Hallenbad Allmend

Wieso müssen Eltern für Kinder-Schwimmkurse auch Eintritt zahlen?

Sven Brun, 28. November 2023, 16:47 Uhr
Das Hallenbad Allmend in Luzern erhielt die «Saure Zitrone».
Im Hallenbad Luzern müssen Eltern ihre Kinder bis zum Beckenrand begleiten und zahlen dafür den vollen Eintritt. Dafür erhielt das Hallenbad vom Kinderparlament die «Saure Zitrone». Die Verantwortlichen nehmen den Preis sportlich und begründen.

«Wir nehmen natürlich lieber angenehmere Preise entgegen», sagt der stellvertretende Geschäftsführer Dominik Berchtold. So ganz fair sei die «Saure Zitrone» für das Hallenbad Allmend nicht. Entsprechend überrascht waren die Verantwortlichen. Es gäbe verschiedene Gründe für eine solche Handhabung.

Vor allem der Sicherheitsaspekt der Kinder sei wichtig. «Wir dürfen pro Woche über 420 Kinder in unseren Kursen begrüssen», erklärt Berchtold und fügt an: «Es ist wichtig, dass die Kinder von den Erziehungsberechtigten bis an den Beckenrand begleitet werden. Auch in der Garderobe lauern Gefahren.» In Zusammenarbeit mit dem Schwimmclub Luzern übernehme man erst ab Beckenrand die Verantwortung für die Kinder.

Andere Regeln in anderen Hallenbädern

Recherchen von PilatusToday und Tele 1 haben ergeben, dass eine solche Regelung in der Zentralschweiz eher Ausnahme als Regel ist. Von den befragten Hallenbädern müssen die Eltern einzig in Altdorf ebenfalls einen Eintritt bezahlen. Bei den Hallenbäder Campus Sursee, Kerns, Mooshüsli Emmen oder Lättich Baar dürfen die Erziehungsberechtigten ihre Jungspunde bis mindestens in die Garderobe kostenlos begleiten.

Im Campus Sursee erhalten die Eltern beispielsweise ein grünes Bändeli, mit dem sie sich bis und mit Garderobe kostenlos bewegen dürfen. Das Mooshüsli in Emmen erklärt weiter, dass nicht viele Erziehungsberechtigte bis an den Beckenrand mitgehen möchten. Diese müssten dann ebenfalls den Eintritt bezahlen.

50 bis 100 Meter weg bis zum Beckenrand

Dass es im Hallenbad Luzern keine solche kostenlose Möglichkeit gibt, bis zur Garderobe mitzugehen, sei vor allem die Folge von baulichen Umständen: «Die Garderoben liegen bei uns eine Etage tiefer. Diesen längeren Weg bis zum Beckenrand würde ich jetzt beispielsweise meinem viereinhalb-jährigen Kind nicht zutrauen», sagt Berchtold.

Über 420 Kinder besuchen wöchentlich die Schwimmkurse im Hallenbad Allmend in Luzern.

© Hallenbad AG

Diese rund 50 bis 100 Meter weite Begleitung der Kindergruppe möchte man auch nicht der Kursleitung zumuten. Es könnten verschiedene schwierige Situationen entstehen. «Beispielsweise wenn ein Kind zu spät kommt und die Kursleitung warten muss. Dann können wir die Qualität des Kurses nicht gewährleisten.»

Hallenbad offen für Diskussion mit Kinderparlament

Das finanzielle Argument, dass die Eltern so zusätzlich zur Kasse gebeten werden, kann der stellvertretende Geschäftsführer nachvollziehen. «Gleichwohl ist es den Eltern selbst überlassen, wie sie die Zeit nutzen möchten. Wir bieten Schwimmmöglichkeiten oder ein Erlebnisbecken, wo sich die Eltern entspannen können.» Auch gäbe es kreative Möglichkeiten, den Eintritt für alle Eltern zu umgehen. «Wenn beispielsweise ein Elternteil gleich mehrere Kinder zum Beckenrand begleitet.»

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Führt die «Saure Zitrone» nun dennoch zu einer Veränderung beim Hallenbad Allmend? «Dienstleistungen sollte man immer wieder überdenken und schauen, ob diese noch zeitgemäss sind.» Von einer raschen Anpassung kann man somit wohl eher nicht ausgehen. Berchtold zeigt sich dennoch offen für einen Diskurs mit dem Kinderparlament: «Es ist sicher auch für sie spannend, unsere Sichtweise genau zu verstehen.»

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 27. November 2023 17:19
aktualisiert: 28. November 2023 16:47