Erste lesbische Ehe

«Endlich haben wir Zugang zur Samenspende» – Bettina & Yvonne heiraten in Luzern

Martina Birrer, 1. Juli 2022, 18:03 Uhr

Quelle: PilatusToday / Martina Birrer

Es ist ein Freudentag für alle gleichgeschlechtlichen Paare. Endlich können sie heiraten und haben dieselben Rechte wie heterosexuelle Paare. Bettina und Yvonne Fischer aus Ebikon warteten schon lange auf den Moment, heute gaben sie sich als erstes gleichgeschlechtliches Paar in Luzern das «Ja-Wort».

Leise und zaghaft sagen Bettina und Yvonne Fischer heute Morgen um 09.00 Uhr «Ja» zueinander. Die beiden schauen sich tief in die Augen, lesen ihre Ehegelübde vor und stecken sich die Ringe an den Finger. Ein scheuer Kuss besiegelte die Ehe.

Als sie Hand in Hand aus dem Rathaus treten, strahlen beide von Herzen, Bettina: «Überall steht nun, dass sie meine Frau ist!». Die beiden waren das erste und für heute auch das einzige gleichgeschlechtliche Paar im Rathaus Luzern.

Dass die beiden Heiraten werden, war schon früh klar

Vor 5,5 Jahren hatte Bettina und Yvonne ihr erstes Date. Kennengelernt haben sich die beiden über die soziale Plattform «Purplemoon», eine Plattform wie Facebook, aber ausschliesslich für die Gay-Community. Schnell hat es gefunkt und schon nach zwei Monaten war klar: Die beiden wollen einmal heiraten.

So einfach war dies jedoch nicht, die Ehe war für gleichgeschlechtliche Paare nicht möglich. Es blieb ihnen nichts anderes möglich als eine eingetragene Partnerschaft. Vor 2,5 Jahren sollte es eine grosse Feier geben, doch wegen Corona waren es nur die zwei Verliebten. Bei einer eingetragenen Partnerschaft braucht es nämlich keine Trauzeugen.

Noch keine Familie

Die beiden waren damals schon überglücklich, für beide fühlte es sich wie eine Ehe an, – bis sie die Dokumente sahen. «Wir waren etwas traurig, denn es war nur ein Partnerschaftsausweis. Umso glücklicher sind wir, dass wir nun endlich ein Familienbuch haben», sagt Bettina Fischer.

«Wir sind überglücklich und irgendwie auch gerade sehr sprachlos», sagt die sonst redegewandte Yvonne Fischer. Vor der Trauung spürte man ihre Vorfreude, die Worte sprudeln aus ihr heraus. Nach der Trauung war sie emotional berührt und die ersten paar Minuten eher ruhig. «Bettina war schon immer meine Frau, aber endlich ist es offiziell und rechtlich anerkannt», so Yvonne Fischer.

Der rechtliche Aspekt war für beide sehr wichtig, deshalb wollten sie so schnell wie möglich die Umwandlung. «Dass es aber gerade der 1. Juli ist, war Zufall», so Bettina. Sie würden diesen Sommer noch in die Ferien fliegen, dementsprechend kam nur Daten anfangs Juli und anfangs August in Frage. «Als dann gerade heute ein Termin frei war, packten wir die Chance.»

Eigene Kinder haben ist ein grosser Wunsch

Das Gefühl der Ehe hatten beide bereits bei der eingetragenen Partnerschaft. Was fehlte, war die rechtliche Würdigung. «Es ist uns wichtig, dass wir die gleichen Rechte und auch die gleichen Pflichten wie alle anderen haben», so Bettina. Dies auch in Bezug auf den Kinderwunsch. Bettina erzählt:

Schon zu Beginn ihrer Liebe war klar, dass sie Kinder haben möchten. Aktuell würde es aber noch nicht infrage kommen, sagt Yvonne: «Wir haben beide gerade den Job gewechselt. In den nächsten paar Jahren werden wir uns nun informieren, welche Möglichkeiten für uns infrage kommen. Wir lassen uns noch etwas Zeit.»

Den Tag zusammen mit den Trauzeugen geniessen

Zeit lassen sich die beiden auch heute an ihrem grossen Tag. Wegen Corona mussten sie die grosse Feier verschieben und holten alles gleich drei Mal nach. Deshalb nehmen sie es heute umso gemütlicher. «Wir geniessen den Tag mit unseren Trauzeugen und fahren mit dem TukTuk zur Villa Schweizerhof. Dort hatten wir auch unser erstes grosses Fest vor einem Jahr», so die beiden.

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 1. Juli 2022 17:27
aktualisiert: 1. Juli 2022 18:03