Bräunung

Fakt oder Fake? Eine Expertin analysiert fünf Mythen zu Sonne und Sonnenschutz

Jan Fedeli, 17. August 2023, 11:19 Uhr
Regelmässiges Eincremen mit Sonnencreme ist wichtig, um Hautkrebs vorzubeugen.
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Eine bräunliche Haut gilt in unserer Gesellschaft als attraktiv. Ist sie aber auch gesund? Dr. med. Anja Wysocki, Co-Chefarztärztin Dermatologie am Luzerner Kantonsspital, liefert Antworten auf gängige Mythen rund um die Sonne und Sonnenschutz.

«Es gibt eine gesunde Bräune»

Ein gebräunter Teint ist für viele Menschen mit Attraktivität und Aktivität verbunden, allerdings zu Unrecht. Die Sonnenbräune der Haut ist ein Schutzmechanismus, um schädigende UV-Strahlung abzuhalten. Ungefährliche Bräune («Bräune ohne Reue») kann man durch Selbstbräunungscreme erreichen. Da diese keinen Lichtschutz enthalten, benötigt man tagsüber unbedingt zusätzlich Sonnencreme. Es ist sehr wichtig, die Haut vor UV-Strahlung zu schützen, da sich diese jeden Sonnenbrand und jede Sonnenstunde merkt. Mit zunehmendem Alter kann die Haut diesen Lichtschaden nicht mehr reparieren, es kann Hautkrebs entstehen. Gerade junge Menschen legen jetzt mit konsequentem Sonnenschutz den Grundstein, um gesund alt werden zu können. Wichtig als Sonnenschutz sind auch Kleider, Hut und eine gute Sonnenbrille.

«Im Solarium bereite ich mich ideal auf die Sonnenstrahlen vor»

Nein, das Solarium ist keine sinnvolle Methode, um sich auf die Sommermonate vorzubereiten. Von diesem «Vorbräunen» wird eindeutig abgeraten. Die langwelligen UVA-Strahlen dringen tief in die Haut ein und sind genauso wie die ebenfalls enthaltenen UVB-Strahlen für Hautalterung mit Faltenbildung sowie die Entstehung von schwarzem und weissem Hautkrebs verantwortlich bei sehr geringem Lichtschutzeffekt. Deshalb ist es viel effektiver und sinnvoll, stattdessen Sonnencreme mit Faktor 50+ aufzutragen.

«Im Schatten oder bei Wolken werde ich nicht braun/rot»

Nein, man kann sehr wohl Sonnenbrand bekommen und auch braun werden. Schatten ist zudem sehr unterschiedlich: Ein kleiner Sonnenschirm aus dünnem Stoff bietet nur geringen Schutz, dazu kommt oft die Reflexion von Sand oder Schnee. Da fast zwei Drittel der UV-Strahlung zwischen 11 und 15 Stunden auf die Erde treffen, sollte man sich in dieser Zeit im Sommer möglichst drinnen aufhalten oder wirksamen Schatten unter dichten Bäumen, UV-Schutzsegeln oder Hauswänden suchen. Bewölkter Himmel bei gleichzeitigem Wind kann tückisch sein, da wir die Intensität der Sonne unterschätzen und heftigen Sonnenbrand bekommen können.

Dr. med. Anja Wysocki ist Co-Chefarztärztin Dermatologie am Luzerner Kantonsspital (LUKS). Sie analysiert gängige Mythen rund um die Sonne und Sonnenschutz auf ihren Wahrheitsgehalt.  

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«Dunkle Hauttypen müssen sich nicht eincremen»

Auch mit hellem Hauttyp muss man sich eincremen, trotz höherer Eigenschutzzeit der Haut. Das ist die Zeit, während der man in der Sonne bleiben kann, ohne Sonnenbrand zu bekommen. Bei hellen Hauttypen ist die Eigenschutzzeit 10 bis 20 Minuten, beim mediterranen Typ 30 bis 40 Minuten und beim dunkeln 60 bis 90 Minuten. Das bedeutet, auch «nicht-weisse» Menschen sollten Sonnencreme mit Schutzfaktor 10 bis 20 auftragen. Sie können sogar selten schwarzen Hautkrebs, meist an Händen und Füssen, entwickeln, der häufig erst im fortgeschrittenen Stadium erkannt wird, da man nicht daran denkt.

«Sonnenstrahlen helfen gegen Pickel»

Leider nicht. Dieser falsche Eindruck beruht darauf, dass die Akne in den Ferien, vorab in der Kombination Sonne und Meer, austrocknet und sich kurzfristig bessern kann. Allerdings kommt es in den folgenden Wochen meist zu einem Bumerang-Effekt. Akne sollte dermatologisch mit Reinigung und wirksamen Gelpräparaten mit Peelingeffekt, bei ausgeprägten Formen mit starker Entzündung und Narbenbildung mit Tabletten behandelt werden. Entscheidend bei Akne ist die Auswahl einer gelartigen, nicht fettenden Sonnencreme.

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 20. August 2023 15:27
aktualisiert: 20. August 2023 15:27