Nizza: IS bekennt sich zum Anschlag

Über 300 Tote, 26 noch in Lebensgefahr

Audiofiles

  1. Frankreich: Mindestens 80 Tote bei Amokfahrt in Nizza. Audio: Carmen Zettel
  2. Frankreich: Aktuelle Informationen zur Lastwagen-Attacke in Nizza. Audio: Roman Unternährer
  3. Attacke in Nizza: Reaktion von Präsident François Hollande. Audio: Carmen Zettel
  4. Anschlag in Nizza: Neue Informationen zum Attentäter. Audio: David von Moos
  5. Lastwagen-Attacke in Nizza: Was bisher geschah. Audio: David von Moos
  6. Attentat von Nizza: Auch Schweizer unter den Opfern. Audio: David von Moos

Bei einer Lastwagen-Attacke auf eine Menschenmenge in Nizza sind bislang 84 Personen ums Leben gekommen. Über 300 weitere Personen wurden zum Teil schwer verletzt. Unter den Opfern sind auch zwei Schweizer. 26 Menschen schweben noch in Lebensgefahr, darunter 5 Kinder. Unterdessen hat sich der IS zum Anschlag bekannt. Eine unabhängige Bestätigung fehlt allerdings noch. 

Die Attacke geschah spätabends am Donnerstag, um 23:00 Uhr, kurz nach dem Ende des Feuerwerks zum französischen Nationalfeiertag. Der weisse Lastwagen war auf der Promenade des Anglais, einer der bekanntesten Flaniermeilen Europas, unterwegs. Auf einer fast 2 Kilometer langen Strecke habe der Lastwagen etliche Menschen erfasst, sagte die Sprecherin der örtlichen Präfektur.

Täter war "Soldat des IS"
Die Terrormiliz Islamischer Staat IS hat sich am Samstagmorgen zum Anschlag in Nizza bekannt. Die IS-Propaganda-Agentur Amak erkläte im Internet, der Täter sei ein "Soldat des IS" gewesen. Der Anschlag habe den Bürgern jener Länder gegolten, die gegen die Miliz kämpfen würden. Der Fahrer des Lastwagens wurde bei seiner Amokfahrt von der Polizei getötet. Wie die französische Nachrichtenagentur AFP berichtet, sind im Lastwagen die Papiere des 31-jährigen Franko-Tunesiers gefunden worden, der in Nizza gemeldet gewesen sei. Noch fehlt eine unabhängige Bestätigung, dass wirklich der IS hinter dem Anschlag steckt. 

Ein Land unter Schock
Nach wie vor spricht die französische Regierung von einem Terroranschlag. Jetzt müsse man schnell handeln, erklärte Ministerpräsident Manuel Valls gegenüber den Medien. Man tue alles Mögliche, um die Behörden vor Ort bei der Bewältigung dieser Attacke zu unterstützen. Ganz Frankreich leide mit, so Valls weiter.

Am Mittag ist deswegen auch der französische Präsident François Hollande nach Nizza geflogen, um sich vor Ort ein Bild der Lage zu machen. Hollande will morgen unter anderem die Präfektur und ein Spital besuchen. Auch Premierminister Valls und Innenminister Bernard Cazeneuve halten sich in Nizza auf.

Auch Schweizer unter den Opfern
Unter den Opfern der gestrigen Attacke befinden sich auch zwei Schweizer. Es handle sich um eine Frau und ein Kind, teilte das Eidgenössische Departement für Auswärtige Angelegenheiten EDA mit. Es sei im Moment noch nicht ausgeschlossen, dass sich noch andere Schweizer unter den Opfer befinden. Wie die Bundeskanzlei mitteilt, hat das Bundesamt für Polizei FEDPOL deswegen Verbindungspersonen nach Nizza entsandt, die die französischen Behörden bei der Identifizierung der Opfer unterstützen sollen.

Die EDA-Helpline nimmt unter den Telefonnummern +41 800 24-7-365 oder +41 58 465 33 33 rund um die Uhr Anfragen von besorgten Angehörigen entgegen.

Zur Zeit gebe es keine Hinweise auf Verbindungen zwischen dem Attentäter und der Schweiz, hat die Bundeskanzlei nach einer Lagebesprechung mit dem Nachrichtendienst des Bundes weiter bekannt gegeben. Die terroristische Bedrohungslage bleibt laut Einschätzung des Nachrichtendienstes unverändert erhöht. Es gebe aber keine konkreten Hinweise für eine direkte Bedrohung der Schweiz und ihren Interessen, so die Bundeskanzlei.

Der Bundesrat sei bestürzt über das Attentat von Nizza, teilte die Bundeskanzlei weiter mit. Bundespräsident Johann Schneider-Ammann habe in einem Brief an den François Hollande im Namen der Schweizer Bevölkerung kondoliert.

Die französischen Behörden nahmen wegen des mutmasslichen Terroranschlag die Ermittlungen auf. 

Präsident François Hollande kündigte an, dass der Ausnahmezustand in Frankreich um drei Monate verlängert werden solle. Er begründete dies mit dem angeblich terroristischen Hintergrund des Anschlags. Eigentlich hätte der Ausnahmezustand Ende Juli aufgehoben werden sollen. Dieser wurde nach den Anschlägen in Paris am 13. November 2015 verhängt.

Wie Bilder auf Twitter zeigen, wurden Verletzte in den diversen Nobelhotels an der Promenade des Anglais in Nizza betreut. Zudem seien in den Hotelräumlichkeiten auch Zeugen befragt worden.

Laufend aktualisierte Informationen gibt es bei der Neuen Zürcher Zeitung.

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