Carolina Liar - Coming To Terms

Carolina Liar ist eine Band aus LA, die mit ihrem Album „Coming To Terms“ in den USA einen grossen Wurf gelandet hat. Kopf und kreative Energie der Band ist das Ausnahme-Talent Chad Wolf, der nach einem Trip in einige europäische Studios mit dem gelungenen Album „Coming To Terms“ in seine Heimat zurückkehrte und dort empfangen wurde wie ein junger Songwriter-Gott.

Zwei Dinge begegnen Chad Wolf in seinem Alltag in der Musiker-Community von LA immer wieder. Einerseits viel Lob über sein Songwriting, in dem er mit spielerischer Leichtigkeit ansteckende Popmelodien mit düsterem Rockfeeling verbindet, und zum anderen: Ungläubigkeit. Wieso gerät ein klassischer Songwritertyp, der die meiste Zeit seines Lebens mit Coffeehouse-Gigs verbringt, in eines der angesagtesten Studios Europas und kommt mit einem ganzen Album und einem Deal mit einem der vier grossen Plattenlabels wieder zurück? Diese Geschichte ist eigentlich zu gut, um wahr zu sein, aber das macht sie nicht unwahrer. Und irgendwo zwischen Übertreibung und Misstrauen liegt Aufrichtigkeit, und das ist das, worum es bei Carolina Liar letztendlich geht.

Chads musikalische Ambitionen begannen in aller Unschuld. Während er in Charleston, South Carolina, zum Teen heranwuchs, brachte ihm seine acht Jahre ältere Schwester die damals grassierende New Wave an die Ohren. „Die erste Single, die ich mir je gekauft habe, war View To A Kill von Duran Duran, da war ich in der dritten Klasse,“ erinnert er sich mit sentimentalem Stolz. Als er auf die Junior High ging, hatte er sich bereits zu Iggy Pop vorgearbeitet, aber die Euro-Elektro-Sounds von Depeche Mode, The Cure und sogar Falco hatten tiefe Spuren in seiner Seele hinterlassen. Alles rief nach einer Karriere in der Musik.

Mit 22 griff er sich seine Gitarre, bestieg das erste Mal ein Flugzeug und flog ab in Richtung LA. Um über die Runden zu kommen, nahm er einige kleine Jobs an - Komparse in einem Celine Dion-Video, Toiletten reinigen im Austausch gegen Studiozeit – und schloss schliesslich Freundschaft mit der renommierten Songwriterin Diane Warren. Sie gab ihm das Vertrauen in seine eigenen Songwriting-Skills, und begierig nahm er jeden Tipp, den sie für ihn hatte, auf. „Zu der Zeit hatte mein Sound noch kein Profil,“ so Chad. „Diane meinte zu mir, ich solle unbedingt nach Europa gehen. Da würde man genau verstehen, was ich mache, und mir helfen, meinen Stil zu entwickeln. Aber damals wollte ich auf keinen Fall von Amerika weg.“

Hier wird die Geschichte aber erst wirklich interessant. Irgendwie networkte Chad sich auf einen Job bei einem kleinen Label und landete schliesslich als House-Sitter bei Max Martin, einem ziemlich angesagten schwedischen Producer. „Max und ich wurden zwar Freunde, aber ich habe das Thema ‚Meine Musik’ nie zur Sprache gebracht,“ erinnert er sich. „Wir haben zusammen Fussball geguckt, und ich fand, dass es besser wäre, es dabei zu belassen.“ Dementsprechend bastelte Chad weiter vor sich hin und versuchte, Stück für Stück sein Songwriting zu perfektionieren. Und gerade, als ihm klar war, dass es Zeit wurde, etwas daraus zu machen, brachte ein Anruf die ganze Sache mehr in Bewegung, als Chad je gehofft hatte.

„Kein Scherz, genau an jenem Tag, als ich meinen Job hinwarf und überhaupt keine Idee hatte, wie ich weitermachen sollte, rief Max mich an und sagte: ‚Hey, ich hab mir mal einen Song von dir angehört. Wenn Du noch drei davon zustande bringst, können wir vielleicht mal was zusammen machen.’“ Und es vergingen nur wenige Monate, da stand Chad mit einigen der grössten Hitproduzenten Europas in einem schwedischen Studio.

„Coming To Terms“ entstand in Zusammenarbeit mit namhaften Songwritern, zum Beispiel Peter Svennson von den Cardigans. Aber die Grundzüge aller zwölf Songs wuchsen im Geiste Chads. In „California Bound“ erzählt er davon, wie er mit grossen Augen nach Hollywood kam, und im Titelsong „Coming To Terms“ verarbeitet er auch sehr persönliche Erfahrungen. „Coming To Terms“ habe ich geschrieben, während ich darüber nachdachte, dass ich meinen Job verloren hatte und dass meine Beziehung gerade den Bach hinunterging. Mir wurde klar, dass sich mein ganzes Leben innerhalb kürzester Zeit radikal ändern würde, aber mir war auch klar, dass die Vergangenheit unverändert bleiben würde. Darüber hast Du keine Macht, also musst Du einen Weg finden, damit klarzukommen.“

„Carolina Liar“ ist jetzt Chads Lebensinhalt geworden. Und wenn ihn jemand aufgrund des Bandnamens für eine Frau, oder aufgrund seiner Mitmusiker für einen Schweden halten würde, wäre ihm das auch egal, solange die Songs eine Chance bekommen. „Das wichtigste, was ich von Max gelernt habe, ist, dass man seinen eigenen Songs nie im Weg stehen darf,“ resümiert Chad. „Lass deinen Song seinen eigenen Weg gehen und sein eigenes Leben leben. Er kann sehr gut und sehr laut für sich selbst sprechen…“

Veröffentlichung: 26. März 2010

www.carolinaliar.com

Audiofiles

    Kommentare sind für diesen Artikel deaktiviert.