Berufsweltmeisterschaften

«Es geht nicht darum, wer die schnellste Blutabnahme macht»

Noah Zimmermann, 14. April 2022, 17:00 Uhr
Fachmann Gesundheit Kilian Schmid freut sich auf die WorldSkills im Herbst.
© zvg / Charly Hug
Nach dem guten Ergebnis an den Schweizer Berufsmeisterschaften darf Kilian Schmid die Schweiz in Shanghai vertreten. Der Fachmann Gesundheit will dort sein berufliches Können unter Beweis stellen. Im Gespräch verrät er, warum es zu wenig Männer in der Pflege hat.

Die SwissSkills sind die Schweizer Berufsmeisterschaften. Wer dort gewinnt, darf die Schweiz an den internationalen Meisterschaften WorldSkills vertreten. Kilian Schmid hat das Glück, für die diesjährige Gewinnerin nachzurutschen. Er reist im Herbst nach Shanghai und will eine Medaille für seinen Beruf Fachmann Gesundheit holen.

Die Vorfreude sei gross, erzählt Kilian Schmid im Gespräch. In seinem Umfeld müsse er immer wieder erklären, was die WorldSkills genau sind. Er werde auch gefragt, was beim Fachmann Gesundheit überhaupt bewertet werde: «Es geht nicht darum, wer die schnellste Blutabnahme macht. Vieles ist Kommunikation, also wie man mit dem Patienten umgeht.»

Intensive Vorbereitung mit viel Druck

Obwohl die WorldSkills erst im Herbst stattfinden, nehmen sie bei Kilian Schmid bereits viel Platz ein: «Ich musste meine Hobbys zurückstellen. Jeden Monat habe ich ein Training und ein Mental Coaching. Dazu kommen die SwissSkills-Anlässe. Es steckt mehr dahinter, als ich dachte.»

Schmid wird von der Schweizer Delegation auf den Wettkampf vorbereitet: «Ich will streng bewertet werden, meine Trainerin soll jeden Fehler sehen. Das ist im ersten Moment frustrierend, aber so komme ich weiter». Kleinigkeiten wie die Wortwahl können über den Sieg entscheiden: «Ich achte mich darauf, ob ich ein Fachwort benutze oder es dem Patienten simpel erkläre.»

Der Druck sei gross, vor allem auch seine eigenen Erwartungen: «An den SwissSkills war ich unzufrieden. Ich rechnete damit, dass ich rausfliege. Aber das Gegenteil ist passiert.»

Mehr Männer für Pflegeberufe motivieren

Kilian Schmid repräsentiert seinen Beruf gerne: «Ich will, dass mehr Männer in der Pflege arbeiten. Jeder Tag ist unterschiedlich. Der Zustand der Patienten kann sich jederzeit ändern.» Die typischen Rollenbilder seien in der Gesellschaft noch zu fest verankert: «Es ist mehr dahinter, als ‹Füdli putzen› und Blut abnehmen.»

Auch sein Arbeitgeber unterstütze ihn, wo es geht: «Ich sehe intern in andere Abteilungen. Das ganze Haus ist offen, mit mir diesen Weg zu gehen.» So könne er sich ideal auf die Herausforderungen in Shanghai vorbereiten.

(zno)

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 16. April 2022 20:30
aktualisiert: 16. April 2022 20:30