Prozess Ignaz Walker: scharfe Kritik an Urner Staatsanwaltschaft

Verteidiger von Walker kritisiert auch die Urner Polizei wegen Informationsvertuschung

Das Urner Obergericht in Altdorf Kurt Zollinger vom Forensischen Institut Zürich zeigt den Kugelfang

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  1. Prozess gegen Ignaz Walker: Urner Polizei wegen Informationsvertuschung kritisiert. Audio: Caspar van de Ven

Nach einem viermonatigen Unterbruch ist heute vor dem Urner Obergericht der Berufungsprozess gegen einen Erstfelder Barbetreiber Ignaz Walker wieder aufgenommen worden. Die Staatsanwaltschaft wirft Walker vor, 2010 einen Auftragskiller auf seine damalige Frau angesetzt zu haben, sowie auch auf einen holländischen Gast geschossen zu haben. Die Frau wie auch der Gast überlebten die Angriffe. Der Angeklagte Walker bestreitet für die Taten verantwortlich zu sein. Im Fokus stehen neue Akten zum inzwischen verstorbenen Hauptbelastungszeugen.

Schussrekonstruktion und neues Beweisverfahren

Der heute startende Prozess ist ein weiteres Kapitel in einem sehr undurchsichtigen und Fragen aufwerfenden Prozess. Ignaz Walker war 2012 vom Urner Landgericht zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt worden. Das Urner Obergericht schickte ihn später dann sogar für 15 Jahre ins Gefängnis. Am Ende hob dann das Bundesgericht das Urteil wieder auf - dies wegen einer DNA-Spur, welche das Obergericht nicht hätte in den Prozess miteinbeziehen dürfen. 

Im Oktober des vergangenen Jahres kam der Fall deshalb erneut vor das Urner Obergericht. Dafür wurde sogar eine Schussrekonstruktion gemacht, um den Angriff des Auftragkillers auf Walkers frühere Ehefrau nachzustellen. Der anschliessende Prozess wurde dann aber unterbrochen und wird heute nun fortgesetzt. Zu reden gab zuletzt der Hauptbelastungszeuge im Fall. Ein Holländer, welcher lediglich einmal befragt wurde und dies als er betrunken war. 

Im späteren Verlaufe des Untersuchungen konnte der Holländer dann angeblich von der Staatsanwaltschaft nicht mehr aufgefunden werden. Die Rundschau des Schweizer Fernsehens deckte dann aber auf, dass der Drogendealer zuletzt in einem Gefängnis in Frankreich sass und inzwischen gestorben ist. 

Neue Akten zum Hauptbelastungszeugen

Inzwischen wurden nun neue Akten ausgegraben, welche in Zusammenhang mit dem Hauptbelastungszeugen stehen. Im Verfahren das heute nun weitergeht, werden diese dann wohl auch im Fokus stehen. Die Verteidigung kritisiert die Staatsanwaltschaft und das Gericht nämlich scharf. Es soll zu wenig unternommen worden sein um den Mann aufzufinden und ausserdem sollen seine damaligen Aussagen unter Alkoholeinfluss nicht verwertbar sein.

Vorwürfe macht die Staatsanwaltschaft auch der Urner Polizei. Auch diese habe vom Aufenthalt des Hauptbelastungszeugen gewusst. Wie Linus Jäggi, Verteidiger von Ignaz Walker, gegenüber Radio Pilatus sagte, seien es zu viele Einzelheiten, die in diesem Fall nicht stimmen: „ Das können nicht alles Zufälle sein, hier wurden bewusst Informationen zurückgehalten. Die Staatsanwaltschaft wollte verhindern, dass Peters erneut befragt werden kann. Ein solches Verhalten ist eine Verletzung der Verteidigungsrechts und eine Straftat“.

Staatsanwaltschaft dementiert die Vorwürfe

Oberstaatsanwalt Thomas Imholz machte gleich zu Beginn seines Parteivortrags klar, dass der Prozess um Ignaz Walker ungeahnte Dimensionen erreicht hat und in eine falsche Richtung verläuft. Es gehe hier um die Schüsse auf den Holländer Peters und den Angriff des  Auftragskillers auf die damalige Freundin Walkers. Die Verteidigung versuche bewusst die Medien und das Gericht zu Manipulieren. Die Mythen und Verschwörungstheorien die inzwischen im Fall Walker existieren seien eine reine Fantasie der Verteidigung. Dass es sich um einen Komplott handeln würde, bei dem die Staatsanwaltschaft versucht habe, Peters dazu zu bringen, Walker als Schützen zu identifizieren um diesen ins Gefängnis zu bringen, sei eine Behauptung ohne Hand und Fuss. Die Staatsanwaltschaft habe korrekt und laut den Vorlagen des Bundesgerichts gehandelt. Es sei daher wichtig, dass man zum Prozess Ignaz Walker zurückkehre, und keine weiteren Ausschweifungen in Mutmassungen und Verschwörungen eingehe.

Ein Urteil im Fall Ignaz Walker wird frühestens im April gefällt.

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