«Die Bundesversammlung sendet ein gutes Signal»

Die Schweizer Presse sieht die rasche Wahl als positives Zeichen

Die Zeitungen der Schweiz werten die rasche Wahl als positiv.

Die Kommentatoren der Schweizer Presse sehen in der raschen Wahl der zwei Frauen, Viola Amherd und Karin Keller-Sutter, in den Bundesrat einen guten Entscheid. Es sei ein Signal für das Land. Nun müsse sich der Bundesrat aber schleunigst wichtigen Problemen zuwenden.

«Luzerner Zeitung»:

«Die Wahl war kurz und unspektakulär. Überraschend war einzig, wie rasch die Bestellung der Nachfolge für die scheidende CVP-Bundesrätin Doris Leuthard (AG) über die Bühne ging. Bereits im ersten Umgang war Viola Amherd (VS) gewählt, Heidi Z’graggen (UR) blieb chancenlos. Ja, vielleicht waren die gestrigen Bundesratswahlen nach der langen Ausmarchungsphase etwas langweilig. Aber das ist gut so. Es braucht kein Spektakel bei der Besetzung unserer Landesregierung. (...) So unspektakulär das Wahlprozedere, so grandios das Resultat für die Frauen: eine historische Wahl! Eine mit Signalwirkung! Noch nie sind gleich zwei Frauen auf einmal in die Regierung gewählt worden. (...) Aus regionalpolitischer Sicht ist die gestrige Wahl überaus bedauerlich. Die Zentralschweiz bleibt weiter aussen vor - obwohl es gleich vier valable Kandidaten aus unserer Region gab.»

«Neue Zürcher Zeitung»:

«Spannend waren diese Bundesratswahlen nun wirklich nicht. Messer wurden keine gewetzt, die Parteien gaben sich handzahm. Die Zeiten der grossen Verwerfungen und Anfeindungen sind vorbei. Man muss das positiv sehen: Die Langeweile ist Ausdruck des stabilen Politsystems, das zu den grössten Vorzügen der Schweiz zählt. Bundesrätin Karin Keller-Sutter war von Beginn weg unbestritten. Allen war klar: Würde die Ostschweizerin kandidieren, würde sie gewählt. (...) Nur ein klein wenig spannender war die Auseinandersetzung zwischen Bundesrätin Viola Amherd und der unterlegenen CVP-Kandidatin, Heidi Z’graggen. (...) Eine Erneuerung gleich auf zwei Posten kann auch einen Neubeginn markieren. Inhaltlich und materiell, aber ebenso kulturell. Die Bundesräte zeigten in jüngster Zeit eine merkwürdige Unlust am Regieren. (...) Es ist an der Zeit, dass die Bundesrätinnen und Bundesräte wieder gemeinsam den Mut aufbringen, die Schweiz und das Parlament mit den unliebsamen Dingen zu konfrontieren und von den notwendigen Reformen zu überzeugen (...) viele grundlegende Probleme warten auf Lösungen.»

 «Tages-Anzeiger»:

«Insgesamt sind die Wahlen sehr unaufgeregt verlaufen. Und genau in dieser Normalität liegt das Ausserordentliche, ja Spektakuläre: Noch nie zuvor sind gleichzeitig zwei neue Bundesrätinnen bestimmt worden. Bei der Mehrzahl der bisher sieben Frauen in der Landesregierung kam es zudem bei der Wahl oder beim Abgang aus der Regierung zu Intrigen, Kampfwahlen oder Demonstrationen. (...) Wer nun findet, es werde zu viel Aufhebens von der Frauenfrage gemacht, halte sich die Relationen in der Schweizer Politik vor Augen. Amherd und Keller-Sutter sind die achte und neunte Bundesrätin in der Geschichte. Männliche Regierungsmitglieder gab es bisher 117. (...) Viel Zeit bleibt dem neuen Gremium jedenfalls nicht, sich zu finden. Denn die Schweiz steuert auf einen veritablen Krach mit der EU zu, der durch die fehlende Führungsstärke der bisherigen Landesregierung zusätzlich befeuert wurde. Ob die Regierung dieses Defizit dank der neuen Bundesrätinnen beheben kann, wird sich weisen.»

«Blick»:

«Das Beste an dieser geschichtsträchtigen Entscheidung der Vereinigten Bundesversammlung aber ist: Viola Amherd (56) und Karin Keller-Sutter (54) haben es nicht nur als Frauen geschafft, sondern vor allem auch deshalb, weil beide top sind. (...) Im Interesse des Landes sollte Karin Keller-Sutter das Verteidigungsdepartement (VBS) führen. Dort braucht es dringend jemanden, der den Stall ausmistet. Seit 22 Jahren liegt das VBS in der Hand von SVP-Bundesräten - und die Bilanz ist niederschmetternd. Auch Guy Parmelin (59) hat den Laden ganz offensichtlich nicht im Griff.»

(Quelle: sda)

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