Vermisste F/A-18 gefunden - Pilot noch vermisst

Suche nach dem Piloten erneut unterbrochen

Der Kampfjet der Schweizer Luftwaffe wird im Sustengebiet vermisst

Audiofiles

  1. Deshalb ist die Suche so schwer. Audio: Matthias Strasser
  2. F/A-18-Kampfjet verschollen. Audio: Liliane Küng
  3. F/A-18-Absturz Flugzeug gefunden. Audio: Yanik Probst

Der seit Montag im Sustengebiet vermisste F/A-18-Kampfjet ist gefunden worden. Der Pilot der einsitzigen Maschine wurde aber noch nicht entdeckt. Das gab die Luftwaffe an einer Medienkonferenz bekannt.

Nach Angaben von Armeesprecher Daniel Reist verunglückte der Kampfjet in der Umgebung des rund 3'440 Meter hohen Gipfels Hinter Tierberg und sei beim Absturz zerschellt. Das Wrack der F/A-18 sei am Dienstag-Nachmittag von einem Helikopter aus gesichtet worden. Wie die Luftwaffe an der Medienkonferenz mitteilte, war die Absturzstelle wegen schlechten Wetters vom Boden aus bislang nicht erreichbar. Sobald es die Wetterumstände zulassen, würden Gebirgsspezialisten mit den Helikoptercrews zur Absturzstelle geflogen und dort abgeseilt werden. Der Absturzort sei für die Rettungskräfte extrem unzugänglich. Auf der einen Seite seien teils überhängende Felswände, auf der anderen ein Gletscher, so Oberst Felix Stoffel, Chef Berufsfliegerkorps und ehemaliger F/A-18-Pilot.

Die Suche musste in der Nacht auf Mittwoch aber erneut unterbrochen werden. Der Grund dafür sei erneut das schlechte Wettergewesen. Dazu kämen Lawinengefahr und Schnee, erklärte Daniel Reist am Dienstagabend gegenüber der Nachrichtenagentur sda. Die Suche musste kurz nach 20 Uhr gestoppt werden. Wird aber am Mittwoch morgen so bald als möglich wieder fortgesetzt.

Notsignale konnten nicht genügend lokalisiert und identifiziert werden

Insgesamt drei Notsignale können bei einem Zwischenfall empfangen werden. Diejenigen von  Flugzeug, Schleudersitz und Pilot. Notsignale wurden zwar empfangen, die Dauer war aber zu kurz, um zu sagen, ob diese überhaupt von diesem Flugzeug stammten, erklärte der Oberst im Generalstab Felix Stoffel an der Medienkonferenz. Die Notsender seien ziemlich resistent, seien aber nicht dazu konstruiert, um einen Aufprall an einer Felswand zu überleben, erklärt Pierre Goumoëns, F/A-18-Pilot und zugeteilter Stabsoffizier Kommandant Luftwaffe an der Medienkonferenz.

Das Flugzeug war gestern um 16.01 Uhr in Meiringen BE gestartet. Zunächst verlief der Funkverkehr laut Luftwaffenchef Aldo Schellenberg normal, der Pilot meldete sich auf einen ersten Aufruf. Um 16.05 Uhr verlor die Einsatzzentrale dann den Kontakt zum Piloten, der sich auf den zweiten Aufruf nicht mehr meldete. Die betroffene Maschine war 15 Sekunden nach einer anderen gestartet. Geplant war ein Trainingsflug in der Patrouille: Die beiden F/A-18-Hornets sollten den Luftkampf gegen einen F-5-Tiger trainieren.

Wegen einer Wolkendecke hatten die beiden F/A-18-Piloten keinen Sichtkontakt. Sie flogen nach Instrumentenflugregeln. Zum Zeitpunkt des Verschwindens der Maschine gab es im Gebiet eine Wolkenschicht mit einer Untergrenze von 1000 Metern und einer Obergrenze von 9000 Metern. Die Wetterlage war laut Angaben der Armee aber nicht gravierend.

"Ich erkenne kein Muster"

Mit dem Verlust des Einsitzers verbleiben der Luftwaffe von den ursprünglich 34 noch 30 F/A-18, 25 Einsitzer und 5 Doppelsitzer. Der Verlust einer weiteren Maschine sei schmerzhaft, sagte Schellenberg. Zwar sei der Luftpolizeidienst sichergestellt, auch am geplanten Aufbau eines Polizeidienstes rund um die Uhr ändere sich nichts. Die Durchhaltefähigkeit sei nun aber zusätzlich eingeschränkt worden. Die Häufung von Unfällen mache ihn nachdenklich, sagte der Luftwaffenkommandant weiter. "Ich erkenne kein Muster", stellte er fest. Ob es einen versteckten Zusammenhang gebe, müsse analysiert werden. Über die gesamte Zeitperiode von 19 Jahren sei die Ausfallquote bei den F/A-18 indes nicht überdurchschnittlich.

Drei Unfälle in kurzer Zeit

Erst vergangenen Oktober war eine zweisitzige F/A-18 im gemeinsamen Trainingsraum mit Frankreich südöstlich von Besançon abgestürzt. Der Pilot wurde dabei verletzt. Im Oktober 2013 zerschellte im Raum Alpnachstad im Kanton Obwalden eine zweisitzige F/A-18. Der Pilot und sein Passagier, ein Arzt des Fliegerärztlichen Instituts, kamen ums Leben. Im April 1998 waren beim Absturz eines F/A-18-Kampfjets bei Crans VS beide Insassen getötet worden.

Im Juni des laufenden Jahres stürzte zudem ein F5-Kampfflugzeug der Patrouille Suisse in der Nähe des Militärflugplatzes Leeuwarden in den Niederlanden ab, nachdem sich zwei Jets bei einem Trainingsflug touchiert hatten. Der Pilot konnte sich mit dem Schleudersitz retten.

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