Vernetzt: Twint kommt nicht auf Touren

Schweizer Bezahlapp langsam, kompliziert und fehleranfällig

Statt einer App für alle, chüechelet jeder für sich. Ganze 12 Twint-Apps gibt es im iTunes App-Store

Nach der Schelte vom Zürcher Finanzblog "Inside Paradeplatz" kommt Twint nicht aus den negativen Schlagzeilen. Der Blog hatte letzte Woche moniert, die Version der CS sei auf Android gerade mal rund 1000 Mal heruntergeladen worden. Inzwischen hat auch der Blick Nutzungszahlen von Twint recherchiert. Gerade mal 130'000 Mal wurde laut dem Bericht bei einem Händler mit Twint bezahlt. 48 Mal öfter verwendeten die Kundinnen und Kunden die kontaktlosen Debit- und Kreditkarten. 

Twint wehrt sich
Insgesamt habe Twint 375'000 registrierte Kunden, sagte Twint CEO Thierry Kneissler gegenüber dem Finanzportal Finews. Täglich kämen 2'500 Nutzer dazu. Und im Juni seien 270'000 Transaktionen mit Twint getätigt worden. Laut dem Bericht sind 48 von 100 Twint Einsätzen Zahlungen am Terminal bei Händlern. In 41% der Fälle wird Geld von Person zu Person überwiesen und 11% der Einsätze sind Zahlvorgänge in Online-Shops. Kneissler betont, dass die Einführung neuer Zahlungssysteme Zeit brauche. Trotzdem - verglichen mit den rund 5,5 Millionen Zahlvorgängen mit kontaktlosen Debit- und Kreditkarten fristet Twint ein Mauerblümchendasein. 

Nicht an Nutzer gedacht
Dass die App nicht so recht auf Touren kommt, verwundert Twint-Nutzer allerdings kaum. Zwar ist die App hervorragend geeignet, um Geld von Person zu Person zu übermitteln. Zum Bezahlen aber ist sie verglichen mit den kontaktlosen Karten langsam und kompliziert. Bluetooth muss eingeschaltet sein und meist braucht man mehrere Sekunden, um irgendwie den Bezahlvorgang starten zu können, welchen man noch mit Pin-Code autorisieren muss. Kommt dazu, dass im App-Store zuerst die richtige App gefunden werden muss. Ganze 11 Apps finden sich unter dem Begriff Twint. Oftmals ist nicht ganz klar, welche App man nun braucht. Wer Konten bei mehreren Banken hat, braucht mehrere Apps. Die unkoordinierten Werbekampagnen der einzelnen Banken trugen auch nicht weiter zu einem geballten Marketingeffekt bei. Man wird den Eindruck nicht ganz los, dass die Kunden im ganzen Fusionsprozess zwischen Paymit und Twint weitgehend vergessen gegangen sind. 

Audiofiles

  1. Vernetzt, Dienstag 25.07.17. Audio: Maik Wisler

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