Schweizerin in Yanqing

«Der Druck ist schon da» – Nadja Gut präpariert die Olympia-Pisten

Daniel Schmuki, 9. Februar 2022, 10:10 Uhr
Nadja Gut ist für die Präparierung der Olympia-Skipisten zuständig.
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Dank Beat Feuz, Wendy Holdener und Lara Gut-Behrami haben die Schweizer Alpinen bereits drei Olympia-Medaillen gewonnen. Einen kleinen Anteil an diesem Erfolg hat auch Nadja Gut. Sie präpariert im Olympischen Skigebiet in Yanqing die Pisten und ist mitverantwortlich dafür, dass die Skicracks eine perfekte Unterlage vorfinden.

Bereits seit November weilt Nadja Gut in China. In den vergangenen Wochen und Monaten hat sie als Pistenfahrzeug-Fahrerin geholfen, die Olympia-Skipisten aufzubauen. Weil es im Skigebiet Yanqing allerdings nur sehr selten bis gar nie schneit, musste viel Kunstschnee produziert werden.

Die 35-Jährige aus dem Zürcher Oberland weilt seit November in China.

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«Wegen der kalten Temperaturen und der trockenen Luftfeuchtigkeit war es nicht einfach, genug nassen Schnee herzustellen. Wir mussten aufpassen, dass es keine schlechten Schichten drin hat», erklärt die 35-Jährige die Herausforderung. Trotz der fehlenden Erfahrung mit dem Schnee hätten ihre chinesischen Kollegen tatkräftig mitgeholfen.

Die kalten Temperaturen sind für Mensch und Maschine gleichermassen eine Herausforderung.

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Dank Referenzen in China gelandet

«Wenn wir mit den Chinesen zusammenarbeiten, funktioniert das gut. Sie sind sehr freundlich und hilfsbereit.» Schwierig werde es erst, wenn etwas nicht funktioniert. Dann müsse man immer über den Vorgesetzten gehen. «Die Kompetenzen sind hier klar geregelt und werden nicht überschritten.»

Mit Schweizer Hilfe werden die Olympia-Skipisten renntauglich gemacht.

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Doch wie kommt man als Schweizerin überhaupt dazu, an Olympischen Winterspielen Pistenfahrzeug zu fahren? «Vermutlich haben mich ein paar Referenzen hierhergebracht. Und Corona hat wahrscheinlich auch geholfen.» Denn direkt nach der Ankunft musste Nadja Gut für 21 Tage in Quarantäne. Dies hätte wohl viele andere Pistenfahrzeug-Fahrer abgeschreckt, so ihre Vermutung.

Nadja Gut ist auch in steilstem Gelände unterwegs.

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Neues Land kennengelernt

Bis vor ihrem Olympia-Einsatz war China für die 35-Jährige ein komplett fremdes Land. Entsprechend passierte ihr bereits am Tag nach der Ankunft ein Malheur: «Ich wusste nicht, dass man hier das WC-Papier nicht in die Toilette wirft.» So musste schon am ersten Tag eine Chinesin in der Unterkunft vorbeikommen und das WC entstopfen.

Die Arbeit ist zwar anstrengend, aber sorgt auch für bezaubernde Momente.

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«Sie erklärte mir wild gestikulierend in lautem Chinesisch, dass das WC-Papier in den Eimer neben der Toilette gehört. Ich habe zwar nichts verstanden, aber wusste sofort, um was es geht», sagt Gut mit einem Schmunzeln. Geschichten wie diese hätte sie noch einige auf Lager. Doch die Zeit reicht nicht, sie alle zu erzählen. Denn wie für die Athletinnen und Athleten, ist Olympia auch für die Pistenfahrzeug-Fahrer etwas Spezielles. «Der Druck ist schon da, eine perfekte Piste hinzukriegen.»

Nach den Olympischen Spielen stehen die Paralympics auf dem Programm. Erst danach wird Nadja Gut in die Schweiz zurückkehren.

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Deshalb gilt nun die volle Konzentration wieder der Arbeit, was auch im Interesse der Schweiz ist. Denn in den noch anstehenden Skirennen haben die Swiss-Ski-Athleten gute Chancen, weitere Olympia-Medaillen zu gewinnen. Doch grosse Siegesfeiern wird es in Yanqing wohl nicht geben. «Bis jetzt habe ich keine Après-Ski-Bar oder Skihütte gesehen», sagt Gut. Und setzt sich wieder hinters Steuer ihres Pistenfahrzeugs.

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 8. Februar 2022 19:49
aktualisiert: 9. Februar 2022 10:10