Luzerner Unternehmen sollen mehr Flüchtlinge beschäftigen

Bessere berufliche Integration bietet Kanton und Wirtschaft Chancen

Im Kanton Luzern sollen Flüchtlinge und vorläufig aufgenommene Personen beruflich besser integriert werden. Dafür rührt der Kanton Luzern zusammen mit Wirtschaftsverbänden die Werbetrommel.

Der Kanton Luzern hat im Januar 2017 gemeinsam mit dem Gewerbeverband und der Industrie- und Handelskammer Zentralschweiz ihz die Informationsbroschüre „Flüchtlinge einstellen – Informationen für Unternehmen“ veröffentlicht.

Die Luzerner Wirtschaft soll dazu ermuntert werden, vermehrt Flüchtlinge und vorläufig aufgenommene Personen zu beschäftigen. „Es braucht Ihren Betrieb, der Flüchtlingen Ausbildungs- und Arbeitsplätze zur Verfügung stellt. Im Gegenzug gewinnen Sie neue, engagierte Mitarbeitende", steht in der Broschüre geschrieben. Die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt sei volkswirtschaftlich sinnvoll.

Chancen nutzen

Rund 2'600 Flüchtlinge und vorläufig aufgenommene Personen leben laut den Behörden im Kanton Luzern. Es sei wichtig, mindestens einen Teil dieser Leute zu beschäftigten, sagt Erwin Roos, Departementssekretär des Gesundheits- und Sozialdepartements des Kantons Luzern auf Anfrage von Radio Pilatus. Ein Flüchtling oder eine vorläufig aufgenommene Person koste Kanton und Gemeinden wegen der wirtschaftlichen Sozialhilfe jährlich rund 18'000 Franken. Da würden sich die Kosten für die berufliche Integration einer solchen Person von einmalig rund 26'000.- Franken langfristig lohnen. Der grösste Teil der Flüchtlinge und der vorläufig Aufgenommenen würde ohnehin in der Schweiz bleiben.

Die Anstellung von Flüchtlingen sei durchaus anspruchsvoll, geben Kanton und Wirtschaftsverbände denn auch in der Broschüre zu. Für die Unternehmen sei dies wegen bürokratischer Hürden und einem grösseren Aufwand bei der Einarbeitung zwar eine Herausforderung. Die Anstellung von Flüchtlingen biete aber auch Chancen: "Flüchtlinge stellen ein Potenzial an Arbeitskräften dar. Mit entsprechender Ausbildung können Sie dazu beitragen, den Nachwuchs in den Betrieben zu sichern und dem Fachkräftemangel entgegen zu wirken."

Die Informationsbroschüre sei in der Wirtschaft positiv aufgenommen worden, bestätigt Felix Howald, Direktor der Industrie- und Handelskammer Zentralschweiz ihz. Erste Betriebe könnten bereits auf gute Erfahrungen mit der Anstellungen von Flüchtlingen zurückblicken. Auch wenn es sich bei den Flüchtlingen meistens nicht um hochqualifizierte Arbeitskräfte handle, für diejenigen, die Einsatz zeigen, gebe es durchaus Perspektiven, so Howald weiter.

Politik kommt Wirtschaft entgegen

In der Wintersession 2016 hatte das Bundesparlament im Rahmen der Diskussion des Ausländer- und Integrationsgesetzes die Arbeitsmöglichkeiten von vorläufig Aufgenommenen verbessert: Die Sonderabgabe von zehn Prozent des Bruttolohns zugunsten des Staatssekretariats für Migration wurde abgeschafft. Ausserdem wurde die Bewilligungspflicht durch eine Meldepflicht ersetzt. Laut dem Kanton Luzern wird diese Gesetzesänderung im Verlaufe des nächsten Jahres umgesetzt.

Audiofiles

  1. Kanton Luzern: Bessere Arbeitsintegration für Flüchtlinge und vorläufig aufgenommene Personen. . Audio: David von Moos

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