Kommentar zur Luzerner Regierungsratswahl

Ein Drittel der Stimmberechtigten ist in der Exekutive nicht vertreten

Die neue Luzerner Kantonsregierung: Paul Winiker, Reto Wyss, Guido Graf, Fabian Peter und Marcel Schwerzmann.

Die Luzerner Regierung für die kommenden vier Jahre steht. Ein Kommentar von Urs Schlatter, Leiter Redaktion Stv. elektronische Medien Zentralschweiz:

Es fehlen die linke Stimme und die Frauen

Die Luzerner Kantonsregierung bleibt vier weitere Jahre bürgerlich und männlich. Im zweiten Wahlgang schafften mit SVP-Justizdirektor Paul Winiker und dem parteilosen Finanzdirektor Marcel Schwerzmann die beiden Bisherigen die Wiederwahl souverän. Da nützt es schlussendlich den Linken wenig, dass die Grüne Korintha Bärtsch mit fast 52'000 Stimmen ein hervorragendes Resultat erreichte. Ihr fehlten am Schluss über 8'000 Stimmen für einen Sitz in der Regierung.

Bei den Parlamentswahlen Ende März war es zu grossen Sitzverschiebungen in Richtung links-ökologischem Lager gekommen. Der Wähleranteil von SP, Grünen und Grünliberalen stieg von 22 auf 32 Prozent. Jeder dritten Wählerin und jedem dritten Wähler sind sozial- und umweltpolitische Anliegen wichtig. Auch der Frauenanteil stieg um fünf Prozent.

Im zweiten Wahlgang für den Regierungsrat war davon wenig zu spüren. Die Wähler setzten auf vertraute Köpfe. Lag es daran, dass man trotz permanenter Kritik mit der Finanz- und Wirtschaftspolitik der Regierung zufrieden ist? Lag es daran, dass im zweiten Wahlgang die Bürgerlichen besser mobilisieren konnten? Wie wäre das Resultat ausgefallen, wenn Winiker schon im ersten Durchgang gewählt worden wäre und die SVP ihren Regierungssitz im Trockene gehabt hätte? Was wäre, hätte sich die CVP für Konkordanz statt Stimmfreigabe ausgesprochen? Konnte sich die Mehrheit nicht mit der Vorstellung anfreunden, dass eine grüne Frau im Kanton Luzern in die Regierung kommt?

All diese Fragen sind hypothetisch. Fakt ist: In der neuen Regierung ist ein Drittel der Stimmberechtigten nicht vertreten. Frauen sucht man vergeblich, dabei machen sie mehr als die Hälfte der Kantonsbevölkerung aus. Die neue Regierung ist nun gefordert, will sie diese Wählerschaft nicht vor den Kopf stossen.

Audiofiles

  1. Abstimmungen Presseschau. Audio: Maik Wisler / Caspar van de Ven

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