Zentralschweizer Ambulanzenpool soll mehr Leben retten

Die Rettungsdienste in der Zentralschweiz wollen schneller beim Patienten sein

Die Ambulanz im Einsatz (Symbolbild)

Die Rettungsdienste der Kantone Luzern, Uri, Ob- und Nidwalden bringen ihre Einsatzfahrzeuge in einem gemeinsamen Pool zusammen. Dadurch sind sie schneller bei Patienten, können die Auslastung steigern und versprechen sich eine höhere Arbeitszufriedenheit.

"Der Einsatz der Ambulanzfahrzeuge ist keine Gefühlssache, sondern reine Statistik", sagte der Obwaldner Spitaldirektor Andreas Gattiker am Mittwoch in Sarnen vor den Medien. Die Rettungsdienste der vier Zentralschweizer Kantone liessen daher von der Fachhochschule St. Gallen ihre Einsätze analysieren. Fazit: Die Hilfsfristen können verkürzt werden. Die Ambulanzen der vier Kantonsspitäler rücken rund 21'000 Mal im Jahr aus. Heute sind sie in 80,4 Prozent der Fälle innerhalb von 15 Minuten bei den Patienten. Dieser Wert soll nun auf 81,3 Prozent steigen. Dazu werden die Rettungsfahrzeuge neu stationiert und die Dienstzeiten angepasst. "Wir waren bis jetzt nicht optimal unterwegs", sagte Gattiker. So zeigt ein Blick auf die Statistik zum Beispiel, dass zwischen 21 und 7 Uhr Rettungsfahrzeuge leerstehen - zu Engpässen kommt es dagegen etwa am Vormittag.

1000 Mal schneller

Schon jetzt verfügen die vier Rettungsdienste über eine gemeinsame Notrufzentrale. Dass sie die Fahrzeuge nun in einem kantonsübergreifenden Pool organisieren, sei ein Novum in der Schweiz, sagte Esther Schmid, Leiterin des Luzerner Rettungsdienstes. Laut der Simulation dürfte man dadurch in 1000 Fällen schneller bei den Patienten sein, was Leben retten könne. Die Kantone verfügen zusammen über 19 Ambulanzen, davon je zwei in Ob- und Nidwalden und drei in Uri. Ein Fahrzeug wird stets an den bisherigen Standorte Luzern, Sursee, Wolhusen, Stans, Sarnen, Andermatt und Altdorf stationiert bleiben, um die Versorgung zu garantieren. Die Ambulanzen aus dem Pool werden je nach Bedarf die Standorte Luzern und Stans verstärken und neu auch im Feuerwehrstützpunkt Emmenbrücke stationiert sein. Zu letzterem riet Studienautor Christoph Strauss den Rettungsdiensten, da die Auswertung gezeigt habe, dass man in Emmenbrücke über die Autobahn die Erreichbarkeit der Patienten verbessere.

Mehr Einsätze - weniger Überstunden

Zur Analyse verwendete Strauss Einsatzdaten der Jahre 2015 und 2016, Dienstpläne und die Lage der Stützpunkte. Daraus erarbeitete er ein Modell, anhand dessen er frei wählbare Szenarien simulierte und risikoreiche Massnahmen gefahrlos ausprobierte. Das aktuelle System sei aber aufgrund der Erfahrung bereits sehr stark optimiert, der Zeitgewinn daher begrenzt. Der Grossteil der Einsätze entfällt auf den Kanton Luzern - es sind etwa zehnmal so viele wie in den anderen Kantonen. Die Ambulanzen in Ob-, Nidwalden und Uri versprechen sich durch den Pool eine höhere Auslastung. Die Einsätze würden verrechnet, sagte Gattiker. Interessant ist die Lösung laut Rettungsdienstleiterin Schmid auch für die Angestellten. Es mache die Arbeit in kleineren Kantonen attraktiver, wenn die weniger stark ausgelasteten Retter künftig zu mehr Einsätzen kämen. Auf der anderen Seite könne man Überstunden verhindern. Die Zahl der Mitarbeiter bleibt gleich.

Das Pilotprojekt "Rettungsdienst Zentralschweiz" startet im September und wird im Sommer 2019 evaluiert. Eine dauerhafte Kooperation ist ab 2020 möglich. Für die  Rettungsdienste arbeiten rund 220 Personen. Sie decken vier Kantone mit 121 Gemeinden ab, in denen 523'000 Einwohner leben.

Audiofiles

  1. Zentralschweizer Ambulanzenpool soll mehr Leben retten. Audio: Flavio Desax / Sämi Deubelbeiss

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