Corona-Träume

Bessere Traumerinnerung und schlechtere Träume wegen Corona

Andreas Wolf, 3. März 2021, 10:03 Uhr
Seit Corona erinnern sich viele besser an ihre Träume
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Wir können fliegen, uns verwandeln oder unsichtbar machen – in Träumen tauchen wir in eine ganz andere Welt ein. Jeder und jede träumt – nicht immer kann man sich aber daran erinnern. Seit Corona erinnern sich viele aber besser an die Träume. Warum ist das so? Eine Psychotherapeutin klärt auf.

Die Coronapandemie schränkt uns in vielerlei Hinsicht ein. Wie Studien aus den USA nun zeigen, macht Corona auch vor der Traum-Welt keinen Halt. So erinnern sich Leute häufiger als sonst an ihre Träume. Und auch schlechte Träume haben zugenommen. Die ganze Studie ist am Ende des Artikels zu finden.

Mit Träumen verarbeiten wir das Erlebte im Alltag. Zumindest deutet viel darauf hin, erklärt die Luzerner Psychotherapeutin FSP Margarethe Letzel. Und wenn dann so etwas wie eine Pandemie daherkommt, dann beschäftigt uns das natürlich auch dementsprechend. Somit wäre zumindest mal geklärt, warum man von Corona träumt.

Margarethe Letzel
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Homeoffice hilft der Traumerinnerung

Vielen geht es morgens ähnlich: Der Wecker klingelt und man sollte eigentlich schon fast im Auto oder im Zug zur Arbeit sitzen. «Wenn mich der Wecker aus dem Schlaf holt und ich sofort bereit sein muss, dann geht die Erinnerung an die nächtlichen Hirnaktivitäten – wie eben Träume – schnell weg», erklärt Margarethe Letzel. Mit der Homeoffice-Pflicht fällt der Arbeitsweg oft weg und man hat am Morgen mehr Zeit.

Mehr Zeit heisst wiederum auch mehr Zeit für das Gehirn die Träume zu fassen und dann erinnert man sich besser daran. Ausserdem werden morgens auch die sogenannten REM-Schlafphasen automatisch länger. Das vereinfacht es, uns an die Träume zu erinnern. Ausserdem haben wir in dieser Schlafphase den Hauptteil der Traumerlebnisse.

Geschlechterunterschiede

Die Studie aus den USA zeigt weiter auf, dass Frauen mehr schlechte Traum-Erlebnisse im Zusammenhang mit Corona haben. Warum das so ist, da kann Letzel nur spekulieren: «In unserer Gesellschaft ist es wohl immer noch so, dass Gesundheitsfragen eher bei den Frauen liegen», so die Psychotherapeutin FSP. So haben Frauen Sorgen um das gesundheitliche Wohl der Familie wohl immer noch eher im Hinterkopf als Männer.

Auch bei Personen mit höheren Bildungsstufen zeigen sich mehr negative Effekte. Dies könnte laut Letzel folgenden Grund haben: Wem mehr Informationen zur Verfügung stehen, kann sich eher vorstellen, was alles schief gehen könnte. Darum macht man sich mehr Sorgen.

Über Sorgen zu träumen ist aber nichts Schlechtes – Träume können laut Margarethe Letzel helfen, Probleme zu lösen. Im Schlaf kombiniert man nämlich bereits gewonnenes Wissen zu neuen Lösungen. «Da muss ich erst mal drüber schlafen», kommt also nicht von ungefähr.

Hier geht es zur Studie «Dreaming and the COVID-19 Pandemic: A Survey in a U.S. Sample» von Schredl & Bulkeley.

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 6. März 2021 19:18
aktualisiert: 3. März 2021 10:03