Keine Eintrittsquote an Zuger Langzeitgymnasium

Zuger Kantonsparlament wehrt sich gegen Regulierung

Symbolbild: Schulzone

Im Kanton Zug soll es keine Eintrittsquote ins Langzeitgymnasium geben. Der Kantonsrat hat am Donnerstag sowohl den entsprechenden Antrag der Regierung abgelehnt, ebenso ein ALG-Postulat, das das Kurzzeitgymnasium stärken wollte.

Die Postulanten wollten den Regierungsrat mit ihrem Vorstoss auffordern, eine Vorlage auszuarbeiten, die konkrete Massnahmen beinhaltet, um eine markante Steigerung der Anzahl Klassen im Kurzzeitgymnasium zu erreichen. Sie sind der Ansicht, dass Jugendliche, die erst nach der zweiten Oberstufe entscheiden, ob sie ins Gymnasium wechseln oder eine Lehre beginnen wollen, die Wahl mit grosser Wahrscheinlichkeit bewusster treffen, als dies nach der 6. Primarklasse der Fall sei. Die Tatsache, dass der Kanton Zug auf der Suche nach einem neuen Standort für die Kantonsschule ist, könne als "grosse Chance gesehen werden" für neue bildungspolitische Überlegungen. Fahre der Kanton weiter mit einem "Übergewicht an Schülerinnen und Schüler", müsse der fehlende Schulraum in relativ kurzer Zeit erstellt werden.

Neuer Vorstoss geplant

Dieses Szenarium könne man umgehen, wenn der Kanton Zug mit gezielten Massnahmen das Kurzzeitgymnasium stärke. Dadurch entfalle ebenfalls ein grosser Teil des Drucks auf die Schulraumplanung, weil die Jugendlichen länger in den gemeindlichen Oberstufen unterrichtet würden.

Die Regierung beantragte eine Teilerheblicherklärung des Vorstosses. Massnahmen, die zu einer markanten Reduktion der Eintrittsquote ins Langzeitgymnasium führten, lehne sie ab, sagte Bildungsdirektor Stephan Schleiss (SVP). Vielmehr verfolge sie das Ziel einer Konsolidierung der Eintrittsquote knapp unter 20 Prozent.

Sie wollte dazu eine Eintrittsquote ins Langzeitgymnasium auf Verordnungsebene definieren. Nicht alle guten Schüler sollen nach der 6. Klasse ins Langzeitgymnasium gehen. Dies erreiche man nur mit mehr Steuerung. Schliesslich sei die Sek das Rückgrat des Bildungssystems. "Und nicht ein Ort für all jene, die es nicht ans Gymi geschafft haben", betonte der Bildungsdirektor.

Das allerdings ging für die ALG in die falsche Richtung. Sie lehnte den Vorschlag der Regierung einer Teilerheblichkeitserklärung ab. Ebenso die Mehrheit des Parlaments: Der Antrag der Regierung scheiterte mit 61 zu 4 Stimmen. Der Rat entschied somit - auf Antrag der ALG - das Postulat nicht erheblich zu erklären. "Wir planen einen neuen Vorstoss", sagte Esther Haas.

Freie Ausbildungswahl

Gegen eine Gymiquote waren sprachen sich im Rat sämtliche Fraktionen aus. Beat Iten sagte im Namen der SP-Fraktion, ein Numerus Clausus bereits beim Übertritt von der Primar- in die Oberstufe sei nicht angebracht. Eine Quote entspreche nicht der Ansicht der SP einer freien Ausbildungswahl. Sie könnte sich zudem auch sehr schnell als Standortnachteil für den Kanton auswirken.

Auch die CVP lehnte eine fixe Quote "mit aller Deutlichkeit ab", sagte Heinz Achermann. Sie würde nicht die Berufsbildung stärken, sondern die Bildungslandschaft Zug schwächen. Gegen "eine starre Quote" sprach sich auch die SVP aus.

Die FDP wolle ein "überdurchschnittliches Bildungssystem", sagte Peter Letter. Quoten seien statistische Grössen, die dem liberalen Geist der FDP und der Entwicklung von Menschen und des Bildungsstandorts widersprächen. "Relevant ist, dass die Anforderungen an den Übertritt richtig gesetzt werden", sagte Letter.

Quelle: SDA

Audiofiles

  1. Keine Eintrittsquote an Zuger Langzeitgymnasium. Audio: Carmen Zettel / Selina Linder

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