Auswirkungen Coronapandemie

«Die Liebe verbindet und ist stärker als Meinungsverschiedenheiten»

Vanessa Zemp, 7. Februar 2022, 15:05 Uhr
Meinungsverschiedenheiten
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Meinungsverschiedenheiten können zum Verhängnis werden. Seit dem Beginn der Coronapandemie haben sich viele Menschen zerstritten. Nun wird es Zeit, uns wieder zu versöhnen. Doch wie? PilatusToday hat mit einer Psychologin gesprochen.

Seit rund zwei Jahren begleitet uns das Coronavirus im Alltag und zerrt am «Miteinandersein» unserer Gesellschaft.

Grosseltern, die ihre Enkelkinder wöchentlich sehen, und Eltern, die nicht mehr damit einverstanden sind, weil ein Teil der Familie nicht geimpft ist. Laut der Psychologin Daniella Nosetti-Bürgi sei dies nur eines vieler Beispiele, die sie aktuell miterlebt.

Die Coronapandemie habe das Miteinander durch Meinungsverschiedenheiten kompliziert gemacht.

In unserer demokratischen Schweiz kenne man so ein Ausmass eigentlich nicht. Das Problem sei die «eine Meinung» zum Coronavirus, die der Bevölkerung seit Beginn der Pandemie eingetrichtert wurde. Wissenschaftler, die eine andere Ansicht vertraten, wurden ignoriert. Menschen, die nicht gleicher Meinung sind, wurden als «Verschwörungstheoretiker» betitelt.

Meinungsverschiedenheiten können eine Chance sein

Auch der Sozialwissenschaftler Marko Ković beschäftigt sich mit dem gesellschaftlichen Wandel. «Die Fronten verhärten sich, wir können teils nicht mehr produktiv miteinander streiten, manchmal nicht einmal mehr miteinander sprechen», wie er gegenüber «watson» sagt.

Doch genau an solchen Konflikten könne man wachsen, so die Zentralschweizer Psychologin Nosetti-Bürgi.

Es sei eine gute Chance, um Toleranz zu lernen. Denn andere Ansichten müsse man nicht verstehen oder gutheissen, aber respektieren. Das sei die Basis, damit ein Miteinander funktionieren kann.

Eine Haltungsänderung sei die Lösung

Bei Beziehungen, welche uns viel bedeuten, lohnen sich Annäherungsversuche. Das müsse nicht immer ein langes Gespräch sein, aber es brauche eine Haltungsänderung. Ob man gemeinsam einen Kaffee trinke oder zusammen einen Spaziergang mache, völlig egal. Im Zweifelsfall gar nicht erst über dieses Thema sprechen. Man soll sich auf die Sachen fokussieren, die einen verbinden. «Wir machen gerne Sport zusammen. Wir sind eine Familie. Wir arbeiten gerne zusammen», sind einige Beispiele, welche Daniella Nosetti-Bürgi erwähnte.

«Wir alle sind langsam müde»

Nach über zwei Jahren sehne sich die Gesellschaft danach, dass dieses omnipräsente Thema nun endlich in den Hintergrund tritt. «Wir wollen unsere Liebsten umarmen und das Beisammensein wieder geniessen können», sagt die Psychotherapeutin. Sie sei überzeigt, dass die Spaltung der Gesellschaft mit der Lockerung der Massnahmen wieder in den Hintergrund tritt.

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 5. Februar 2022 17:28
aktualisiert: 7. Februar 2022 15:05