Daniel Merriweather - Love & War

Der eine oder andere erinnert sich sicherlich, vor zwei Jahren war Daniel der Sänger der Mark-Ronson-Hitsingle „Stop Me“, einer Coverversion des Smiths-Klassikers „Stop Me“, die Platz zwei der britischen Charts erreichte. Dass der Mittzwanziger jedoch weitaus mehr ist als ein stimmlich begabter Mietmusiker, beweist er nun mit seinem Debütalbum „Love & War“. Doch eigentlich braucht der Wahl-New-Yorker dafür nicht mal seine Musik: Fünf Minuten in seiner Gesellschaft genügen vollkommen, um allen Beteiligten klar zu machen, was für ein unbeirrbarer, begabter und hartnäckiger Typ Merriweather ist. Dazu begeistert er seine Zuhörer mit beneidenswertem Charme, Humor und Selbstbewusstsein und ist weit eloquenter und weltgewandter, als man das Menschen in seinem Alter normalerweise so zutraut.

Mit „Love & War” hat Daniel Merriweather eine Platte gemacht, die sich im Spannungsfeld der beiden Kultur-Metropolen bewegt, die in seinem Leben entscheidenden Einfluss auf ihn hatten. Eine Aufgabe, die er trotz ihrer offensichtlichen Komplexität mit grosser Leichtigkeit bewältigt – und ohne dabei völlig schizophren zu werden. Bewusst widerstand er den Versuchungen, eine glatte Pop-Platte oder ein smoothes, zeitgemässe Neo-Soul-Album zu produzieren. Stattdessen gönnte sich Merriweather die Zeit und den Raum für emotionale Intimität, beherzte Erweiterung des eigenen Sound-Spektrums und akribisches Soul-Searching. Das Ergebnis ist aussergewöhnlich: „Love & War“ ist eine hymnische und z.T. abgedrehte Akustik-Folk-Platte, beseelt vom Geist klassischer Motown- und Stax-Produktionen, mit einem Herz so gross wie Alaska. Es ist ein klassisch-grandioses Debütalbum von hoher Qualität, voller potenzieller Hitsingles und Lichtjahre entfernt von Daniels Alltag als Strassenmusiker in Melbourne.

„Wenn ich mir das Album anhöre, ob es einen roten Faden gibt, der sich durch alle Songs zieht, dann ist es wohl mein eigenes Erwachsenwerden. Es gibt auf jeden Fall ein paar ich-heule-in-mein-Bier-Songs, das gute alte Bier-und-Tränen-Ding eben. Ich wollte schon immer ein Album machen, das klassisch klingt. Eines, das ich in zwanzig Jahren noch auflegen kann und das ich mir dann immer noch gerne anhöre. Ich mag Sachen, die über die Jahre hinweg Schrammen und Kratzer abbekommen, aber letzten Endes immer noch z.B. ein Tisch sind, auf dem man sein Glas abstellen kann. Im Moment habe ich das Gefühl, dass ich sehr stolz auf meine Kinder wäre, wenn ich welche hätte – so wie ich jetzt sehr stolz auf die Songs bin, die ich geschrieben habe. Es fühlt sich alles sehr gut an.“

Veröffentlichung: 12. Juni 2009

www.danielmerriweather.com

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