Lunik – Small Lights In The Dark

Die Musik schimmert mal dunkelblau, mal dunkelschwarz, dann erklingt dieses Hauchen. Eine überirdisch schöne Stimme, die von Lichtern im Dunkeln erzählt, von schwarzen Gemälden und von einsamen Stunden im Nachtzug. Es ist der erste Song dieses Albums und es ist unverkennbar das Stimmorgan von Sängerin Jaël Krebs, das einen hier so wohlig erschaudern lässt.

Jawohl, Lunik melden sich zurück, gut drei Jahre nach dem mit Platin ausgezeichneten Werk „Preparing to Leave“. Und die Berner Band tut es auf ihre ganz eigene Weise: mit dunkel funkelnden Songperlen, mit gravitätischen Pop-Hymnen, mit erdenschweren Rock-Balladen und mit anmutiger Melancholie. Traurig sein ist eine Kunst. Und Lunik hat es darin zur Meisterschaft gebracht. Wobei es nicht allein die samtene Schwermut ist, die dieses Album auszeichnet. Mindestens ebenso erhebend sind die Hoffnungsschimmer, die erstrahlen in diesen Songs. Kleine Lichter im Dunkel – oder: „Small Lights in the Dark“, wie Lunik ihr Schmuckstück getauft haben. „Die Nächte in fremden Hotels oder im Tourbus können sehr einsam sein. Wenn ich aber Lichter sehe, von Städten, Häusern oder Autos, dann fühle ich mich geborgen. Sie geben mir das Gefühl von Heimat“, erklärt Jaël Krebs den Albumtitel.

Dass sich Lunik in den letzten Jahren eine ortsungebundene Ersatzheimat zugelegt haben, ist wenig erstaunlich. „Wir waren viel unterwegs“, erzählt Jaël Krebs. Dann lächelt sie etwas verlegen – in der Schweiz haben Lunik ihre Arbeit im Ausland nicht an die grosse Glocke gehängt. „Es war uns lieber so: Wir konnten dieses Abenteuer so befreiter angehen.“ Die Geheimniskrämerei hat sich ausgezahlt: In Italien etwa stiessen sie mit der Single „Do You Love Me“ auf Platz 9 der Charts vor. Zeitgleich mit dem Release in der Schweiz erscheint „Small Lights in the Dark“ nun auch in etlichen anderen Ländern Europas, später im 2010 ist die Veröffentlichung ebenfalls in Übersee geplant. „Wir bilden uns nichts ein, freuen uns aber sehr auf diese Erfahrung“, sagt Jaël. Bescheidenheit ist noch immer eine Primärtugend dieser 1997 gegründeten und spätestens seit 2003 zur Schweizer Pop-Elite zählenden Band.

Eine weitere Konstante ist die Stilsicherheit, mit der Sängerin Jaël Krebs und Gitarrist Luk Zimmermann zu Werke gehen. Formulierten Lunik in ihren Anfängen noch eigenwillige Trip-Hop- Oeuvres, so zielen sie nun unterstützt von Schlagzeuger Chrigel Bosshard und Keyboarder Cédric Monnier mit urorganischen Sounds und ausgefallenen Arrangements am handelsüblichen Pop- Konservenfutter vorbei. Das ist nicht zuletzt das Verdienst des kanadischen Produzenten Bob Rose, der schon für Julian Lennon, John Lennons Nachfahre, die Regler in die rechte Position brachte. Bob Rose bestand darauf, „Small Lights in the Dark“ mit einer beinahe antiken Bandmaschine aufzunehmen. Er war es auch, der die Arrangements für das 30-köpfige Orchester komponierte, das Lunik im Amsterdamer Studio zur Verfügung stand.

Unter Bob Rose' Händen ist nun dieses betörende Stück Popmusik entstanden. Ein Album, das so unterschiedliche Stücke wie die verblümte Latin-Koketterie „Never Said That I Was Perfect“ mühelos mit der untröstlichen Ballade „Born To Be Sad“ zu verbinden mag. Da geht beim Refrain von „Falling Up“ die Sonne auf, nur um sogleich wieder zu entschwinden hinter dem finsteren Gewölk von „How Could I Tell You“, das die Schattenseiten der Gefühlstopographie einer brüchig gewordenen Liebe auslotet. Da werden in „People Hurt People“ Funken leichtfüssigen Pops geschlagen, und mit dem hymnischen „Set You Free“ ein versöhnlicher, wiewohl betrüblicher Schlusspunkt gesetzt. Jawohl, Lunik sind zurück, und man kann mit ihnen wieder in trauter Traurigkeit zerfliessen. Wenn das mal kein Grund zur Freude ist.

Veröffentlichung: 12. Februar 2010

www.lunik.com

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