Kampfjet-Abstimmung

Auch die Verlierer fühlen sich ein bisschen wie Sieger

Yanik Probst, 28. September 2020, 10:53 Uhr
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Quelle: PilatusToday

Die letzten Umfragen vor dem Abstimmungssonntag machten den Befürwortern der neuen Kampfjets viel Mut. Es zeichnete sich ein relativ sicheres Ja ab. Am Abstimmungssonntag mussten sie dann aber doch zittern: Mit hauchdünnen 50,1 Prozent Ja-Stimmen wurde die Vorlage letztlich knapp angenommen.

50:50 lautete das Ergebnis bei sämtlichen Hochrechungen am Sonntag. Eine Tendenz? Fehlanzeige. Am Ende machten nur rund 8'000 Stimmen den Unterschied. Damit kann die Schweizer Armee für maximal 6 Milliarden Franken neue Kampfjets kaufen.

Wieso aber fiel das Resultat dermassen knapp aus? Vor allem nach dem sich im Vorfeld ein souveränes Ja abzeichnete? Die Politexperten sehen verschiedene mögliche Gründe. Einer könnte die Corona-Pandemie sein, heisst es. Angesichts der Krise möchte das Volk tendenziell eher sparen, da seien 6 Milliarden Franken zu viel Geld.

Ein anderer möglicher Grund für das knappe Ja von 50,1 Prozent nennt das gfs.bern die hohe Stimmbeteiligung in den Städten. Dort sei die Bevölkerung tendenziell armeekritischer als auf dem Land.


Befürworter: «Da haben wir viel, viel Arbeit vor uns.»

Eigentlich wollten sich die Unterstützer der neuen Kampfjets wohl eher etwas zurücklehnen und den Erfolg an der Urne auskosten. Der Champagner war definitiv schon kaltgestellt nach den Trendumfragen im Vorfeld. Das Drama am Abstimmungssonntag setzte den Befürwortern dann aber zu. Plötzlich zitterten sie und mussten eine Niederlage historischen Ausmasses fürchten.

Zufrieden, aber nicht glücklich mit dem Resultat waren die Sieger dann auch nach der Abstimmung. Es sei ein Erfolg, gleichzeitig zeige es aber auch, dass es noch viel Arbeit gibt, deutete Stefan Holenstein, Präsident der Schweizerischen Offiziersgesellschaft das Resultat:

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Quelle: Keystone-SDA

So wirklich an einen Erfolg glauben konnten die Gegner der neuen Kampfjets im Vorfeld nicht. Es kam bekanntlich aber anders und die Hoffnung, nicht nur ein gutes Ergebnis zu erzielen, sondern die Abstimmung sogar zu gewinnen, lebte plötzlich. Entsprechend war die Stimmung bei den Verlierern nach der Abstimmung. Sie sehen sich nämlich trotz der Niederlage an der Urne als Sieger, wie Jo Lang und Lewin Lempert von der Gsoa im Interview sagen. Die neuen Kampfjets wollen sie auch weiter bekämpfen:

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Quelle: Keystone-SDA

Bundesrat entscheidet voraussichtlich Anfang Jahr über Jet

Augenscheinlich kaum zugesetzt hat der Fotofinish um die neuen Kampfjets Verteidigungsministerin Viola Amherd. Kurz nach der Abstimmung an der Medienkonferenz des Bundesrates in Bern wirkte sie fast schon kalt. Sie las ihren Text vor – kein Wort zum knappen Ergebnis, kein Lachen im Gesicht, eine Abstimmungssiegerin stellt man sich anders vor.

Trocken aber mit dem Ziel vor Augen beantwortete sie dann die Fragen der anwesenden Journalisten. Denn auch die Verteidigungsministerin ist sich bewusst, dass das knappe Resultat auch ein Zeichen dafür ist, dass das Thema neue Kampfjets nicht überall Anklang findet. Deshalb sei absolute Transparenz dem ganzen Departement ein wichtiges Anliegen, erklärte Amherd vor den Medien:

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Quelle: PilatusToday

Welchen Kampfjet die Schweizer Armee nun kauft, ist mit der Abstimmung allerdings noch nicht entschieden. Das Volk hat mit seinem Ja lediglich die nötigen finanziellen Mittel gesprochen. Die Evaluation des neuen Kampfjets ist derzeit in der Endphase. Voraussichtlich Anfang 2021 fällt dann der Entscheid über den Typ und die Menge der neuen Kampfjets.

Die ersten Jets sollen etwa 2025 in Dienst gestellt werden, 2030 soll die Beschaffung abgeschlossen sein. Parallel dazu werden die F/A-18 und die letzten Tiger ausser Dienst gestellt.

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 28. September 2020 06:57
aktualisiert: 28. September 2020 10:53