Schlechte Laune?

Der «Blue Monday» soll der traurigste Tag des Jahres sein

Melissa Steuri, 17. Januar 2022, 08:14 Uhr
Der blue Monday ist der deprimierendste Tag im Jahr
© Gettyimages
Einmal im Jahr sind wir besonders traurig. Der sogenannte «Blue Monday» soll dafür verantwortlich sein. Mithilfe einer Formel, die mit vorhandenen Schulden, dem Wetter und den guten Vorsätzen zu tun hat, soll man das Datum des «Blue Monday» berechnen können.

Du fühlst dich heute besonders müde, deprimiert und ausgelaugt? Du möchtest am liebsten wieder nach Hause? Ein richtig düsterer Wochenstart? Kein Grund zum Verzweifeln. Denn heute ist der deprimierendste Tag des Jahres, sagt jedenfalls ein Geisteswissenschaftler.

Was ist der «Blue Monday»?

Ins Leben gerufen hat der schwärzeste Tag der britische Psychologe Cliff Arnall 2005. Er stellte damals eine Formel zusammen, mit der man – angeblich – den traurigsten Tag des Jahres errechnen kann. Arnalls Rechnung zufolge fällt dieser Tag immer auf den dritten Montag im Januar, also auf heute. Der Brite fand zudem heraus, dass die meisten Menschen just am heutigen Tag einfach pechschwarz sehen.

So wird der «Blue Monday» berechnet

Der deprimierendste Tag des Jahres wird mithilfe dieser Formel berechnet:

[W+(D-d)] x Tq ÷ [M x Na]

Bei W geht es ums Wetter. D steht für Debt, also die gemachten Schulden, von denen es d, das Januargehalt, abzuziehen gilt. Weiter geht es mit T für die Zeit, die seit Weihnachten vergangen ist und Q für die guten Vorsätze, die wir schon wieder über Bord geworfen haben. Es folgen M für unser Motivationslevel und Na für das Bedürfnis, wieder aktiv zu sein.

Warum sind wir so traurig?

Es wird immer noch rasch dunkel, die Weihnachtseinkäufe haben das Portemonnaie arg strapaziert, die Vorsätze fürs neue Jahr sind schon wieder gebrochen. Das sind nur einige der Gründe, warum wir am «Blue Monday» laut Arnall schlecht gelaunt sind. «Seit Wochen ist vieles von dem, was sich positiv auf die Stimmung auswirkt, bei vielen Menschen in geringerem Ausmann vorhanden. Beispielsweise Sonnenlicht, lebendige Atmosphäre auf den Strassen mit sozialen Kontakten oder Freizeitaktivitäten in der Natur», erklärt auch Michael Rufer, Psychiater und Cherarzt der Klinik Zugersee.

Der Lichtmangel führt laut der CSS Versicherung zu einem veränderten Tag-Nacht-Rhythmus, was sich wiederum auf den Hormonhaushalt des Menschen auswirkt. Der Körper schüttet vermehrt das Schlafhormon Melatonin aus und gleichzeitig steht weniger «Glückshormon» Serotonin zur Verfügung. Eine Mischung, die uns aufs Gemüt schlägt.

«Blue Monday» – alles nur Humbug?

So seriös die Formel des «Blue Monday» auch erscheint. Wissenschaftlich belegt ist der Tag nicht. In der Tat waren Cliff Arnalls Forschungen seinerzeit vom Reiseunternehmen Sky Travel beauftragt worden. Vermutlich mit dem Ziel, mehr Ferienreisen in sonnige Länder verkaufen zu können.

Was es aber wirklich gibt, ist die sogenannte Winterdepression oder Winterblues. Sie zeigt sich bei den meisten Menschen durch Antriebs- und Energielosigkeit, das Bedürfnis nach Schlaf steigt stark, man ist gereizt und die Stimmungslage ist generell gedrückt.

Was hilft gegen den Winterblues?

Tageslicht ist das A und O im Kampf gegen den Winterblues. Denn egal wie trüb ein Wintertag auch ist, die Lichtstärke im Freien liegt um ein Vielfaches höher als in Innenräumen. Wer es schafft, täglich eine grosse Portion Tageslicht einzufangen, nimmt dem Winterblues die Lebensgrundlage. Der Psychiater Michael Rufer erklärt zudem, dass man sich von dieser Stimmung nicht zu sehr leiten lassen soll: «Trotzdem etwas unternehmen, soziale Kontakte pflegen, den Tag strukturieren. Zugleich einen Teil der Zeit auch bewusst für Dinge nutzen, die man in den Sommermonaten vielleicht seltener machen würde, wie gemütlich einen Tee trinken, ein gutes Buch lesen oder ein entspannendes Bad geniessen.»

Man dürfe der schlechten Stimmung aber auch mal freien Lauf lassen. Denn manchmal tue das gut, so Rufer weiter. «Die Frage ist hier eher, inwieweit das auch andere Personen betrifft, die man vielleicht verärgert und welchen zeitlichen Raum die Phase einnimmt. Allzu oft oder allzu lang ist meist eher ungünstig und sollte dann aktiv beendet werden.»

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 17. Januar 2022 08:08
aktualisiert: 17. Januar 2022 08:14