Sergio Marchionne ist tot

Der Ex-Fiat-Chef ist nach einer Operation in einem Zürcher Spital verstorben

Der langjährige Chef des Fiat-Chrysler-Konzerns und Ferrari-Präsident Sergio Marchionne ist tot. Der Top-Manager ist im Alter von 66 Jahren verstorben.

Meldungen über schwerwiegende gesundheitliche Probleme Marchionnes hatten am Ende der vergangenen Woche die (mediale) Runde gemacht. Nach unerwarteten Komplikationen im Zuge einer Schulter-Operation hatte sich der Zustand des Managers so stark verschlechtert, dass er seine Arbeit als Fiat-Chef sowie als Präsident und Vorstandschef von Ferrari nicht wieder aufnehmen konnte.

Gemäss übereinstimmenden Meldungen italienischer Zeitungen hat Marchionne in der Schulterregion einen bösartigen Tumor gehabt, weshalb er sich schon vor einigen Monaten einem operativen Eingriff unterziehen musste. Auch im Zürcher Universitätsspital, wo er sich laut Medienberichten zuletzt behandeln liess, konnten ihm die Ärzte nicht mehr helfen. Die näheren Umstände des Todes sind offiziell noch nicht bekannt.

Der Bezug zur Schweiz

Marchionne hat im Privat- und Geschäftsbereich einen starken Bezug zur Schweiz gehabt. Seine Frau und die Kinder wohnen nach wie vor in der Romandie. Er selber lebte grösstenteils in Turin, offizieller Wohnsitz aber blieb Schindellegi im Kanton Schwyz. Seine beeindruckende berufliche Karriere hatte Marchionne mehrfach in unser Land geführt. Mit Führungspositionen beim früheren Aluminium-Konzern Alusuisse oder beim Warenprüfkonzern SGS mit Sitz in Genf, als Verwaltungsratspräsident des Chemie-Multis Lonza und Verwaltungsrat der Grossbank UBS hatte sich der Italo-Kanadier auch in der Schweiz einen Namen gemacht.

Der Sanierer

Zum Fiat-Konzern stiess Marchionne 2003, ein Jahr später stieg er zum CEO auf - in einer Zeit, in der sich das Unternehmen in akuter finanzieller Schieflage befand. Der Visionär sanierte den maroden Betrieb. Er war zudem hauptverantwortlich für die vor vier Jahren vollzogene Fusion mit dem ebenfalls angeschlagenen amerikanischen Autobauer Chrysler und führte die daraus entstandene Gruppe Fiat Chrysler Automobiles FCA wieder in die Gewinnzone. Zu FCA gehören neben den zwei Stamm-Unternehmen unter anderen die Marken Alfa Romeo, Lancia, Maserati, Dodge und Jeep.

Seit dem Zusammengehen der beiden Konzerne stieg der Wert der Aktie um fast 350 Prozent - und damit so stark wie bei keinem anderen Unternehmen der Branche. Zum Ende seiner Karriere bei FCA hatte Marchionne sein letztes grosses Ziel erreicht; Ende Juni konnte er die Schuldenfreiheit des Konzerns vermelden. Noch vor knapp vier Jahren war der Betrieb mit 7,7 Milliarden Euro Schulden dagestanden.

Der geplante Rückzug

Marchionne hatte beabsichtigt, 2019 den Chef-Posten bei Fiat abzugeben. Rückzugspläne bei Ferrari waren hingegen nicht bekannt. In der Rennsportabteilung war Marchionne gleichermassen beliebt und gefürchtet. Während Jahren forderte er von den Angestellten der Scuderia den totalen Erfolg in der Formel 1. Seine Launen hatte unter anderen Sebastian Vettel mehrfach zu spüren bekommen. Oft hatte der Chef den vierfachen Weltmeister öffentlich kritisiert. Den erhofften Triumph möglicherweise in diesem Jahr zu erleben, ist Marchionne nicht mehr vergönnt. Die schlimme Krankheit hat dies nicht mehr zugelassen.

(Quelle: SDA)

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