«Ich bin gläubig»

Klein aber Oho – Einblick in den hinduistischen Tempel Emmenbrücke

Vanessa Zemp, 6. April 2023, 18:32 Uhr

Quelle: Tele 1

Seit 30 Jahren lebt der Priester Sarma aus Sri Lanka mit seiner Familie in Emmenbrücke. Zweimal wöchentlich leitet er den hinduistischen Gottesdienst im Tempel. Nun packen auch seine Söhne mit an. Wir waren dabei.

«Um sieben Uhr beginnt der Gottesdienst, zieht euch um», fordert der Priester Ramakrishna Sarma Saseetharen seine beiden Söhne auf, als wir den hinduistischen Tempel betraten. Die Familie spricht tamilisch untereinander. Es ist ein grosser farbenfroher Raum, der sich im Industriegebiet von Emmenbrücke befindet. Hinduistische Zeichen zieren Säulen und Decke. Im Zentrum stehen verschiedene Götterstatuen. Anders als im Christentum gibt es im Hinduismus viele Götter und viele verschiedene Strömungen des Glaubens.

Im Zentrum des hinduistischen Tempels stehen verschiedene Götterstatuen.

Herr Sarma und seine beiden Söhne laufen auf mich zu. Sie tragen traditionelle Kleidung, eine Art Rock. Der Oberkörper bleibt unbekleidet. Der Priester zeichnet den beiden einen roten Punkt zwischen die Augenbrauen. «Dieser Punkt symbolisiert den Segen Gottes», so Sarma.

Die Jungs sind neun und zehn Jahre alt. Zwei Monate seien vergangen, seit die beiden hier zum ersten Mal einen Gottesdienst abhielten. Unterstützung erhalten sie von ihrem Vater, dem Priester Sarma. «Es macht mich stolz, den beiden zuzusehen.»

Die Heilige Schnur

Mit neun Jahren dürfen hinduistische Buben ein Ritual erleben, ihnen wird die heilige Schnur überreicht. Ab diesem Zeitpunkt sind sie berechtigt, an Ritualen wie dem Gottesdienst mitzuwirken. Sie lernen Mantras und Vedas auswendig, das sind heilige Texte, die unter anderem an Gottesdiensten aufgesagt werden. «Zu Beginn bin ich immer etwas aufgeregt, doch das legt sich während des Gottesdiensts», so der 10-jährige Sabarishann Saseetharen lächelnd.

Die beiden Söhne von Priester Sarma sind neun und zehn Jahre jung und packen seit zwei Monaten in Gottesdiensten mit an.

Ungefähr zehn Hindus haben sich heute Abend im Tempel zum Gottesdienst versammelt. Die beiden Söhne sprechen ein erstes Mantra auf. Gesprochen wird Sanskrit, eine altindische Sprache. «Mantras gehören zu unserem Alltag, die beiden haben mir schon früh beim Aufsprechen zugehört», so Sarma. «Es ist keine Pflicht, doch in unserer Kultur wird erwartet, dass die Söhne eines Priesters diese Position später einmal einnehmen.

«Wir gehören zur Minderheit»

Herr Sarma lebt nun seit 30 Jahren in der Schweiz. Er ist damals wegen des Bürgerkriegs aus Sri Lanka geflüchtet. Heute leben ungefähr 50'000 Hindus in der Schweiz. «Das sind nicht gerade viele, wir gehören zur Minderheit und doch bin ich dankbar, hier zu sein», so Sarma. «Die Schweiz ist mein zu Hause.» Umso wichtiger sei es für ihn, seine Kinder an eine öffentliche Schule zu schicken. «Wir leben in einem Land mit Religionsfreiheit, ich finde es wichtig, dass meine Kinder auch andere Religionen kennenlernen.

Zu Besuch im hinduistischen Tempel

Ab und zu kämen auch Schulklassen im Tempel vorbei. «Die Jungen interessieren sich für unsere Religion. Ich kläre sie hier im Tempel über Rituale auf und stelle ihnen unsere Götter vor.»

Nach einer Dreiviertelstunde ist der Gottesdienst vorbei. Alle Götterstatuen wurden in einem Rundgang durch den Tempel mit einem Mantra gesegnet. Besucherinnen und Besucher werden vor der Verabschiedung noch mit einem «Säckli» indischem Reis gestärkt. Danach wird geputzt und aufgeräumt, bevor es zu Bett geht.

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 6. April 2023 18:33
aktualisiert: 6. April 2023 18:33