Personalmangel

Linie 5 gestrichen – wie konnte es bei der VBL so weit kommen?

Janis Schaller, Florian Estermann, 1. November 2023, 07:03 Uhr

Quelle: Tele 1 / Florian Estermann

Die Personalsituation bei der VBL ist so dramatisch, dass sogar eine Buslinie gestrichen werden musste. Dieser Entscheid wurde Ende Oktober kommuniziert. Was das bringt und wie es überhaupt soweit kommen konnte, erklären die VBL gleich selber.

Der Personalmangel erstreckt sich über viele Fachbereiche – auch der Öffentliche Verkehr wird nicht davor verschont. Nun müssen die VBL die Linie 5 vorläufig vom Netz nehmen.

Personalmangel war absehbar

115 Dienste fahren jeden Morgen vom Busdepot Weinbergli los. Das braucht viel Personal. Dass genau diese Ressource knapp wird, sei absehbar gewesen, erklärt Andrea Arnet, stellvertretende Personalleiterin bei den VBL. «Wir stellen in diesem Jahr vermehrt Kündigungen fest», bestätigt sie gegenüber PilatusToday und Tele 1.

Laut ihrer Einschätzung würden die Bedingungen auf dem Arbeitsmarkt eine berufliche Neuorientierung begünstigen. «Wir sind laufend am Rekrutieren von neuem Personal. Zudem arbeiten wir auch daran, dass wir die bestehenden Mitarbeitenden halten können.»

Pensionierte Mitarbeitende entschärfen die Situation

Die VBL seien im Dauergespräch mit den Mitarbeitenden, um die Arbeitsbedingungen vermehrt deren Wünschen anzugleichen: «Das geht von den Löhnen zu der aktiven Einbindung in wichtige Entscheidungen, die Entschädigung und Wertschätzung von Spezialeinsätzen und so weiter.» In den nächsten Wochen würden bei der VBL auch Mitarbeitende aus Deutschland eingearbeitet, um sie möglichst rasch eigenständig im Dienst einteilen zu können. Zudem seien bei der VBL derzeit 13 pensionierte Angestellte im Einsatz, um die Situation zu entschärfen.

Fahrdienstmitarbeitende helfen sich andauernd aus

Im Fahrdienst versucht man auszuhelfen, wo es auch immer geht. Daniel Camenzind, Fahrdienstmitarbeiter der VBL, beschreibt die Situation so: «Wir merken, dass wir zu wenig Personal haben derzeit. Wenn ich zwei Tage frei habe, muss ich damit rechnen, dass das Telefon klingelt und ich einspringen muss. Im Moment klingelt es dann auch meistens.»

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Der Stress im Verkehr ist gross

In diesem Job sei man grossem Stress ausgesetzt. Mit dem können nicht alle gleich gut Umgehen. Das sei vor allem im Feierabendverkehrschaos, welches sich praktisch jeden Abend wiederholt, ein Problem. Dennoch: «Das Wichtigste ist die Sicherheit. Ich kann im Feierabendverkehr nur fahren, so gut es geht. Aber pünktlich bin ich dann nicht mehr», sagt Camenzind.

Für den Busfahrer würden mehr Busspuren und eine verstärkte Ampelbevorzugung die Verkehrssituation für die Fahrer des öffentlichen Verkehrs sicher entschärfen. Die Pünktlichkeit würde verbessert und demnach der Stress reduziert.

Zu wenig Reserven und grosse Verantwortung

«Wir hatten in den letzten Wochen und Monaten vermehrt mit kurzfristigen Absenzen zu tun gehabt», erklärt Dominik Birrer, Leiter der Leitstelle bei der VBL. Der Pool an Fahrer wurde zu klein, um die Ausfälle zu decken. Daraufhin hätten sie das Gespräch mit dem Auftraggeber, dem Verkehrsverbund Luzern (VVL), gesucht. Das Resultat daraus war bekanntlich die Schliessung der Linie 5 und der Verstärker auf der Linie 1.

Zu diesem Schritt sagt Birrer: «Diese Massnahme gibt uns und den Mitarbeitenden wieder mehr Luft, sich auch mal erholen zu können. Unser grosses Ziel ist es, ab dem Fahrplanwechsel die Linie 5 wieder zu befahren, wenn auch mit einem reduzierten Plan.»

Dass die Fahrdienstmitarbeitenden sich nicht wegen lustig vom Dienst abmelden, scheint für Birrer klar. Das Personal könne nicht zur Arbeit antreten, wenn es an Schwindel oder Fieber leidet. Danach mit 25 Meter langen Fahrzeugen und bis zu 200 Personen im Schlepptau durch die Stadt fahren, geht nicht. Da sei die Verantwortung schlichtweg zu gross.

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 1. November 2023 07:03
aktualisiert: 1. November 2023 07:03