Erster Prozesstag im Fall Rupperswil

Der Beschuldigte gilt als therapiefähig

Zwei psychiatrische Gutachter haben den mutmasslichen Vierfachmörder von Rupperswil AG unabhängig voneinander befragt und kamen zum Schluss, dass der Beschuldigte voll schuldfähig war - er habe seine Tat genau geplant und zielgerichtet durchgeführt. Zudem haben sie eine narzisstische Persönlichkeitsstörung sowie eine pädosexuelle Neigung diagnostiziert. Letztere sei nicht heilbar, man könne aber lernen, damit deliktfrei umzugehen.

Beide Gutachter waren sich jedoch einig darüber, dass eine hohe Rückfallgefahr bestehe, wenn nichts unternommen werde. Die Voraussetzung für eine Therapie sähen zwar beide als gegeben. Um Erfolg bringen zu können, müsse eine solche aber sehr lange sein. Empfehlenswert wäre vorerst eine ambulante Therapie während des Strafvollzugs. Vor einer Entlassung wäre aber ein stationärer Aufenthalt wichtig.

Auch der Täter äusserte sich heute Nachmittag zur Tat - er gab sich zerknirscht, wirkte aber nicht immer glaubhaft. Nachdem er die vier Menschen getötet habe, habe er sich leer und fassungslos gefühlt. Befragt nach seiner Sexualität sagte er nach anfänglichem Zögern, dass er pädophil sei. Die Gutachter sagten, dies sei nicht heilbar – er hoffe aber dennoch, dass dies irgendwann möglich sei. Er habe gemerkt, welch ein gutes Gefühl es sei, mit einem Psychologen zu sprechen. Er sagte auch, dass ihn die sexuellen Fantasien nicht mehr so stark beschäftigten, wie früher. Dies hänge damit zusammen, dass er im Gefängnis sei. Des Weiteren sagte er, dass seine einzige und wichtigste Bezugsperson seine Mutter sei. Es sei sein Ziel, sich zu verändern. Sie soll ihn nicht so in Erinnerung behalten, wie er jetzt ist. Darum wolle er ein Wirtschaftsstudium anfangen – begleitet in der Strafanstalt. Sein Ziel sei es, irgendwann in die Gesellschaft zurückkehren zu können.

Audiofiles

  1. Prozess Rupperswil. Audio: Philip Breit
  2. Rückblick Prozesstag 1 - Vorschau für Prozesstag 2. Audio: Philipp Breit / Maik Wisler

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