Nationale Anlaufstelle "Alter ohne Gewalt" lanciert

Die Einrichtung ist für ältere Menschen und ihre Bekannten die von Misshandlung betroffen sind

Die Schweiz hat neu eine nationale Anlaufstelle für ältere Menschen, die von Misshandlung betroffen sind. Die am Dienstag in Bern vorgestellte Einrichtung "Alter ohne Gewalt" richtet sich auch an Angehörige, Drittpersonen und Fachleute.

Am Dienstag wurde in Bern eine neue Anlaufstelle für ältere Menschen, die von Misshandlung betroffen sind vorgestellt. Lanciert wurde die Anlaufstelle von der Unabhängigen Beschwerdestelle für das Alter UBA in der Deutschschweiz, Pro Senectute Ticino e Moesano im Tessin und Misox sowie alter ego in der Westschweiz. Die Anlaufstelle soll auch für Angehörige, Fachleute und Drittpersonen sein.

Ein Tabuthema

Misshandlungen an älteren Menschen seien eine Realität in der Schweiz, hiess es am Dienstag an einer Medienkonferenz in Bern. Gewalt im Alter sei jedoch ein Tabuthema. Man rechne, dass gegen 300'000 Personen in der Schweiz davon betroffen seien. Gewaltsituationen fänden sehr oft im Privatbereich zu Hause statt. Ausgehend seien die Misshandlungen von Familienangehörigen, etwa Partnern oder erwachsenen Kindern. Häusliche Gewalt an älteren Menschen gehe meistens mit der Überforderung von pflegenden Angehörigen einher. Misshandlung trete auch in Institutionen auf und hänge im Allgemeinen mit institutionellen Problemen zusammen. Zum Beispiel Personalmangel, Mangel an Weiterbildung oder häufigen Personalwechseln.

Scham und Schuldgefühle

Die älteren Menschen, welche Opfer von Misshandlungen sind, empfänden Scham und Schuldgefühle. Sie wagten nicht, über das Geschehene zu sprechen und wüssten nicht, an wen sie sich wenden könnten, um Hilfe zu erhalten. Die nationale Anlaufstelle "Alter ohne Gewalt" bringt die älteren Personen, ihre Nächsten und alle Betroffenen in der ganzen Schweiz in Kontakt mit Fachorganisationen und Fachpersonen aus den Bereichen Medizin, Recht, Pflege und Versicherung, wie Gabriele Fattorini, Direktor von Pro Senectute Ticino e Moesano ausführte.

Gewalt hat verschiedene Gesichter

Jörg Rickenmann, Koordinator bei alter ego, legte dar, dass Misshandlung gegen ältere Menschen verschiedene Gesichter habe: Sie könne absichtlich verübt werden, was dann Sache der Polizei und der Justiz sei. Sie könne aber auch unbeabsichtigt geschehen: durch Ignoranz der Gemeinschaft, durch fehlende Zeit im Alltagsstress oder auch durch fehlende Bildung. Die zunehmende Alterung der Bevölkerung und der sozio-wirtschaftliche Kontext enthielten ein wachsendes Risiko für Misshandlungen gegen ältere Menschen.

Rund 200 Fälle im letzten Jahr

Im 2018 wurden ungefähr 200 Fälle von Gewaltsituationen gegen ältere Menschen den drei regional tätigen Organisationen gemeldet. Die Lancierung der nationalen Anlaufstelle "Alter ohne Gewalt" soll einer noch grösseren Anzahl Betroffener den unkomplizierten Zugang zu fachgerechter Hilfe und Beratung ermöglichen.

Hilfe in drei Sprachregionen

Die Telefonnummer 0848'00'13'13 verbindet je nach Sprachregion, aus welcher telefoniert wird, zu einer der drei Organisationen, sodass rasche Unterstützung, Hilfe und Beratung erfolgen kann. Die Internetseite Alter ohne Gewalt vermittelt in drei Sprachen den Kontakt sowie Informationen zum Thema.

(Quelle: sda)

Anlaufstelle für ältere Menschen, die von Misshandlung betroffen sind, wurde lanciert.

Audiofiles

  1. Neue nationale Anlaufstelle "Alter ohne Gewalt". Audio: Fabian Kreienbühl / Damian Betschart

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