Niedergebrannte Scheune

«Warum trifft es die guten Leute?» – Nachbarin sammelt Geld

Martina Birrer, 30. Juli 2022, 08:05 Uhr
Am 19. Juli wurde in Siebnen eine Existenz zerstört: Die Scheune von Paul Diethelm brannte nieder. Die Nachbarin und gute Freundin Romy Kessler erlebte alles hautnah mit und ist schockiert. Sie startete eine Spendenaktion und hat bereits mehrere Tausend Franken beisammen.

«Es ging mir durch Mark und Bein und ich musste weinen.» Romy Kessler kämpft beim Erzählen mit den Tränen. Das Schicksal ihres Nachbarn Paul Diethelm und seiner Frau geht ihr nahe. Sie wünscht sich, dass alles nur ein Film gewesen war, bei dem sie Pause drücken könnte. Doch dem ist nicht so. Für Romy Kessler ist klar: Es traf die falschen Leute.

Was ist geschehen?

Am 19. Juli hörte Romy Kessler mehrere laute Knalle. Sie dachte sich: «Wer zündet an so einem heissen Tag ein Feuerwerk?» Sie verliess das Haus und was sie sah, war schrecklich. «Die Scheune von Paul brannte lichterloh.» Sofort alarmierte sie die Feuerwehr, diese war bereits auf dem Weg. Paul Diethelm selbst war nicht zu Hause, deshalb fuhr die Tochter von Romy Kessler schnellstmöglich zum Hof und versuchte zu retten, was noch zu retten war. «Ein Mann war schon vor Ort und dabei, die Rinder zu retten. Zusammen konnten sie alle Lebewesen in Sicherheit bringen.» Mensch und Tier wurden beim Brand nicht verletzt. Das Hab und Gut von Paul Diethelm und seiner Frau jedoch wurde zu Asche.

Quelle: PilatusToday

Spendeaktion ins Leben gerufen

Bei Romy Kessler war die Betroffenheit gross. Denn sie ist nicht nur die Nachbarin der betroffenen Bauernfamilie, sondern auch eine gute Freundin. «Paul Diethelm und seine Frau sind für uns wie Familie», sagt Romy Kessler. Deshalb wollte sie helfen. Bereits einen Tag nach dem Brand stellte sie auf ihrem Hof eine Spende-Kanne hin. Sie will Geld sammeln, um ihrer Nachbarsfamilie zu helfen.

Die Spende-Kanne steht nun fast zehn Tage. «An gewissen Tagen kommen 100 Franken zusammen, an anderen Tagen fast 300 Franken», sagt Romy Kessler, welche auf ihrem Hof eine Hundebetreuung hat. Dort konnte sie Werbung für die Spendenaktion machen. Wie sie selbst sagt, seien «Hündeler» tierliebend und würden solche Projekte gerne unterstützen. Bis jetzt sind fast 3'500 Franken zusammen gekommen. Das Ziel sei ein fünfstelliger Betrag.

Mit dem Geld will Romy Kessler die Bauernfamilie beim Futterkauf für die Tiere unterstützen. «Paul hatte alles Heu beisammen und musste nur noch die Ballen machen.» Nun sei jedoch alles verbrannt. «Mit dem Geld haben sie hoffentlich genügend Futter und müssen ihre Kühe nicht verkaufen», so Kessler.

Der Bauer Paul Diethelm selbst wollte keine Auskunft geben. Der Brand steckt ihm zu tief in den Knochen. Wie Romy Kessler selbst jedoch sagt, freue sich die Bauernfamilie über die Spendenaktion. «Paul und seine Frau hatten beide Tränen in den Augen und waren tief berührt.» Der genaue Sachschaden kann noch nicht beziffert werden. Paul Diethelm liess jedoch per Telefon ausrichten, dass seine Scheune versichert sei.

«Warum trifft es immer die guten Leute?»

Auch wenn die Scheune versichert ist, auf die Familie Diethelm kommt noch viel Arbeit zu. Davon ist auch Lisa Knobel aus Altendorf überzeugt. Sie ist eine der Spenderinnen. «Von der Strasse her sieht man die Brandruinen und es tat mir einfach weh. Ich hoffe, dass viele Menschen vorbei kommen und spenden.»

Die Spende-Kanne soll noch bis Ende August bei Romy Kessler stehen, dies sagte Kessler gegenüber dem «Bote der Urschweiz». Sie hofft, dass noch mehr Menschen vorbeikommen, um Geld zu spenden: «Warum trifft es immer die guten Leute? Paul und seine Frau haben alles selbst aufgebaut und leben von dem Hof. Sie sind herzensgute Menschen, arbeiten viel und leben für ihre Tiere.»

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 30. Juli 2022 07:58
aktualisiert: 30. Juli 2022 08:05