Jakob Dylan - Seeing Things

In den USA feierte Jakob Dylan mit seinen Wallflowers gute zehn Jahre lang bemerkenswerte Erfolge. Vor allem das 1996 erschienene „Bringing Down The Horse“ schaffte es in fast jeden Plattenschrank des geneigten Alternative-Hörers - nicht zuletzt wegen der als Single ausgekoppelten David-Bowie-Coverversion „Heroes“. Darauf, dass die Wallflowers noch existieren, dass er sie keinesfalls aufgelöst hat, legt Jakob Dylan durchaus Wert. Doch tatsächlich ist die Band ohne Plattenvertrag - und Dylan veröffentlicht alleine. Es darf also fleissig spekuliert werden. „Seeing Things“ indes ist noch nicht der ganz grosse Befreiungsschlag, trotz der dichten Inszenierung durch Produzenten-Superstar Rick Rubin (Johnny Cash, Neil Diamond, aktuell Metallica).

Vielleicht liegt es daran, dass Dylan ruhig agiert, fast schon zu ruhig. „Evil Is Alive And Well“, der Opener, gibt da so einiges vor. Jakob Dylan braucht nicht viel mehr als eine Gitarre. Und da werden eben zwei Erinnerungen wach. Einmal die an den Vater. Ein Vergleich ist natürlich unfair und deshalb zu unterlassen, aber die Ähnlichkeit der Stimmen fällt durchaus auf, wenn die Rockband im Hintergrund weg ist. Aber man muss eben, auch wenn Dylan thematisch anders und ernsthafter arbeitet, auch an die aktuelle Generation der Songwriter denken, an Jack Johnson oder Jason Mraz.

Eine Kombination, die naturgemäss Überraschungsarmut in sich trägt. Doch hört man „Seeing Things“, fällt eines auf, der Aggregatszustand des Hörers ändert sich parallel zu dem Dylans. Beide tauen gleichermassen zunächst an und später auf, und auch gleichzeitig. Irgendwann gewöhnt man sich an die scheinbar beiläufige Erzählweise, daran, dass die Songs selten zwingend scheinen. Am Ende ist Dylan nicht Sohn, sondern Künstler - und zwar einer, der kleine, bescheidene Songs wie „Everybody Pays As They Go“ schreibt und dann irgendwann doch als Ohrwurm auftaucht. Unvermittelt, aber mit Nachdruck.

Veröffentlichung: 27.Juni 2008

www.jakobdylan.com

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