Luzerner Gemeinderäte sind unter Druck

Die Gemeinden haben Mühe Gemeinderäte zu finden oder zu halten

Sie haben viel Verantwortung, viel Arbeit und immer mehr Druck von aussen: Die Luzerner Gemeinden haben Mühe, Kandidierende für den Gemeinderat zu finden. Viele geben ihr Amt noch während ihrer Amtszeit oder nach nur einer Amtsperiode ab. Dies ist vor allem im Hinblick auf die Gemeinderatswahlen im kommenden März ein Problem. Der Verband der Luzerner Gemeinden redet die Situation nun aber schön und hat letzte Woche ein neues Anforderungsprofil herausgegeben. Ob das wirklich hilft, wird jedoch bezweifelt. 

Ruedi Kaufmann war neun Jahre lang Gemeinderat von Ebikon. In dieser Zeit stieg der Aufwand aber immer mehr. Seine Teilzeitstelle, das Amt und die Familie unter einen Hut zu bringen, wurde immer schwieriger. Auch der Ton in den Debatten sei immer rauer geworden. Ruedi Kaufmann erkrankte an einem Burnout. Er musste sich entscheiden, entweder seine Arbeitsstelle aufgeben oder das Amt. Mittlerweile arbeitet der Kaufmann Vollzeit im Marketing.

Ebikon ist keine Ausnahme

In der Gemeinde Vitznau hat diese Woche der Gemeidepräsident Alex Waldis per Ende Legislaturperiode seinen Rücktritt angekündigt. Grund: Waldis wurde massiv persönlich angegriffen. In Udligenswil treten gleich drei von fünf Gemeinderäten per Ende Legislaturperiode zurück. Die Gemeinde Rain musste nach nur drei Jahren einen Gemeindepräsidenten suchen. Noch im Mai hatte sich kein Kandidat für den Posten bereit erklärt, so dass ein zweiter Wahlgang nötig wurde.

Neues Anforderungsprofil

Der Verband der Luzerner Gemeinden hat vor einer Woche ein neues Anforderungsprofil für Gemeinderäte herausgegeben. Es soll die Suche nach geeigneten Kandidaten erleichtern, sagt Sibylle Boos, Präsidentin des Verbandes. Das Dokument zeige den Kandidaten auf, welche Voraussetzungen sie erfüllen müssen und was als Gemeinderat auf sie zukomme, so Boos weiter. Das Amt bedeute nicht nur Bürden und Arbeit, sondern bringe auch viel Positives. All dessen sollen sich Kandidaten bewusst sein. Das habe man mit dem Profil aufzeigen wollen.

Probleme gehen tiefer

Ruedi Kaufmann begrüsst zwar, dass der Verband sich Gedanken macht und helfen will, stellt aber in Frage, ob aber ein neues Dokument alleine das Problem lösen kann. Laut Kaufmann geht das Problem viel tiefer. Das gesellschaftliche Zusammenleben wird immer komplizierter, die Verzahnung der verschiedenen Bereiche immer komplexer. Dass man diese Aufgaben noch nebenbei erledigen kann - vor allem in den grösseren Gemeinden - das bezweifelt Kaufmann.

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