«Nicht ganz hundert!»

Luzerner Mike Schifferle über seinen Weg zu 99 Ironmans

Fabian Kreienbühl, 6. September 2020, 09:40 Uhr
93 offizielle Ironmans hat der Luzerner Mike Schifferle schon hinter sich.
© Fabian Kreienbühl
3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Velofahren und abschliessend einen Marathonlauf über 42 Kilometer. Wie verrückt muss man sein, um nur schon einen Ironman zu bestreiten? Der Luzerner Mike Schifferle hat bis heute schon 93 solche Rennen absolviert – und peilt nun noch weitere an.

Für seine Leidenschaft verzichtet der 47-Jährige auf vieles. «Etwa ins Kino oder gross in den Ausgang gehen, liegt nicht drin», so Schifferle. Je nach Jahreszeit und Wettkampfplanung trainierte er zeitweise pro Woche zwischen zehn und 25 Stunden, nebst einem 100-Prozent-Pensum bei der Polizei. Kommt hinzu, dass er auch mit seiner Freundin noch Zeit verbringen will. Viel Aufwand, hoher Verzicht und dann noch die Quälerei in Training und Wettkampf. Auch wenn sein Körper diese Belastung aushält, klingt es verrückt. Warum Mike Schifferle das macht und was ihm während eines Ironmans durch den Kopf geht, erfährst du im nachfolgenden Video.

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Quelle: PilatusToday

Angefangen hat alles 2001

Aufgewachsen im Luzerner Seetal, entdeckte Mike Schifferle schon früh seine Leidenschaft für den Sport und nahm an Strassenläufen, Langlaufrennen, wie auch an Fussball- und Handballmeisterschaften teil. Die Faszination für den Ironman-Triathlon hat Schifferle erstmals im Jahr 2001 gepackt, nach einem Vortrag in einem Militärsportkurs. Schon ein Jahr später folgte das erste Rennen in Zürich, das er in 10 Stunden 38 Minuten erfolgreich beendete. Das Gefühl, ein Ironman-Finisher zu sein, hat Schifferle seitdem nicht mehr losgelassen. Bis heute absolvierte er 93 Langdistanz-Rennen unter dem offiziellen Ironman-Label, davon neun Mal die Weltmeisterschaften auf Hawaii.

Bei allen 93 Rennen bewies Mike Schifferle grosses Durchhaltevermögen. Hier gibt es 93 Impressionen von diesen Rennen im Schnelldurchlauf.

«Meine Medaillen liegen bei meinen Eltern»

Mike Schifferle ist aber nicht nur als Vielstarter in der Szene bekannt, sondern auch aufgrund seiner Leistungen. So absolvierte er seinen schnellsten Ironman in 8 Stunden 27 Minuten und erreichte bisher insgesamt 30 Top-Ten Klassierungen. 2009 wurde er Vize-Weltmeister bei der Amateurkategorie, ehe er dann bis 2018 bei den Profis mitmischte. Weiterhin als voll berufstätiger Polizist, notabene. Mit seinen Leistungen angeben, will er damit aber keineswegs: «All meine Medaillen liegen bei meinen Eltern zuhause, verstaubt in einer Schachtel. Eigentlich will ich sie entsorgen», sagt Schifferle und lacht. Einzig die Erinnerungsmedaille von der letztjährigen Weltmeisterschaft auf Hawaii bewahrt er zurzeit zuhause auf.

Erinnerungsmedaille Ironman-WM Hawaii 2019
© Fabian Kreienbühl

93 Rennen an 39 Orten

Hawaii – das sei Faszination pur, sagt Schifferle: «Es sind die besten Athleten am Start und dieser Mythos, das ganze Drumherum, das kann man fast nicht beschreiben.» Die Weltmeisterschaft auf Hawaii ist dann jeweils auch sein grosses Highlight. Schlussendlich sei aber jeder Ironman auf seine Art speziell. Auch deshalb, weil es Mike Schifferle gefällt, Wettkämpfe und Ferien gleich zu kombinieren und daher auch immer wieder neue Regionen bereist. So absolvierte er seine 93 Ironmans schon an 39 Orten auf der ganzen Welt.

Durch einen Klick auf die Punkte wird der Ort sowie die Anzahl der dort absolvierten Rennen eingeblendet.

Wie weiter nach den 99 absolvierten Ironmans?

Sechs Rennen fehlen Schifferle noch bis zu seinem Ziel, zur 99er-Marke. Lanzarote, Wisconsin, Thun sowie die Weltmeisterschaft auf Hawaii wären in diesem Jahr auf seinem Programm gestanden. Aufgrund des Coronavirus geht nun Schifferle erst im nächsten Jahr wieder an den Start. Und was macht Mike Schifferle, wenn er die 99 offiziellen Ironman-Rennen absolviert hat? Vermutlich keinen mehr, wie er sagt, denn: «Nicht ganz hundert passt möglicherweise schon per se ganz gut zu unserem Sport. Zudem habe ich mir dieses Ziel auch ganz bewusst ausgedacht. Unter anderem deshalb, weil im Leben ohnehin nichts 100 Prozent perfekt ist und es daher auch passen würde, das Kapitel Ironman dann abzuschliessen.»

(fab)

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 6. September 2020 09:41
aktualisiert: 6. September 2020 09:40