Pflege-Initiative

Befürworterin: «Das Pflegepersonal muss allzeit auf Abruf bereitstehen»

Urs Schlatter, 15. November 2021, 17:50 Uhr
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Quelle: tele1

Im Pflegebereich sind in der Schweiz Tausende Stellen unbesetzt. Die Pflege-Initiative verlangt deshalb, dass die Arbeitsbedingungen des Pflegepersonals verbessert werden. Das Parlament lehnt die Initiative ab und setzt auf den indirekten Gegenvorschlag.

Dass die Arbeitsbedingungen im Pflegebereich verbessert werden müssen, darin sind sich Befürworter und Gegner der Pflege-Initiative einig. Die Frage ist, wie man dies erreicht. Die Initianten verlangen, dass die Grundsätze in der Bundesverfassung festgeschrieben und die Pflegeberufe entsprechend gefördert werden. Die Parlamentsmehrheit lehnte die Initiative ab und sieht im Gegenvorschlag die bessere Lösung. Dieser richtet den Fokus auf die Ausbildung des Pflegepersonals.

Über 11'000 Stellen sind unbesetzt

In der Sendung «Kontrovers» bei Tele 1 weist Manuela Weichelt, Zuger Nationalrätin der Grünen, darauf hin, dass in der Schweiz momentan über 11'000 Stellen im Pflegebereich unbesetzt sind: «Dieser riesige Mangel an Fachpersonal führt dazu, dass die Leute allzeit auf Abruf bereitstehen müssen. Das führt zu vielen Burnouts.» Deshalb brauche es die Initiative, die für das gesamte Pflegepersonal bessere Bedingungen bringe, etwa bei den allgemeinen Anstellungsbedingungen, bei den Löhnen und auch der besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Der Urner FDP-Ständerat Josef Dittli sieht die Lösung im indirekten Gegenvorschlag. Mit diesem will die Parlamentsmehrheit die Ausbildung im Pflegebereich fördern. In den kommenden acht Jahren sind jährliche Beiträge von Bund und Kantonen bis zu einer Milliarde Franken vorgesehen: «In erster Dringlichkeit müssen wir mehr Leute finden, die in diesem Beruf arbeiten wollen. Dazu ist diese Ausbildungsoffensive wichtig.» Die Rahmenbedingungen für das Pflegepersonal dagegen müssten die Sozialpartner vereinbaren.

«Wie bei einer Badewanne ohne Stöpsel»

Gemäss Zahlen des Berufsverbandes des Pflegepersonals steigen 40 Prozent der Leute früher oder später aus dem Beruf aus. Nur Ausbildung allein bringe deshalb noch keine Entspannung, so Manuela Weichelt: «Es ist wie bei einer Badewanne ohne Stöpsel. Es fliesst ständig Wasser rein, aber ebenso schnell wieder raus.»

Für Josef Dittli ist unbestritten, dass es zusätzliches Pflegepersonal braucht, aber dieses müsse eben zuerst ausgebildet werden. Deshalb brauche es den Gegenvorschlag: «Wir können nicht einfach den Zauberstab zücken und dann ist das nötige Personal da. Wir müssen jetzt rasch mit der Ausbildungsoffensive starten.»

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 15. November 2021 17:50
aktualisiert: 15. November 2021 17:50