Betruf

Walti von Rotz aus Kerns ruft zum Gebet

Betruf

Der Betruf ist ein typisches Brauchtum der Alp. Abends, nach getaner Arbeit, erbitten die Älpler mit dem Betruf bei ihren Schutzheiligen den Alpsegen. Die Verse werden durch die Folle, einen hölzernen Milchtrichter, gerufen. Die Trichterform der Folle verleiht dem Sprechgesang eine Schallwirkung, die den Betruf fast bis ins Tal trägt. Der Älpler ruft mit kräftiger Stimme – denn je weiter der Klang reicht, desto breiter legt sich der Schutz über die Alp, ihre Tiere und Weiden.

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Hintergrund

Von Mai bis Oktober ist Alpzeit in der Innerschweiz. Wenn abends unten im Tal die Kirchenglocken den Dorfbewohnern die „Betzeit“ ankündigen, stimmen auch auf der Alp die Sennen und Hirten den Betruf an. Der Glockenklang der fernen Kirche verliert sich auf dem Weg in die Höhen der Alphöfe – der Betruf soll überall dort hörbar sein, wo das Glockenläuten nicht mehr vernommen werden kann.

Das Schutzritual des Betrufs, einst «Ave-Mariarüeffen» genannt, wurde in Spirigen, Kanton Uri, im ältesten erhaltenen Text auf das Jahr 1340 datiert. Bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde der Betruf mit sonorer Stimme gerufen. Seither entwickelte sich das Brauchtum zum melodischen, gesungenen Betruf. Die Verse wurden von Generation zu Generation weitergegeben. So pflegen auch heute noch viele Sennenfamilien ihren eigenen, historisch gewachsenen Betruf. Die Nennung verschiedener ortstypischer Schutzpatrons gibt zuweilen Aufschluss über die Herkunft der Älpler. Als Alp-Brauchtum diente der Betruf in der Vergangenheit auch als Gruss- und Lebenszeichen zwischen den benachbarten Hirten und Sennen.

Für den Betruf braucht es nicht viel: einen Menschen, ein Gebet und die Folle. Die vermeintliche Wenigkeit wird aber zu etwas Grossem, wenn der schlichte Trichter der Stimme hallende Weite verleiht und der Senn mit unerschütterlichem Urvertrauen die Segnung über die Tiere, die Hänge und das Zuhause erbittet.

Audiofiles

  1. Brauchtum: Walti von Rotz aus Kerns ruft zum Gebet. Audio: Roman Unternährer

Walti von Rotz

Walti von Rotz aus Kerns, Obwalden, ist Landwirt und Älpler mit Herz und Seele. Wenn sich der Frühling mit spriessender Natur ankündigt, erwacht auch in ihm die Sehnsucht nach der Alp. Das Schutzritual des Betrufs haben sowohl sein Grossvater als auch sein Vater allabendlich auf der Alp praktiziert. Für die Vieh-Sömmerung zieht es ihn mit der ganzen Familie in die Höhe auf die Alp,  wo er jeden Abend den Betruf singt. Und wenn ihm wegen Heiserkeit vielleicht mal die Stimme fehlt? Dann kann der Betruf auch nur innerlich still gesprochen werden. Die Schutzheiligen erhören nicht nur die Stimme – sondern auch das Älplerherz.  

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