Urner Kantonspolizei wird kritisiert

Im Fall des Mordversuchs eines Barbetreibers soll das Kommando gesetzeswidrig gehandelt haben

Im Fall des möglichen Mordversuches eines Barbetreibers im Kanton Uri wird nun auch das Kommando der Urner Kantonspolizei kritisiert. Die Ermittlungen in diesem Fall sollen von einem Polizisten geführt worden sein, der nicht neutral war. Nur Monate zuvor war er in eine Pöbelei mit dem Angeklagten verwickelt. Das Polizei-Kommando habe davon gewusst, aber nichts unternommen. Das sei gegen das Gesetz, sagte ein Polizeiexperte gegenüber der Rundschau des Schweizer Fernsehens. Der Fall liegt im Moment beim Bundesgericht.

Seit vier Jahren in Sicherhetishaft
Der beschuldigte Barbetreiber aus Erstfeld sitzt seit vier Jahren in Sicherheitshaft. Er soll einen Auftragskiller auf seine damalige Frau angesetzt haben. Das Obergericht hatte ihn im vergangenen Jahr wegen versuchten Mordes und versuchter vorsätzlicher Tötung zu 15 Jahren Haft verurteilt. Die Verteidigung hatte einen Freispruch verlangt, weil sie an der Beweislage zweifelt. Für das Obergericht war jedoch klar, dass der Beschuldigte im Herbst 2010 seine Ehefrau durch einen kroatischen Auftragsmörder habe erschiessen lassen wollen. Der Beschuldigte zog das Urteil weiter.

"Polizist hätte in den Ausstand treten müssen"
Der Polizist, der die Ermittlungen in dem Fall geleitet hatte, soll befangen gewesen sein. Monate zuvor war er nach einem Privatbesuch in der Erstfelder Bar wegen Pöbeleien in ein Strafverfahren mit dem Barbetreiber verwickelt gewesen. Gemäss "Rundschau" verlangte der Beschuldigt deshalb bei der ersten Polizeibefragung zum Mordversuch, dass die Ermittlungen von Polizisten durchgeführt werden sollten, die keine negativen Gefühle gegen ihn hätten. Der interimistische Direktor der Interkantonalen Polizeischule Hitzkirch, Urs Winzenried, sagte im Fernsehbericht: "Wenn ein Polizist in einem früheren Verfahren engen Kontakt mit einem Beschuldigten gehabt hat, dann ist ganz klar, dass er in den Ausstand treten muss."

Polizei ist überzeugt, korrekt gehandelt zu haben
Die Verantwortlichen der Urner Polizei sind überzeugt, richtig gehandelt zu haben. Die Ausstandsfragen seien nach dem damals gültigen Recht beurteilt worden, sagte Polizeisprecher Gustav Planzer der Nachrichtenagentur sda. Die Urner Polizei stützte sich bei ihrem Vorgehen auf das kantonale Gesetz über den Ausstand sowie die kantonale Strafprozessordnung. Diese trat Ende 2010 ausser Kraft und wurde durch die schweizerische Strafprozessordnung abgelöst.

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