Zentralschweiz
Luzern

«Sie fassen einem an den Arsch» – das erleben Frauen an der Fasnacht

Sexuelle Belästigung

«Sie fassen einem an den Arsch» – das erleben Frauen an der Fasnacht

Rahel Wirz, 21. Februar 2023, 18:26 Uhr

Quelle: PilatusToday

An der Fasnacht kommt es immer wieder zu sexueller Belästigung. Viele Frauen berichten, dass ihnen in der Menge unter dem Deckmantel der Anonymität an den Hintern gefasst wird oder sie blöd angemacht werden. Die Täter seien oft ältere Männer.

«Meistens checke ich es gar nicht richtig und wenn ich es checke, bin ich komplett überrumpelt und weiss nicht, wie ich reagieren soll», erzählt Anna aus Weggis. Kein Einzelfall: Im Rausch der fasnächtlichen Partystimmung kommt es immer wieder vor, dass Hände auf fremden Körpern landen und anzügliche Sprüche in Ohren geflüstert werden, die sie nicht hören wollen.

«Sie fassen einem halt an den Arsch oder kommen mega nah an einen ran und erzählen blödes Zeug», gibt Rea aus Luzern ihre Erfahrungen wieder. Oft seien es eher ältere Männer, sagen mehrere junge Frauen gegenüber PilatusToday und Tele 1. «Ich finde das ‹gruusig› und laufe meistens weg», kommentiert Carina aus Luzern.

«Ich habe gehört, dass es oft vorkommt»

Die Thematik ist auch bei jenen in den Köpfen, die selber keine solche Erfahrungen machen mussten. «Ich habe gehört, dass es oft vorkommt», erzählt Arina aus Luzern. Und Lionel aus Eschenbach sagt: «Ich habe bisher nichts so erlebt. Klar, manchmal ist es sehr eng, aber sexuelle Belästigung – als Mann – nein.»

Laut der Luzerner Polizei sind nur in einzelnen Fällen Leute auf die Patrouillen in der Stadt zugegangen. «Bisher war sexuelle Belästigung an der Fasnacht kein grosses Thema», erzählt Mediensprecher Urs Wigger. Aktuelle Zahlen zu erheben ist bei dieser Thematik aber schwierig und die Dunkelziffer dürfte hoch sein. Strafanzeigen können bei Antragsdelikten nämlich bis zu drei Monate nach der Tat gestellt werden. Wigger empfiehlt, Strafanzeigen zu stellen, auch wenn man den Täter oder die Täterin nicht kennt.

«Ich laufe weg»

Wichtig ist: Wenn man in eine solche Situation gerät, darf und soll man sich wehren. Das Merkblatt der Luzerner Polizei «Sicher im Ausgang» rät, deutlich zu machen, dass man das Verhalten des Gegenübers nicht duldet und Abstand zwischen sich und die Tatperson zu bringen.

«Ich laufe weg oder ich sage: Hör auf!», antwortet denn auch Rea auf die Frage, wie sie sich verhält, wenn sie sexuelle Belästigung erfährt. Damit ist sie nicht die Einzige. Weglaufen nennen alle Befragten als Ausweg aus der Situation.

Eine Fasnächtlerin, die anonym bleiben möchte, gibt ausserdem an, dass sie im Notfall auf ihre männlichen Freunde zählen könne. «Die retten mich», sagt sie. Auch auf das Outfit käme es an. «Ich habe mal einen Rock mit Strumpfhosen an der Fasnacht getragen. Das war schon ein bisschen kritisch. Solange es nicht zu eng ist, ist es okay», meint sie.

Mehr Schutz an der Fasnacht

Kurz vor dem Fasnachtsstart forderte denn auch die Juso Luzern mehr Schutz. In einem offenen Brief an die Stadtregierung hiess es: «Sexuelle Belästigung wird im Rahmen der Fasnacht noch immer normalisiert und toleriert.» Die Juso fordert mehr Schutz und dass anstelle von poteziellen Opfern auch potenzielle Täter angesprochen werden. Aktuell gibt es von der Stadt kein Konzept zur Thematik.

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 21. Februar 2023 18:20
aktualisiert: 21. Februar 2023 18:26