«De rüüdig Fasnachtsfüerer» 2020 ist da!

Die 48. Ausgabe feiert 70 Jahre Bohème Musig Lozärn

So sieht er aus: «de rüüdig Fasnachtsfüerer» 2020. Die Frontseite des rüüdigen Fasnachtsfüerer 2020 nimmt die Bohème Musig Lozärn ein. Silvio Panizza (rechts) zeichnet den Zirkuspfarrer Ernst Heller (links) mit dem goldenen Satire-Orden aus.

Der «rüüdige Fasnachtsfüerer» liest sich als Pflichtlektüre für Fasnächtler. Der Ratgeber führt durch die Fasnachtsfeier 2020. Die 48. Ausgabe widmet sich dem 70. Geburtstag der Bohème Musig Luzern und verabschiedet zugleich eine letzte grosse Fasnacht-Tradition.

Für Sprachakrobaten ist es der Duden, für Globushüpfer ein lokaler Reiseführer, Luzerner Fasnächtler klammern sich jährlich am «rüüdigen Fasnachtsfüerer» fest. Auch als Bibel in Taschenformat eingebürgert, hortet sie alles, was für das närrische Treiben unentbehrlich ist. Die wichtigsten Termine, Neuigkeiten und Hintergrundwissen gedruckt auf 96 Seiten. Wie gewohnt mit spitzer Feder geschrieben, mit Herzblut zusammengetragen und mit bunter Bildpracht aufgelockert. 

Fasnachtsführer Silvio Panizza präsentiert den «rüüdigen Fasnachtsfüerer»

Silvio Panizza, Fasnachts-Urgestein, hat am Montag zum 48. Mal den Fasnachtsführer vorgestellt. Wie gewohnt im heimischen Moritzli, dem Stammlokal der Zunft zum Dünkelweiher. Schweiss und Leidenschaft haben Karneval und Panizza all die Jahre zusammengeschweisst. Auch die 2020-Ausgabe lässt sich hingebungsvoll durchblättern. Würden Historiker über die Fasnacht Wissen konservieren, müssten sie Panizzas Fasnachtsführer zitieren.

Der letzte Fasnachtsführer?

Verabschiedet sich Silvio Panizza mit seinem letzten Fasnachtsepos? Für den 78-Jährigen steht fest: So lange seine Kraft nicht schwindet, mache er noch weiter. Die Motivation sei weiterhin da, erklärt er gegenüber Radio Pilatus. «Ich habe es vor 48 Jahren gegründet, gepflegt und gehegt bis heute und es ist schon ein bisschen mein Baby und Kind», sagt Panizza. 

70 Jahre Bohème Musig Luzern

Die Frontseite des rüüdigen Fasnachtsführers ziert die Bohème Musig Lozärn. Die feiert ihren 70. Geburtstag mit einem Bild für die Ewigkeit. Es war Bruno Koch, der die Bohème Musig 1950 gründete. Von seinem Zeitgenosse Leopold «Pöldi» Haefliger stammen die künstlerischen Impulse. 

Die Bohème hiess ursprünglich noch «Mais-Brüder» bevor Gründer Bruno Koch sie zu «Bohème Lozärn» umtaufte. Sie gehört heute zu den drei ältesten Luzerner Guuggenmusigen.

Abschied vom Goldig Grend 

Die Luzerner Fasnacht wird im nächsten Jahr nur noch auf den Strassen stattfinden. Die letzte grosse Tradition «Goldig Grind» der Maskenlieber-Gesellschaft verabschiedet sich von der Luzerner Fasnacht. Die kreativen Maskengänger- und gängerinnen «verlieren somit ein Gefäss, das ihre Arbeit honorierte», kommentiert Silvio Panizza.

Doch die Fasnachtskultur erblüht mit einem neuen Anlass der MLG. Mit Theaterplausch, Speis und Trank lädt die sie zum neusten Fasnachtsevent ein: «Stubete - z'Gascht bi de MLG». 

Pfarrer Ernst Heller bekommt den «Goldigen Satire-Orden der Stadt Luzern 2019»

In der Kulturbibel ist eine Seite reserviert für den Clown Gottes. Panizza verleiht dem Pfarrer Ernst Heller den «Goldigen Satire-Orden». Ernst Heller sorgt für die Seelen mit Gottes Lehre und mit ansteckendem Humor. Der Krienser Pfarrer hat nicht nur Zirkus und Kirche vereint, sondern auch Menschen mit seinen Witzen und Sprüchen. «Die Menschen brauchen mehr Freude durch Humor – auch in der Kirche», heisst es im Führer. 

Für Schmunzeln sorgt der Zirkuspfarrer mit seiner Dankesrede: «Die Fasnacht ist für mich wie eine Vorstufe zum Paradies».

Keine trennende Mauer in Luzern!

Ein «Rostischgs Guuggi 2019», der Orden für schlechte Taten, heimst sich die Denkmalpflege ein. Die Kommisionnen für Denkmalpflege sowie Natur- und Heimatschutz will Objekte mit historischem Wert für die Zukunft archivieren. Falls ein neues Luzerner Theater gebaut werden soll, müsse die Nordfassade des jetzigen Theaters erhalten werden. Regierungsrat Marcel Schwerzmann möchte sogar ein topmodernes Theater hinter die Nordfassade türmen lassen.

Das «Roschtige Guuggi» ist deshalb adressiert nach Bern «in der Hoffnung zur Einsicht, dass eine einsame Wand keinen Sinn macht», appelliert Silvio Panizza im rüüdige Fasnachtsfüerer.

Die 48. Ausgabe ist jetzt am Kiosk erhältlich

Bevor die ersten Guggenmusiker die fünfte Jahreszeit anstimmen, können sich Fasnächtler mit dem rüüdigen Füerer einstimmen. Der Ratgeber ist in allen grösseren Kiosks der Zentralschweiz erhältlich und kostet fünf Franken.

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