Vor 50 Jahren

In Inwil hätte ein riesiges AKW gebaut werden sollen

Alessandro Perucchi, 1. Juni 2023, 19:26 Uhr
Vielleicht hätte das geplante Atomkraftwerk in Inwil so ausgesehen. (Visualisierung und Symbolbild)
© PilatusToday / Andreas Wolf
Vor genau 50 Jahren sprach sich die Inwiler Bevölkerung dafür aus, dass der Energiekonzern CKW auf dem Gemeindegebiet ein AKW bauen kann. Schliesslich wurden die Pläne aber begraben – gebaut wurde nie.

«Kernenergie: Sicher, Sauber, Unentbehrlich, Unerschöpflich» – mit diesem Slogan haben sich die Befürworter des AKW für den Bau in Inwil eingesetzt. Die Pläne der Centralschweizerischen Kraftwerke CKW waren gross. In Inwil sollte auf einem Acker, den das Energieunternehmen erstanden hatte, ein Atomkraftwerk gebaut werden.

So berichtete das Regionalmagazin des «SRF» über die Pläne:

Zu dieser Zeit befand sich ein grosser Teil der Schweiz im Atomkraft-Fieber. Nach dem Zweiten Weltkrieg wollte die Schweiz sehr schnell von der neuen Technologie profitieren. Mit Beznau 1969 konnte die Schweiz damals ihr erstes AKW bauen – das heute älteste noch funktionierende der Welt. Nach einem atomaren Unfall in der Westschweiz wurden aber die negativen Stimmen auch immer lauter und Kritik an den Atomkraftwerken kam auf.

Inwil als Wunschstandort

1972 kommunizierten die CKW, dass sie im Kanton Luzern ein Atomkraftwerk bauen wollen und nun mit Untersuchungen und Standortvergleichen starten würden. Ein Standort war schnell gefunden: Inwil. So stellten die CKW einen Kaufantrag für ein grosses Grundstück direkt an der Grenze zur benachbarten aargauischen Gemeinde Dietwil.

Auf diesem Gebiet in Inwil hätte das AKW gebaut werden sollen.

© LZ / Jörg Baumann

Das Grundstück war zum Zeitpunkt des Kaufantrags ein Landwirtschaftsgrundstück. Damit es zu einer Industriezone werden konnte – denn so eine war notwendig für den Bau eines Kernkraftwerks – musste es zu einer Abstimmung in der Gemeinde kommen. Die CKW wollte erst danach eine Standortbewilligung für das Kraftwerk beim Bund einholen.

Abstimmung vor 50 Jahren

Die eigentliche Materie der Abstimmung war trocken: Kann das Grundstück umgezont werden? Die Bewegung dahinter aber überhaupt nicht. Denn die Abstimmung wurde als Wegweiser betrachtet, ob es in Inwil ein AKW gibt oder nicht.

Ein solcher Bau wäre für die Luzerner Gemeinde äusserst erträglich gewesen. Gemäss dem Abstimmungsbüchlein hätten die CKW mindestens 3 Millionen Franken Steuern an die Gemeinde abliefern müssen – pro Jahr. Aber die Gegnerschaft befürchtete, dass der Bau des Kraftwerks nicht mehr verhindert werden konnte, sollte die Abstimmung erst gewonnen sein. Im Juni 1973 wurde deshalb ein zusehends gehässigerer Abstimmungskampf ausgetragen.

Gegnerinnen und Gegner der Atomkraft an einer Demonstration gegen neue AKWs – auch gegen das geplante in Inwil.

© LZ / str

Die Gegnerinnen und Gegner des Atomkraftwerks kamen aus der ganzen Schweiz: Sie führten Aktionen durch, die auf die Gefahren der nuklearen Energie hinwiesen und veranstalteten Demonstrationen. Auch in der Nachbargemeinde Dietwil regte sich Widerstand gegen die Pläne der CKW. Denn die Dietwiler befürchteten, dass ihnen riesige Kühltürme den direkten Blick auf den Pilatus verbauen würden.

Doch kein AKW in Inwil

Trotz der Gegenkampagne gewannen die CKW die Abstimmung – mit 12 Stimmen Unterschied. Zum Bau des Atomkraftwerks kam es dennoch nicht. Nach der Abstimmung kam es zu Einsprachen und Rekursen, die sich in die Länge zogen. Die AKW-Gegner zogen mit ihren Beschwerden vors Bundesgericht, unterlagen dort aber. Doch die Fortführung des Projektes zog sich hin. 1979 verabschiedete der Bundesrat einen neuen Beschluss zum Atomgesetz. Dieser sah vor, dass es keine neuen AKWs geben soll, wenn dazu kein Bedarf bestehe. Dieser bestand nicht und so wurden die Pläne für Inwil begraben.

2012, also gut 40 Jahre später, unternahmen die CKW einen erneuten Anlauf für ein Elektrizitätswerk in Inwil. Die schweizweit grösste Fotovoltaik-Anlage sollte in der beschaulichen Gemeinde errichtet werden. Vor zehn Jahren bezeichnete dies Felix Graf, Leiter des Geschäftsbereichs Energie der CKW, als «Ironie des Schicksals», dass just am geplanten AKW-Standort nun eine Solaranlage stehen würde.

Wer heute nach Inwil fährt, merkt aber: Hier gibt es keine grosse Solaranlage. Auch diese Pläne haben sich zerschlagen. Gut möglich, dass die CKW in 30 Jahren wieder einen Anlauf nehmen werden für ein neues Kraftwerk.

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Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 1. Juni 2023 19:26
aktualisiert: 1. Juni 2023 19:26