Strommangellage

Die Zentralschweizer Kantone blicken zuversichtlich auf den Winter

Janis Schaller, 5. November 2023, 07:56 Uhr
Die Lage bleibt angespannt. Allem Anschein nach, sollte aber eine Mangellage vermieden werden können.
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Die Versorgungslage mit Energie sei in den Zentralschweizer Kantonen derzeit gewährleistet, wie die Kantone einstimmig melden. Trotzdem: Von Entwarnung ist nicht die Rede. Auch für den kommenden Winter ist Energiesparen angesagt.

Im vergangenen Jahr war die Situation prekär. Überall war von einer Strommangellage die Rede, sodass es sogar zum «Deutschschweizer Wort des Jahres» gekürt wurde. Dennoch hat es die Schweiz ohne Blackout durch den Winter geschafft. Doch wie sieht es aktuell in den Kantonen aus? Wie ist die Zentralschweiz auf den kommenden Winter vorbereitet?

Der Kanton Luzern erarbeitete Massnahmenpakete

Die Versorgungslage sei angespannt, aber könne derzeit gewährleistet werden. Die Staatskanzlei verweist dabei auf das Energiedashboard des Bundesamtes für Energie. «Der Kanton Luzern hat im vergangenen Winter mehrere Massnahmenpakete erarbeitet, die er bei einer sich verschlechternden Versorgungslage gestaffelt aktivieren kann», schreibt die Staatskanzlei vom Kanton Luzern auf Anfrage von PilatusToday und Tele 1.

Zudem gelten seit April 2023 verschiedene Regeln in der kantonalen Verwaltung und den Schulen. Weiter heisst es: «Kantonale Einschränkungen zulasten der Wirtschaft oder Bevölkerung sind in der jetzigen Versorgungslage nicht vorgesehen.»

Die Weihnachtsbeleuchtung in der Stadt Luzern wird fast uneingeschränkt laufen

Gemäss dem Verein Weihnachtsbeleuchtung Luzern läuft in der Stadt die weihnachtliche Dekoration wieder fast normal. «Es gibt leicht angepasste Betriebszeiten, aber die sind gar nicht so relevant», erklärt der Verein auf Anfrage von PilatusToday.

Die Weihnachtsbeleuchtung auf der Seebrücke ist schon installiert. Am 23. November wird sie zum ersten Mal die Luzerner Innenstadt erhellen. (Archivbild)

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Auf dieses Jahr hin hätten sie die Beleuchtung in der Rössligasse, der Weggisgasse und der Kapellgasse totalsaniert und auf den neusten technischen Stand gebracht. Das würde eine grosse Energieeinsparung mit sich bringen. Im Gegensatz zu Luzern gibt es in den Städten Zürich und Bern auch in diesem Jahr Einschränkungen bei der Weihnachtsbeleuchtung, wie das «SRF» berichtet.

Handbücher für den Umgang mit einer Strommangellage im Kanton Schwyz

Der Kanton Schwyz stuft das Risiko einer drohenden Mangellage «deutlich geringer» ein als im vergangenen Winter, wie die Staatskanzlei auf Anfrage mitteilt. Der Kanton Schwyz will aber aus der Situation gelernt haben. Die Zuständigkeiten und Abläufe seien inzwischen besser bekannt. Die Staatskanzlei schreibt weiter: «Für die Gemeinden wurde ein Handbuch ‹Strommangellage› erarbeitet und abgegeben.» Spezielle Sparkampagnen hat der Kanton Schwyz nicht geplant.

Die Heizung macht einen relevanten Teil des Strombedarfs aus. Nur schon ein Grad weniger kann den Verbrauch deutlich reduzieren.

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Elektrizitätswerke Obwalden sind zuversichtlich, beobachten die Situation aber genau

Im Kanton Obwalden geht man nicht von einem Engpass in der Energieversorgung aus, wie die Regierung auf Anfrage bekannt gibt. Thomas Baumgartner, Vorsitzender der Geschäftsleitung Elektrizitätswerke Obwalden, sagt auf Nachfrage von PilatusToday: «Wir beurteilen die Lage als ruhig. Es ist nicht so kritisch wie im vergangenen Jahr.» Die Stauseen und Gasspeicher seien sehr gut gefüllt, das sei ein positives Zeichen. Zudem seien die AKWs in Frankreich wieder besser verfügbar.

Für Baumgartner gibt es dennoch ein Restrisiko: In einem extrem kalten Winter könne die Situation trotzdem kritisch werden. Zudem hätte die weltpolitische Lage auch einen Einfluss auf den Energiemarkt in der Schweiz.

Mehr mit Notstrom ausgerüstete Arbeitsplätze in Zug

Andreas Conne, Generalsekretär Volkswirtschaftsdirektion Kanton Zug, schreibt auf Anfrage von PilatusToday: «Derzeit ist die Strom- und Gasversorgung gewährleistet. Die Entwicklung hängt jedoch insbesondere von der Wetterlage ab.»

Man gibt sich zuversichtlich: «Der Kanton Zug hat sich insofern auf eine mögliche Energiemangellage vorbereitet, als er beispielsweise noch mehr notstromunterstützte Arbeitsplätze schafft und ein Business Continuity Management ausarbeitet», schreibt Andreas Conne weiter. Energiesparmassnahmen hat der Kanton Zug, im Gegensatz zum vergangenen Jahr, bisher nicht ergriffen. Man würde Massnahmen prüfen, sobald der Bund oder die Energiedirektorenkonferenz solche empfehlen würden.

Kanton Uri setzt einen Sonderstab ein

«Die Energieversorgungssicherheit im Kanton Uri wird als stabil bewertet», schreibt die Baudirektion auf Anfrage. Man sei vorbereitet auf den Winter. Weiter heisst es: «Als wichtige Vorbereitungsmassnahme hat der Regierungsrat des Kantons Uri einen Sonderstab des kantonalen Führungsstabes eingesetzt. Dieser beobachtet die Lage laufend, um auf allfällige Entwicklungen reagieren zu können.»

Der Kanton rechnet aber nicht mit einem Engpass. Er hat noch keine Massnahmen für die Bevölkerung ergriffen. Der Sonderstab bitte darum, den Energieverbrauch weiterhin im Auge zu halten und wann immer möglich, Strom zu sparen.

Nidwalden appelliert an die Bevölkerung

Der Kanton Nidwalden scheint aus dem letzten Jahr gelernt zu haben: «Die für den vergangenen Winter getätigten Vorkehrungen wären auch für den Fall einer drohenden Energiemangellage im kommenden Winter anwendbar.» Zusätzlich seien erkannte Lücken in der Stromversorgung grösstenteils geschlossen worden. Der Kanton hat keine Stromsparkampagne geplant, appelliert aber an den «sorgsamen Umgang mit Energie», wie er auf Anfrage von PilatusToday schreibt.

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Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 5. November 2023 07:56
aktualisiert: 5. November 2023 07:56