Urner Firmen haben zu wenig Nachwuchs

Mehr Fehlentscheidungen bei zu früher Zusage

Im Kanton Uri gibt es im Moment sehr viele Lehrbetriebe, die ihre Lehrstellen gar nicht mehr besetzen können. Dies unter anderem wegen den geburtenschwachen Jahren. Die Lehrbetriebe versuchen darum ihre Stellen immer früher zu besetzen.

Die Firma Emil-Gisler aus Seedorf hätte 20 Lehrstellen anzubieten - kann aber im Moment nur gerade 11 besetzen. Dabei wäre das Konzept der Firma sehr nachhaltig: Die Mitarbeiter werden von Grund auf ausgebildet. Nach dem Lehrabschluss möchte man sie wenn möglichst in der Firma behalten. Dies hat den Vorteil, dass der Mitarbeiter nicht zuerst die Firmenphilosophie erlernen muss. Wegen dem Lehrlingsmangel ist es immer schwieriger dieses Konzept umzusetzen.

50 Stellen nicht besetzt

Mit Ende des Schuljahrs 2017/2018 haben über 340 Urner Jugendliche die obligatorische Schulzeit abgeschlossen. Für die meisten beginnt mit der Lehre ein ganz neuer Lebensabschnitt. Aufgrund der demografischen Entwicklung schliessen immer weniger Jugendliche ihre obligatorische Schulzeit ab; gleichzeitig werden weiterhin ähnlich viele Lehrstellen angeboten wie in früheren Jahren. Für die Jugendlichen im Kanton Uri hat sich die Situation auf dem Lehrstellenmarkt zwar verbessert, den Lehrbetrieben bereitet diese Veränderung aber zunehmend Sorge. In diesem Sommer konnten in Uri rund 50 Stellen nicht besetzt werden. Darum versuchen immer mehr Betriebe, die Schülerinnen und Schüler an sich zu binden, indem sie ihnen frühzeitig eine Lehrstellenzusage machen. Fast 30 Prozent der Jugendlichen, die im August 2018 eine Lehre antreten, haben bereits in der 2. Oberstufe eine mündliche Zusage erhalten.

Fehlentscheidung führt zu vermehrter Umorientierung

Wenn Jugendliche schon bei der ersten Schnupperlehre in der 2. Oberstufe eine mündliche Zusage erhalten, befassen sie sich nicht mehr mit anderen Berufen. Der Berufswahlprozess wird vorzeitig abgebrochen, und die Auseinandersetzung mit Alternativen findet nicht statt. Zudem bewirken die frühen Lehrstellenzusagen, dass Jugendliche und Lehrbetriebe beim Berufswahl- und Selektionsprozess unter massiven Druck geraten. Dadurch werden Fehlentscheidungen provoziert. Dies führt auch dazu, dass sich nach dem Lehrabschluss viele umorientieren. Dies schreibt die Berufs- Studien- und Laufbahnberatung Uri in einer Mitteilung. Auch in der Schule können Probleme entstehen. Nach erfolgter Zusage sinkt die Motivation bei vielen Jugendlichen. Kantonalen Stellen, die Berufsbildungskommission und Wirtschaft Uri setzen sich dafür ein, dass die Selektion der Lernenden in der 3. Oberstufe stattfinden sollte. Bisher habe das aber noch nicht die gewünschte Wirkung erzielt. 

Elektroniker-Lehrling Pascal Grüter bei der Arbeit.

Audiofiles

  1. Zu viele Lehrstellen im Kanton Uri.. Audio: Giulia Jung

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