Fest mit Kultcharakter

Vorfreude auf Brünigschwinget steigt: «Man fühlt sich wie in einem Hexenkessel»

Daniel Schmuki, 29. Juli 2022, 16:25 Uhr
Das Schwingfest auf dem Brünig zieht die Schwingfans in Massen an. (Archivbild)
© KEYSTONE/Urs Flueeler
Der Brünigschwinget hat eine grosse Tradition. Erstmals wurde 1893 auf der Passhöhe geschwungen. 129 Jahre später zählt das Schwingfest zu den absoluten Bergklassikern und bringt Schwinger und Schwingfans Jahr für Jahr ins Schwärmen – trotz oder vielleicht auch gerade wegen der engen Platzverhältnisse.

«Das Schwingfest auf dem Brünig ist der Bergklassiker Nummer 1», ist Linus Fessler überzeugt. Auch wenn er selbst nie auf dem Brünig schwingen konnte, ist der Schwing-Experte von PilatusToday, Radio Pilatus und Tele 1 durch seine Besuche als Zuschauer dem Charme des Schwingfestes erlegen. «Jedes Schwingfest hat seinen Reiz, aber der Brünig ist noch etwas spezieller.»

Der Parkplatz ist jeweils prall gefüllt. Früh anreisen lohnt sich.

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Dies beginnt bereits bei der Anreise. Die Schwing-Arena befindet sich auf der Passhöhe des Brünig, direkt an der Strasse, an der Grenze der Kantone Obwalden und Bern. Weil die Parkplätze rar sind, bilden die Schwinger für die Anreise oft Fahrgemeinschaften. «Wenn du zu spät auf dem Brünig bist, musst du zum Teil ziemlich weit marschieren – und das mit der Sporttasche auf dem Rücken», sagt der ehemalige Schwinger René Suppiger.

Schnapsgeruch noch vor dem Anschwingen

Auf der Passhöhe angekommen, folgt bereits die nächste Eigenheit des Brünigschwinget. «Wenn du vom Parkplatz in die Schwing-Arena läufst, sticht dir sofort der Duft von Träsch in die Nase.» Das «Cheli» – ein Gemisch aus Kaffee und Schnaps – wird bereits frühmorgens serviert, wahlweise mit Träsch, Chrüter oder Zwetschgen.

Ein Brünigschwinget ohne Cheli? Kaum vorstellbar.

© Luzerner Zeitung/Robert Hess

«Der Duft lenkt beim Schwingen nicht ab, man nimmt ihn einfach wahr», sagt Suppiger und ergänzt, «es ist ja nicht so, dass man durch den Geruch betrunken wird». Nach einem erfolgreichen Schwingfest auf dem Brünig habe er sich aber auch schon ein «Cheli» gegönnt.

Eine Garderobe und kaum Duschen

Grund zum Feiern hatte der Surentaler Schwinger definitiv. Gleich zwei Mal konnte er sich einen der begehrten Brünig-Kränze sichern. Dennoch war der Brünigschwinget nie sein Lieblingsfest. «Die Platzverhältnisse sind sehr speziell. Man bewegt sich auf engstem Raum.» Vor dem Umbau der Arena im Jahr 2012 seien die Platzverhältnisse jedoch noch prekärer gewesen, erinnert sich Suppiger.

Die Platzverhältnisse auf dem Brünig sind sehr knapp.

© Brünigschwinget

«Damals standen für 120 Schwinger gefühlt nur vier bis sechs Duschen zur Verfügung. Das hatte zur Folge, dass du nur noch kalt duschen konntest, wenn du gut geschwungen hast.» Mit dem Umbau wurde die Infrastruktur jedoch verbessert. Nun hat es unter anderem zwei grosse Garderoben, auch stehen mehr Duschen zur Verfügung.

Mittendrin statt nur dabei

In der Schwing-Arena ist es aber nach wie vor eng. Und das dürfte auch künftig so bleiben, denn der Platz ist begrenzt: Auf der einen Seite führt die Passstrasse vorbei, auf der anderen befindet sich der Wald. «Du kannst fast nicht herumlaufen. Wenn die Zuschauerinnen und Zuschauer am Mittag essen wollen, sieht es jeweils aus wie ein Ameisenhaufen», sagt Linus Fessler mit einem Schmunzeln.

Auch die Festwirtschaft ist jeweils rappelvoll.

© KEYSTONE/Urs Flueeler

Der frühere Nidwaldner Schwinger sieht in den engen Platzverhältnissen aber auch einen Vorteil: «Du bist als Zuschauer mittendrin statt nur dabei. Wenn ein Schwinger zum siegbringenden Wurf ansetzt, kann es sein, dass sein Gegner gleich vor den Füssen eines Zuschauers landet.» Es sei vergleichbar wie mit einem Fussballstadion in England. Auch da sei man als Zuschauer direkt am Spielfeldrand.

Eindrückliche Stimmung und schöne Erinnerungen

Weil die Zuschauenden auf dem Brünig so nah am Sägemehlring sitzen wie an keinem anderen grossen Schwingfest, ist die Stimmung sehr eindrücklich. «Man fühlt sich wie in einem Hexenkessel», beschreibt es der kürzlich zurückgetretene Philipp Schuler. «Da alles auf sehr engem Raum ist, entsteht eine spezielle und familiäre Atmosphäre. Das mag ich. Ich habe immer gerne auf dem Brünig geschwungen.»

Die Atmosphäre auf dem Brünig ist einzigartig.

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So gerne, dass der mehrfache Brünig-Teilnehmer aus Rothenthurm auch heute noch ein spezielles Verhältnis zum Bergkranzfest hat. «Wenn ich mit dem Auto über den Brünig fahre, stoppe ich auf der Passhöhe jeweils kurz. Dann werfe ich einen Blick in die leere Arena und schwelge in Erinnerungen. Da werde ich manchmal auch etwas emotional. Denn es war sehr schön, auf dem Brünig zu schwingen.»

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 29. Juli 2022 16:32
aktualisiert: 29. Juli 2022 16:32