FCL-Goalie Müller

«Der Fussballgott? Weiss nicht ob der uns helfen kann»

Philipp Breit, 19. November 2021, 05:48 Uhr
«Der Fussballgott? Weiss nicht ob der uns helfen kann», so FCL-Goalie Marius Müller
© KEYSTONE/Jean-Christophe Bott
«Ich bin wieder hier, in meinem Revier» sang Marius Müller-Westernhagen schon 1998. Dieselbe Zeile kann FCL-Goalie Marius Müller singen. Auch er ist wieder hier, in seinem Revier. Dem FCL-Tor.

Müller gab schon zu, dass seine Eltern den Vornamen «Marius» aufgrund des deutschen Sängers ausgesucht haben. Dessen Klassiker passt gut zur Lage des FCL-Goalies. Lange war er verletzungsbedingt abwesend, nun ist er wieder hier. In seinem Revier. «Sich am Morgen treffen, ins Hotel fahren für das gemeinsame Mittagessen. Die ganzen Abläufe vor einem Spieltag haben mir brutal gefehlt.» Vor eineinhalb Wochen im Heimspiel gegen Sion gab der Deutsche bei der 0:1-Niederlage sein Comeback. Die Mannschaft hat im gefehlt. Hat denn auch er der Mannschaft gefehlt? «Das musst du die Jungs fragen. Aber am Buffet haben mir schon einige gesagt, dass es schön sei, dass ich wieder dabei bin. Von daher glaube ich schon, dass sie froh sind, bin ich wieder dabei».

Spielerisch muss man ehrlicherweise sagen, hat Müller der Mannschaft weniger gefehlt. Das hat jedoch nichts mit Müller selbst zu tun, sondern viel mehr mit der Nummer 2. Vaso Vasic hat in Abwesenheit von Müller einen tadellosen Job gemacht. «Das hat mir auf jeden Fall auch geholfen mir in meiner Erholung genügend Zeit zu lassen. Ich habe gesehen, dass er einen super Job macht und sich die Jungs auf ihn verlassen können». Doch nun geht es für Vasic wohl wieder zurück auf die Ersatzbank. Denn Müller ist zurück! Er ist wieder hier, in seinem Revier.

Müller spricht von der Abstiegsgefahr

13 Spiele, 10 Punkte und Platz 9. Die Tabellen-Situation beim FCL ist nicht gut. Sportlich ist der Cupsieger angeschlagen. Die Moral sei trotzdem gut, meint Müller. «Wenn du auf dem Platz nicht die Resultate hast, die wir gerne hätten und dann auch noch in der Kabine schlechte Stimmung oder keine Moral haben, wer soll uns dann noch helfen. Der Fussballgott, weiss nicht, ob dieser uns helfen kann». Wobei der FCL göttliche Unterstützung sicherlich nicht ausschlagen würde.

Doch das Warten auf diese Hilfe kann sich der FCL sparen. Besser das Zepter in die eigenen Hände nehmen. Oder in die Füsse in diesem Fall. «In der Länderspielpause wurde im Training schon auch mal ein, zwei Takte schärfer gefahren. Aber das hat es unbedingt gebraucht. Jeder muss wissen, in welcher Lage wir stecken und dass wir da nur gemeinsam rauskommen». Müller weiss, wovon er spricht. «Ich habe das mal mit Kaiserslautern erlebt. Da hatten wir auch immer das Gefühl wir kriegen die Kurve noch. Doch dann waren es auf einmal vier Siege, die wir aufholen mussten, dann sechs und irgendwann war der Zug abgefahren.»

Müller nimmt wie Celestini die Mannschaft in die Pflicht

Müller spricht hier durch die Blume von einem möglichen Abstieg. Ein solcher ist jedoch noch in weiter Ferne. Noch sind genügend Spiele da, um sich in der Tabelle hochzuarbeiten. Aber eben, die Punkte müssen baldmöglichst folgen. Nicht, dass der FCL den Zug irgendwann doch noch davonfahren sieht. Nach dem Sion-Spiel und der Niederlage hat FCL-Trainer Fabio Celestini erstmals ziemlich direkt seine Spieler kritisiert. Er sprach davon, dass einige ihre Leistungen nicht abrufen und dies eine Frage der Qualität sei. «Fabio würde seine Jungs nie in die Pfanne hauen», so Marius Müller. «Aber er hat schon recht, wenn er die Mannschaft auch in die Verantwortung nimmt. Wenn das Trainerteam an Lösungen arbeitet, so müssen wir dies ebenfalls.»

An einer Lösung arbeiten wird Marius Müller in absehbarer Zeit auch bei seiner persönlichen Zukunft. Im nächsten Sommer läuft sein Vertrag aus. Was müsste denn erfüllt sein, damit er verlängert? «Das ist eine gute Frage», weicht Müller aus. «In Leipzig habe ich mal notgedrungen einen Vertrag verlängert. Aber sonst? Ich glaube ich habe noch kaum einen Vertrag in meiner Karriere verlängert.» Es wäre doch höchste Zeit diesen Umstand zu ändern. «Sag das dem Remo, ich lege mir den Vertrag nicht vor», meint er lachend und ergänzt: »Ehrlicherweise hat Remo auch schon mal angeklopft. Es ist nicht so wie man nach aussen teilweise vermutet, dass er nichts macht, nur weil man nichts hört, dem ist nicht so. Zuletzt war ich aber verletzt, da hätten Vertragsgespräche nicht reingepasst. Jetzt kämpfe ich mich zurück, werde meine Leistungen hoffentlich wieder abrufen können. Und dann werden wir auf jeden Fall irgendwann über ein Verlängerung reden können».

Eine Vertragsverlängerung ist Zukunftsmusik. Die aktuelle Musik spielt am Sonntag im Tessin. Gegen Lugano ist der FCL dringend auf Punkte angewiesen. Wie gut der Mannschaft die zwei Wochen Nati-Pause mental und körperlich getan haben, wird gegen die robusten Luganesi zu sehen sein, wenn um 16.30 Uhr das Spiel im Stadion Cornaredo angepfiffen wird. Wahrscheinlich wieder mit Marius Müller im Tor. Denn: Er ist wieder hier, in seinem Revier!

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 19. November 2021 05:48
aktualisiert: 19. November 2021 05:48