Sanktionen gegen Russland

21 Millionen weniger in der Kasse: Sanktionen für Zug verkraftbar

Noah Zimmermann, 4. März 2022, 14:58 Uhr
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Quelle: PilatusToday/Andreas Wolf

Gerade für den Kanton Zug sind die Wirtschaftsbeziehungen zu Russland wichtig. Die von der Schweiz mitgetragenen Sanktionen bedeuten für einige Zuger Firmen den Konkurs oder sehr eingeschränkte Möglichkeiten. Das sei jedoch verkraftbar, meint der Regierungsrat.

Zug sei mit seiner internationalen Wirtschaft und Bevölkerung besonders von dem Krieg betroffen, sagte Landammann Martin Pfister (Mitte). Dies zeigte sich schon wenige Tage, nachdem die Sanktionen gegen Russland in Kraft getreten sind: Ende vergangene Woche wurde bekannt, dass der in Zug ansässige russische Gaspipelinebauer Nord Stream 2 seine Belegschaft entlassen hat.

Ausfälle von 21 Millionen Franken wären verkraftbar

Der Zuger Regierungsrat geht davon aus, dass die Folgen des Ukraine-Kriegs auf die globale Wirtschaft die Zuger Wirtschaft stärker treffen werden als die eigentlichen Sanktionen gegen Russland. Die Steuereinnahmen von russischen Unternehmen und Staatsangehörigen, die wegfallen dürften, seien für Zug verkraftbar.

Basierend auf den Zahlen von 2020 hat die Zuger Finanzdirektion rund 20 Gesellschaften mit direktem Bezug zu Russland identifiziert. Zudem weist das Steuerregister etwa 300 Menschen mit Staatsangehörigkeit Russland aus. Diese Unternehmen und Personen bezahlten dem Kanton rund 21 Millionen Franken Steuern. Dies sei ein substanzieller Beitrag, der Wegfall würde Zug aber nicht in finanzielle Bedrängnis bringen.

Weitere Entlassungen unklar

Die Entlassungen von Nord Stream 2 sorgten für Unsicherheit im Kanton. Zur Tragweite der Sanktionen sagt Volkswirtschaftsdirektorin Silvia Thalmann: «Wir gehen davon aus, dass rund 900 Personen in Firmen mit Russland-Bezug arbeiten.» Über die konkreten Auswirkungen in den sanktionierten Unternehmen seien aktuell schwer fassbar. Der Kanton werde erst einbezogen, wenn es um Entlassungen geht.

Prognosen über die wirtschaftlichen Folgen des Ukraine-Kriegs für den Kanton Zug seien schwierig, weil eine allgemein anerkannte Definition des «russischen Unternehmens» fehle, erklärte der Regierungsrat.

Zuger Bevölkerung solidarisch

Der Finanzdirektor Heinz Tännler betont am Freitag: «In Zug gibt es eine Willkommenskultur.» Er appelliert an die Bevölkerung, es könne nicht sein, dass bei der Ukrainekrise diese Linie verlassen werde.

Der Regierungsrat spüre eine grosse Solidarität und Hilfsbereitschaft. Es gebe auch viele Fragen, zum Beispiel rund um Jodtabletten. Eine Hotline des Kantons stehe der Bevölkerung zur Verfügung. (041 723 78 99)

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(zno/sda)

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 4. März 2022 10:24
aktualisiert: 4. März 2022 14:58