Zentralschweiz: Gletscherschmelze ist unaufhaltbar

Titlis- und Gurschengletscher verschwinden

Der Titlisgletscher in Engelberg Der Rhonegletscher in den Walliser Alpen Der Rhonegletscher in den Walliser Alpen

Das derzeitige Sommerwetter setzt den Zentralschweizer Gletschern besonders zu. Aber auch ohne Hitzetage werden die Eismassen immer kleiner.

Die heissen Temperaturen lassen die Gletscher wegschmelzen. Dafür verantwortlich ist vor allem die Klimaerwärmung. Seit 1850 ist rund die Hälfte der Gletscherfläche in der Schweiz verschwunden, wie Forscher der ETH Zürich herausgefunden haben.

Für die Zukunft machen die Glaziologen eine düstere Prognose: Die Schweizer Gletscher könne man nicht mehr retten. Bis Ende des laufenden Jahrhunderts werde fast die gesamte Eisfläche verschwunden sein.

Mensch ist machtlos
Dessen ist man sich auch in der Zentralschweiz bewusst. Machtlos zusehen wollen die betroffenen Skigebiete allerdings nicht. Am Titlisgletscher in Engelberg und am Gurschengletscher in Andermatt sollen Flies-Abdeckungen die Gletscherschmelze verlangsamen. Am Titlis ist sogar eine Beschneiungsanlage geplant, die den Gletscher mit einer künstlichen Schneedecke vor dem schnellen Zerfall schützen soll. Damit stützen die Wintersportgebiete vor allem den Betrieb im Herbst- und Frühling.

Solche aufwendigen Massnahmen könnten die Gletscherschmelze zwar hinauszögern aber nicht aufhalten, so Glaziologe Andreas Bauder von der ETH Zürich. Schlussendlich müsse man machtlos zusehen, wie die Gletscher langsam aber sicher verschwinden.

Die Umwelt leidet
Die Folgen: Wintersportgebiete und Tourismusmagnete wie der Titlis können zwar überleben, müssen sich aber neu präsentieren. Aber nicht nur die Landschaft verändert sich, wenn sich die Gletscher zurückziehen. Gletscher speichern Wasser im Winter und geben es im Sommer frei. Damit sind sie für die Regulierung des Wasserhaushaltes zentral.

Sind die Gletscher weg, wird das laut den Forschern einen Einfluss haben auf die Wasserverfügbarkeit in Alpenregionen. Davon betroffen seien auch die grossen Flüsse Europas, die in den Alpen entspringen und im Sommer massgeblich von den Gletschern gespeist werden.

Boden taut auf
Die heissen Sommermonate in der Schweiz bringen aber nicht nur die Gletscher ins Schwitzen: Auch die Bodentemperaturen sind so hoch wie noch nie – auch im Permafrost werden Rekord-Temperaturen gemessen, berichtete vergangene Woche etwa der Sonntagsblick.

Oberhalb von 2'500 Metern über Meer ist der Permafrost – der dauerhaft gefrorene Untergrund – in den vergangenen Jahren immer wärmer geworden. Das hat Auswirkungen auf den Menschen: Felswände werden instabil, Steinschläge und Murgänge häufen sich. Für Alpinisten wird es immer schwieriger, sichere Routen zu finden, Bergbahnen müssen sich um den Baugrund ihrer Anlagen Sorgen machen.

Der Temperaturanstieg im Permafrost erschwert derzeit den Bau einer der weltweit höchsten Seilbahnen am kleinen Matterhorn. Die Verankerungen im Boden müssen besonders tief sein, um dem schmelzenden Permafrost zu trotzen.

Steinschläge und Murgänge
Die Erwärmung des Permafrosts zeigt sich auch in der Bewegung der Blockgletscher, also Schuttmassen aus Eis und Gesteinsbrocken. Zwar bewegten sie sich vielerorts in der Schweiz etwas langsamer als 2015, sie kriechen jedoch weiterhin um ein Mehrfaches schneller Richtung Tal als dies noch vor 20 Jahren der Fall war, das heisst mit mehreren Metern pro Jahr, wie die Akademien der Wissenschaften Schweiz Anfang Jahr mitteilten.

So hat sich der Rhonegletscher in den Walliseralpen nur schon in den vergangenen zehn Jahren geschmolzen.

Weitere interessante Gletschervergleiche gibt es hier.

Audiofiles

  1. Zentralschweiz: Gletscherschmelze ist unaufhaltbar. Audio: David von Moos

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