Hohe Arbeitsbelastung

«Das Problem ist akut» – Nidwalden hat zuwenig Polizisten

Sven Brun, 29. September 2023, 17:02 Uhr
Die Kantonspolizei Nidwalden ist auf mehr Personal angewiesen.
© KEYSTONE/URS FLUEELER
Die Kantonspolizei Nidwalden kämpft mit Fachkräftemangel. Die Fluktuationsrate fällt höher aus als bei anderen Polizeikorps. Die Sicherheitsdirektorin Karin Kayser-Frutschi zeigt sich alarmiert und spricht von einem Teufelskreis.

Im Frühjahr erklärte die Konferenz der Kantonalen Justiz- und Polizeidirektoren, dass in der Schweiz 7000 Polizistinnen und Polizisten fehlen. Gemessen an der Bevölkerungszahl weist die Kantonspolizei Nidwalden das kleinste Korps auf. Mitte-Kantonsparlamentarier Mario Röthlisberger hat deshalb im April einen Vorstoss eingereicht mit der zentralen Frage: Ist die Nidwaldner Polizei noch in der Lage, ihren Auftrag vollumfänglich zu erfüllen?

Nun hat der Regierungsrat geantwortet. Aufgrund der Abgänge und dem erweiterten gesetzlichen Auftrag hätten zahlreiche Korps Schwierigkeiten, die Herausforderungen zeitnah erledigen zu können: «Ein Fall bedeutet dadurch oftmals mehr Arbeitsstunden und die Polizei kann weniger Fälle bearbeiten», erklärt Sicherheitsdirektorin Karin Kayser-Frutschi auf Anfrage von PilatusToday und Tele 1.

Karin Kayser-Frutschi ist seit 2014 Regierungsrätin im Kanton Nidwalden.

© Keystone, PATRICK HUERLIMANN

Zulasten der Bürgerinnen und Bürger sei die Personalsituation bei verschiedenen Dienstleistungen der Polizei, die nun häufig deutlich länger dauern als gewohnt oder erwünscht, bereits spürbar. «Und das schadet schliesslich auch der Standortattraktivität von Nidwalden.»

Teufelskreis und gesundheitliche Beschwerden

Die Ressourcen würden häufig nicht reichen, um den gesetzlichen Auftrag zu erfüllen. Dies führe zu belastenden Situation für die Polizistinnen und Polizisten. Vor allem dann, wenn die Arbeitslast als schwer oder gar unmöglich erscheine. «Weil sich die Polizistinnen und Polizisten dazu verpflichtet fühlen, ihre Aufgabe dennoch gewissenhaft zu erfüllen, führt dies auf Dauer vermehrt zu gesundheitlichen Beschwerden», schreibt der Kanton in der Mitteilung.

Und so sei es verschiedentlich vorgekommen, dass Mitarbeitende vom Schichtdienst abgezogen wurden oder eine längere Berufsauszeit zur Erholung nehmen mussten. Wieder weniger Personal. «Wir befinden uns in einem Teufelskreis», sagt Sicherheitsdirektorin Karin Kayser-Frutschi.

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Jüngere Generation äussert häufiger Wechselwunsch

Die Fluktuationsrate sei etwas höher als in anderen Polizeikorps, die Gründe dafür vielfältig: «In Nidwalden gibt es viele junge Menschen in der Polizei, das macht sicherlich viel aus.» Kayser-Frutschi ergänzt: «Die jüngere Generation zeigt eine höhere Bereitschaft zum Arbeitsplatzwechsel, insbesondere wenn sie Aussichten auf eine bessere Karriere und Entlöhnung oder eine ausgewogenere Work-Life-Balance vorfinden.»

Die Arbeitsbelastung sei bei der Polizei generell als hoch bis sehr hoch einzustufen. Wie ein externer Bericht gezeigt hat, gäbe es in Nidwalden zusätzlich die Besonderheit, dass die organisierte Kriminalität entlang der Autobahn A2 ausgeprägter sei als in anderen Regionen. Dies zeige erneut den zusätzlichen Personalbedarf auf.

«Das Problem ist akut», sagt Kayser-Frutschi. Erste Massnahmen zur Verbesserung der Arbeitsplatzsituation wurden bereits eingeleitet. «Es ist uns aber bewusst, dass noch weitere Massnahmen erforderlich sind, um die Bedingungen fürs Personal nachhaltig zu verbessern und die Attraktivität des Polizeiberufs zu steigern», hält Karin Kayser-Frutschi fest. Thematisiert werden unter anderem berufliche Entwicklungsmöglichkeiten, Investitionen in eine zeitgemässe Ausrüstung oder der Lohn. Voraussichtlich im Frühjahr 2024 werde der Regierungsrat über entsprechende Massnahmen entscheiden.

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 29. September 2023 17:05
aktualisiert: 29. September 2023 17:05