«FCL Basis»

Einmalig in der Schweiz: FCL-Fans sind im Verwaltungsrat

Janis Schaller, Janine Schaub, 17. November 2023, 09:28 Uhr

Quelle: PilatusToday / Janine Schaub

«Do esch öbbis i de Loft», so der Slogan vor der GV. Und tatsächlich: Stefan Wolf liess die Katze aus dem Sack und präsentierte den neuen Verwaltungsrat aus dem neugegründeten Fan-Verein «FCL-Basis». Ein Dämpfer sind die FCL-Finanzen, die nicht gerade rosig aussehen.

Die diesjährige Generalversammlung der FCL-Innerschweiz AG wurde mit Spannung erwartet. Anders als in den vergangenen Jahren durften alle an der GV teilnehmen – egal ob mit oder ohne Aktien. Entsprechend war die Vorfreude bei den Gästen.

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Fanorganisation kauft Aktien und sichert sich einen Sitz im Verwaltungsrat

Kurz vor 20 Uhr betritt ein Fan die Bühne in der Allmend – Daniel Britschgi. Nach und nach gibt er den Grund für sein Erscheinen preis. Die Überraschung, die mit Spannung erwartet wurde, ist ihm gelungen. Britschgi und weitere Aktionäre gründeten den Verein «FCL-Basis». Dieser wiederum kauft sich für eine Million Franken 10 Prozent der FCL-Innerschweiz AG. Das heisst auch, sie haben Anrecht auf einen Verwaltungsratssitz. Ebendiesen wird Britschgi gleich selbst besetzen. Er wurde von den Aktionären deutlich gewählt. Diese eine Million Franken haben gemäss der FCL-Basis 16 FCL-Fans als zinsloses Darlehen zur Verfügung gestellt.

«FCL-Basis» kann mitreden

Aber das ist noch nicht alles. Auch andere Fans können Mitglied der «FCL-Basis» werden. Das bedeutet: Die Fans können beim FCL mitreden.

Der Verein «FCL-Basis» hat nämlich einen Aktionärsbindungsvertrag mit der FCL Holding AG, also dem Mutterkonzern. Dieser gewährt der FCL-Basis diverse Rechte wie beispielsweise ein Vetorecht. Das heisst aber nicht, dass die Fans etwa bei der Mannschaftsaufstellung mitbestimmen können. Ein Einspracherecht erhalten sie beispielsweise bei den Klubfarben, den Spielstätten oder auch beim Logo.

Da ist er, der Vorstand der neu gegründeten FCL-Basis. Daniel Britschgi wird für den Verein Einsitz im Verwaltungsrat nehmen.

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Zusätzlich wird ihnen ein Vorkaufsrecht für die FCL-Aktien gewährt. Das heisst, eine Übernahme von ausländischen Investoren, wie es zum Beispiel bei GC passiert ist, wird zukünftig beim FC Luzern ein schwieriges Unterfangen. Der Fussballclub Luzern will die ganze Innerschweiz vereinen. Mit diesem neuen Vorhaben kann jede und jeder einen Beitrag zum FCL leisten.

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FCL mit Defizit

Die FCL Holding AG muss mit einem Verlust von rund 3,1 Millionen Franken das Geschäftsjahr abschliessen. Dies ergibt sich durch gestiegene Kosten auf der einen Seite sowie ausbleibende Erträge auf der anderen. Finanzchef Richard Furrer erklärt, dass die Damenabteilung in die FCL-Innerschweiz AG integriert wurde. Dies allein reicht aber nicht, um die gestiegenen Kosten zu erklären. Der FCL hat rund eine halbe Million mehr in den Nachwuchs investiert als im Vorjahr. Zudem wurde eine Personalabteilung geschaffen und grosszügig in die IT-Infrastruktur investiert.

Die ausbleibenden Erträge seien auf die Transfereinnahmen zurückzuführen. Richard Furrer betont: «Hätte man Ardon Jashari im Sommer ziehen lassen, würde der FCL jetzt mit Rekordzahlen dastehen.» Doch so weit kam es bekanntlich nicht. Jashari musste bleiben und der Transferertrag des FCL blieb auch sonst tief. Nebst Furrer betont auch Josef Bieri das grosse Potenzial der Luzerner Nachwuchsspieler. Diese würden dem FCL grosse Transfererträge bescheren. Aber erst mal müsse der Transfer für alle Beteiligten zu 100 Prozent stimmen.

Aktionäre müssen Geld einschiessen

Was bleibt, sind die Verluste. Die Finanzen sind sanierungsbedürftig. Also haben die Aktionäre der FCL Holding AG beschlossen, 1,6 Millionen Franken einzuschiessen. Das Ganze wird ohne Bernhard Alpstaeg getragen, obwohl dieser eine finanzielle Rettung angeboten hat. Zusammen mit den Rangrücktritten eines LUKB-Darlehens und der Baspo-Covid-Kredite ergibt das ein positives Eigenkapital von 1,1 Millionen Franken für den FCL. Viel ist das nicht, aber der Verwaltungsrat schaut dennoch zuversichtlich in die Zukunft.

Emotionen in der Messe Luzern

Standing Ovation, Zwischenrufe und minutenlanger Applaus prägten die diesjährige GV. Die Verwaltungsräte gaben sich während und nach der Versammlung sichtlich gerührt von der Unterstützung, die sie von den rund 1500 anwesenden Fans und Aktionäre erfahren hatten. Auf der Bühne musste Josef Bieri gestehen: «Es ist für einen 66-jährigen Mann nicht ganz einfach, solche Emotionen zu verarbeiten.» Auch Daniel Britschgi schwärmte von der Stimmung, die im Saal herrschte. Alles in allem, ein gelungener Abend und viel Freude bei den FCL-Fans.

Standing Ovation bei den rund 1500 anwesenden Personen. Dem Verwaltungsrat wurde viel Unterstützung gezeigt.

© PilatusToday

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Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 17. November 2023 06:28
aktualisiert: 17. November 2023 09:28