo, dass man sich mit der französischen Revolution zunehmend kritisch auseinandersetzte.

Ihrem Namensgeber hat die Guillotine kein Glück gebracht. Dass die Hinrichtungsmaschine plötzlich seinen Namen trägt, macht Joseph Ignace Guillotin schwer zu schaffen. Seine Nachfahren wechseln sogar den Namen.

Noch lange im Einsatz
Die Guillotine selbst bleibt in Frankreich noch bis zur Abschaffung der Todesstrafe im Jahre 1981 im Einsatz. Bei der letzten öffentlichen Hinrichtung in Frankreich wird am 17. Juni 1939 in Versailles der mehrfache Mörder Eugen Weidmann enthauptet. Danach wurden die Hinrichtungen innerhalb der Gefängnisse durchgeführt.

Die letzte Hinrichtung durch die Guillotine fand in Frankreich am 10. September 1977 statt. Der zum Tode verurteilte Mörder Hamida Djandoubi war der letzte Mensch, der in Westeuropa hingerichtete wurde. Weltweit war er der letzte Verurteilte, der durch die Guillotine starb. Am 19. Februar 2007 wurde das Verbot der Todesstrafe in die französische Verfassung aufgenommen.

Audiofiles

  1. 225 Jahre Guillotine: Die Geschichte der berüchtigten "Enthauptungsmaschine". Audio: David von Moos

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