Tatort Schwyz

Dreister Dieb plündert Kässeli am Mythen

Sven Brun, 12. Oktober 2023, 17:22 Uhr

Quelle: PilatusToday/Andreas Wolf/Juan Riande

An einem verregneten Freitag im September wird der Mythen zum Schauplatz eines Diebstahls. Ein Mann brach das Christophorus-Kässeli auf und entwendete Bargeld. Dank des Mythenwirts und einem Feldstecher konnte der Langfinger allerdings rasch gefasst werden.

Im vergangenen Juli wurde auf dem Weg zum Gipfel des Grossen Mythen bereits die Marienstatue gestohlen. Über 30 Jahre lang stand die rund 30 Zentimeter grosse Statue an Ort und Stelle. Ersetzt wurde die Statue mit einer Christophorus-Figur.

Die gestohlene Marienstatue stand über 30 Jahre in dieser Felsnische.
© Bote der Urschweiz

Nun, so scheint es, hat auch die neue Statue kein Glück gebracht. Wie der «Bote der Urschweiz» zuerst berichtete, wurde nämlich das Kässeli, mit welchem die Unterhaltstruppe des Mythenweges unterstützt wird, aufgebrochen. Rund 173 Franken waren vom Vortag im Kässeli.

Am Morgen war noch alles in Ordnung

Aufgrund des durchzogenen Wetters seien an diesem Tag nur wenige Menschen auf dem Weg zum Gipfel unterwegs gewesen. Laut Werner Ruhstaller, dem Hüttenwart auf dem Grossen Mythen, war beim Kässeli am Morgen noch alles in Ordnung. «Ich bin dann am Nachmittag von Einsiedeln zurückgekommen und habe das Kässeli aufgebrochen vorgefunden. Da habe ich mich sehr geärgert, dass ich es nicht bereits vorher geleert habe», sagt er im Interview mit PilatusToday und Tele 1.

Eine Wandergruppe bestätigte ihm, dass bei Kurve 14 eine Einzelperson allein zur Holzegg gelaufen sei. Er sichtete dann eine Person mit weissem T-Shirt und Trainerhosen, die in Richtung Brunni unterwegs war.

Feldstecher sei Dank

Hüttenwart Ruhstaller: «Ich habe dann den Feldstecher genommen und die Person bis ins Brunni beobachtet, wie sie ins Postauto in Richtung Einsiedeln einstieg und natürlich die Polizei in Einsiedeln informiert.» Er sagte der Polizei, dass mit dem Postauto ein Mensch mit weissem T-Shirt unterwegs sei und erklärte die Lage. «Und wenn diese Person 100 Franken Münz oder mehr hat, ist sie es. Wenn nicht, dann wohl nicht und die Polizei kann sie gehen lassen.»

Das Kässeli bei der Christophorus-Statue am Grossen Mythen wurde aufgebrochen.

© Bote der Urschweiz, Erhard Gick

Danach ging es fünf Minuten und Ruhstaller erhielt von der Polizei einen Rückruf. «Die Polizei sagte mir, sie hätte bei der Person Bargeld in Höhe von 173 Franken gefunden.» Schliesslich wurde ein Mann aus Hamburg, ein ukrainischer Asylbewerber, verhaftet. Neben dem vielen Münz hatte der Dieb auch ein abgebrochenes Stück Eisen vom Kässeli bei sich. Ein klarer Tatbeweis. «Es hat sich für ihn kaum gelohnt. Die Kasse am Fusse des roten Kopfes wird von mir täglich geleert», meint der Hüttenwart auf die 173 erbeuteten Franken angesprochen.

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Und es ging weiter mit der Dreistigkeit

Werner Ruhstaller konnte es kaum fassen, dass die Polizei den Dieb rasch dingfest gemacht hat. «Das war wie eine Nadel im Heuhaufen. Purer Zufall. So viel Glück kann man doch im Leben gar nicht haben. Da bin ich schon ein wenig stolz gewesen.» Der Vorfall hat ihm dennoch zu Denken gegeben. «Ich hoffe einfach, es war einmalig.» Im nächsten Frühling wird daher eine stärkere, massivere Kasse angebracht.

Die Mythenfreunde haben sich beim Vorfall mit dem Dieb grosszügig gezeigt. Auf eine Anzeige wurde verzichtet, es wurden lediglich 300 Euro Unkostenbeitrag für den Ersatz von Kässeli und Schloss gefordert. Der Dieb zeigte danach jedoch nochmals seine Dreistigkeit. Er schickte nämlich nur 130 Euro und erklärte, dass die Mythenfreunde 170 Euro ja bereits erhalten hätten. Die 170 Franken Spenden aus dem Kässeli notabene.

(red.)

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 12. Oktober 2023 15:29
aktualisiert: 12. Oktober 2023 17:22